China-Anschluss für die Schweiz

ZÜRICH ⋅ Der Finanzplatz hat sich längere Zeit darum bemüht, dass sich eine chinesische Bank in der Schweiz niederlässt. Im Herbst ist es so weit. Die Schweiz hinkt der Konkurrenz hintennach.
07. Juli 2015, 00:00

Jann Lienhart

Bereits nach den Sommerferien will die China Construction Bank (CCB) im Zürcher Enge-Quartier eine Filiale mit rund 40 Mitarbeitern eröffnen. Noch ausstehend ist jedoch die dafür nötige Bewilligung der Schweizer Aufsichtsbehörde Finma. Das entsprechende Bewilligungsverfahren ist aufwendig. Sollte es bis im Herbst abgeschlossen sein, wäre das rekordverdächtig schnell. Anfang September findet der nächste Finanzdialog der beiden Regierungen und der zweite privatwirtschaftlich organisierte runde Tisch zwischen der Schweiz und China statt. «Ein speditiver Entscheid der Schweiz bis dahin würde in China sicher positiv zur Kenntnis genommen und ein positives Signal senden», sagt Heinrich Siegmann von der Schweizerischen Bankiervereinigung.

Erleichterung im Warenhandel

Der Antrieb zur Bildung der CCB auf chinesischer Seite ist der Wunsch, eine globale Wirtschaftsmacht zu sein. Dazu gehört die Internationalisierung der chinesischen Währung. Der Renminbi soll wie der US-Dollar, der Euro, der japanische Yen und das britische Pfund zu einer globalen Leit- und Anlagewährung werden. Dafür braucht es einen genügend grossen und frei zugänglichen Anleihen- und Aktienmarkt, auf dem die Finanzakteure ihre Renminbi-Guthaben anlegen können, und Währungsdrehscheiben zur Abwicklung solcher Transaktionen. Die Einrichtung eines Renminbi-Hubs in Zürich ist in diesem Wirtschaftsplan der chinesischen Regierung ein Mosaiksteinchen. Umgekehrt bringt der Hub der Schweiz in einem ersten Schritt eine Erleichterung im Warenhandel. Dank der CCB-Filiale wird man künftig Zahlungen nach oder von China in die Schweiz selbst abwickeln können ohne den kostentreibenden Umweg über Hongkong oder einen anderen Renminbi-Hub.

Tiefere Zahlungskosten

Von Vorteil ist das vor allem für Unternehmen, die Waren nach China verkaufen oder chinesische Waren importieren. Sie können künftig diese Zahlungen in Renminbi auch über ihre kleinere Hausbank tätigen. Das soll einerseits zu etwas tieferen Transaktionskosten führen. Andererseits sollte der Hub auch ein Anreiz sein, vermehrt Handelsverträge in der chinesischen Währung abzuschliessen. Heute lauteten noch viele Verträge auf US-Dollar, was einen teuren zweifachen Wechsel der Währung nötig mache. Ebenfalls denkbar ist laut Siegmann, dass der Rohstoffhandel vermehrt auf Renminbi abgewickelt wird. Der Renminbi-Hub soll aber vor allem dem Schweizer Finanzplatz die Türe zu China öffnen. «Mit dem Hub kommt Know-how im Umgang mit dem Renminbi in die Schweiz», sagt Markus Meyer, Leiter Zahlungsverkehr bei der UBS. Wichtig ist das, weil die Erleichterung des Zahlungsverkehrs nur ein erster Schritt ist hin zu einer weiter gehenden Öffnung des chinesischen Kapitalmarktes. 2007 hat China begonnen, die zuvor völlig geschlossenen Grenzen auch für Kapital in kleinen Schritten zu öffnen. So können seit acht Jahren ausgewählte chinesische Unternehmen an ausländischen Börsen mit der Herausgabe von Unternehmensanleihen Geld aufnehmen (Dim Sum Bonds). China behält aber auch damit noch die volle Kontrolle über den Kapitalmarkt.

Neue Geschäftschancen

«Die chinesische Regierung geht das alles sehr überlegt und vorsichtig an», sagt dazu Meyer. Interessant werde es für den Schweizer Finanzplatz, wenn China den Kapitalmarkt weiter öffne. «Dann ist zu hoffen, dass sowohl Banken wie Kunden verstärkt Renminbi-Finanzprodukte offerieren und kaufen werden», sagt Siegmann. Den Schweizer Banken würden sich damit neue Geschäftschancen eröffnen. Möglich sei zum Beispiel neben dem Firmenkunden-, dem Kapitalmarkt- und dem Devisengeschäft längerfristig ein Einstieg ins Kredit- und Pensionsgeschäft, sagt Siegmann. «Da gibt es einen Riesenbedarf.»

Hub in Frankfurt und London

Für all diese Geschäfte braucht es jedoch den Hub. Denn eine Währungsdrehscheibe sorgt nicht nur für die Abwicklung von Zahlungen, sondern auch von Finanzprodukten wie Aktien und Anleihen. Vorerst sei jedoch das Wichtigste, sagt Siegmann, dass die Schweiz mit der CCB auf der Renminbi-Landkarte ankomme. Weil andere Finanzplätze wie London oder Frankfurt bereits einen Renminbi-Hub haben, ist die Schweiz in dieser Sache im Rückstand. Bis jetzt sei dieser noch klein, sagt Siegmann. Auf längere Sicht wäre es jedoch für den Schweizer Finanzplatz ein grosser Nachteil, nicht dabei zu sein. «Doch mit den aktuellen Entwicklungen sind wir da auf gutem Weg.»


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