Der Preis der Bequemlichkeit

E-COMMERCE ⋅ Online-Händler Brack orientiert sich am US-amerikanischen Konzern Amazon. Nun lanciert die aargauisch-luzernische Firma einen Bestellknopf.

25. November 2016, 00:00

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Online einkaufen ist vielleicht bequemer, als selber den Weg zum Laden unter die Füsse zu nehmen. Doch der Bequemlichkeit letzter Schluss ist auch das «traditionelle» Shoppen am Computer nicht. Der jüngste Hype auf der elektronischen Einkaufs­strasse sind die sogenannten Dash Buttons, wie sie der amerikanische Branchenprimus Amazon vor über einem Jahr bei sich zu Hause lanciert und jüngst auch in Deutschland und Grossbritannien eingeführt hat. Dash Buttons sind elektronische Bestellknöpfe. Sie sind programmiert auf einen bestimmten Artikel, den der Konsument mit einem einfachen Knopfdruck ordern und am nächsten Morgen aus dem Briefkasten holen kann. Katzenfutter, Zahnpasta oder Toilettenpapier; Amazon offeriert den US-Kunden bereits gegen 200 Artikel, die sich per Tastendruck bestellen lassen – für jedes Produkt gibt es einen eigenen Dash Button.

Eine solche Ansammlung von Bestellknöpfen kann in einer gewöhnlichen Familie allerdings nur allzu schnell recht unübersichtlich werden. Der Höhepunkt der Bequemlichkeit sei das Amazon-System noch nicht, sagte man sich beim aargauisch-luzernischen Online-Händler Brack. Entwicklungschef Philipp Maurer und sein Team machten sich an die Arbeit, um den Order Button mit dem besonderen Swiss Finish zu entwerfen. Seit gestern ist das Produkt bei Brack erhältlich – für 29.90 Franken. CEO Markus Mahler sprach gestern im Rahmen einer Medienorientierung vom «Schweizer Sackmesser unter den Dash Buttons».

Das etwa 15 Quadratzentimeter grosse, rechteckige Kästchen hat im Unterschied zum Amazon-Knopf nicht nur einen, sondern vier Tasten. Jede Taste steht für ein Produkt. Konfiguriert wird das Ding über eine Gratis-App. Durch ein simples Abscannen von Strichcodes werden die vier Tasten mit den gewünschten vier Artikeln belegt. Eine Push-Nachricht informiert den Kunden über den Bestellvorgang, sodass Mehrfachaufträge, wie sie in einer Familie schnell mal vorkommen, bis 17 Uhr am Bestelltag wieder storniert werden können.

Der 34 Gramm leichte Brack-Button ist «eine eigentliche Weltneuheit», wie es Mahler formulierte. Und man legt Wert auf dessen Qualität: Im Unterschied zu den Amazon-Buttons ist das Brack-Gerät aufladbar. Hergestellt wird es nicht in China, sondern im Hochlohnland Süd­korea. Diese Qualität muss aber auch sein, denn der Dash Button von Amazon kostet den Konsumenten mindestens direkt kaum etwas. Der US-Riese lässt sich das System von den grossen Konsumgüterherstellern finanzieren. Diese dürfen in den «Amazon-Haushalten» zwar ihren Knopf mit dem eigenen Firmen- oder Produktlogo platzieren, müssen dem Online-Händler dafür aber für jeden verkauften Knopf 15 Dollar abliefern.

Geräte bestellen bald selbstständig

Von einer solchen Marktmacht kann Brack auch als einer der fünf grössten Online-Händler der Schweiz nur träumen. Die Gruppe erwirtschaftet zwar über 500 Millionen Franken Umsatz im Jahr, und der kräftige Ausbau des Logistikzentrums in Willisau zeugt von den ehrgeizigen Zielen der Firma. Doch die Kosten für den Brack-Button können die Schweizer den Herstellerfirmen damit noch lange nicht aufs Auge drücken. Der Preis der Bequemlichkeit bleibt in diesem System beim Konsumenten hängen. Das ist wahrscheinlich auch der ehrlichere und gesündere Weg.

Immerhin verzichtet ein Konsument mehr oder weniger bewusst auf die Möglichkeit, bei jedem Einkauf die Preise unter den verschiedenen Anbietern zu vergleichen. Die Händler nennen dies Kundenbindung, bei den Konsumenten muss man eben von Bequemlichkeit sprechen. Ob und in welchem Ausmass der Bestellknopf den elektronischen Handel revolutionieren wird, muss sich weisen. Es heisst, in Amerika und in China seien bereits einige Millionen solcher Knöpfe im Gebrauch, doch das muss nicht so bleiben. Bestellknöpfe gibt es im sogenannten B2B-Geschäft (Business-to-Business) übrigens schon länger. Dort geht es mehr darum, das Entstehen von Nachschublücken zu verhindern.

Die nächste Entwicklung ist diesbezüglich schon unterwegs: «Dash Replenishment Service» – Geräte, die ihren Input-Nachschub selbstständig bestellen.


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