Die Bauunternehmen steigern ihre Umsätze

BAU ⋅ Das Schweizerische Baugewerbe hat sich vom Rückschlag im vergangenen Jahr erholt. In der Zentralschweiz fiel das Wachstum sogar leicht höher aus. Es verteilt sich aber ungleichmässig.

08. September 2016, 00:00

Die Umsätze im Bauhauptgewerbe legten im ersten halben Jahr um stolze 5,4 Prozent zu. Der Schweizerische Baumeisterverband beziffert die Branchenumsatzsumme für die Zeit von Neujahr bis zum 30. Juni auf 9 Milliarden Franken. Beide Hauptsparten bewegen sich wieder auf einem soliden Wachstumskurs: Beim Hochbau beläuft sich das Umsatzplus auf 6,7 Prozent, beim Tiefbau waren es 4,2 Prozent.

Absacker mit Ansage

Noch vor einem Jahr hatte der Branchenverband wenig Verheissungsvolles zu verkünden. Die Umsätze sanken, und die Auftragseingänge waren rückläufig.

Es handelte sich damals freilich um einen Absacker mit Ansage, denn das Jahr 2014 setzte mit glänzenden Werten den Schlusspunkt hinter einen Bauboom, der mehr als zehn Jahre lang währte. Die Frage war damals nicht so sehr ob, sondern wie hoch das Umsatzminus ausfallen wird. Mit einem Rückgang von 3 Prozent reichte es immerhin für die Kategorie sanfte Landung.

In diesem Jahr bewegt sich das Geschäftsvolumen des Bauhauptgewerbes irgendwo zwischen den Werten von 2014 und 2015. «Der Rückschlag des Vorjahres ist damit überwunden, aber das Niveau von 2014 wird nicht mehr erreicht», schreibt Silvan Müggler vom Baumeisterverband.

Plus 6 Prozent in der Zentralschweiz

«Sehr zufrieden» mit der ersten Jahreshälfte ist Kurt A. Zurfluh, Geschäftsführer der Zentralschweizer Baumeisterverbände. In der Region rund um den Zuger- und Vierwaldstättersee lag das Wachstum mit 6 Prozent sogar etwas höher als der schweizerische Durchschnitt.

Hinter den 6 Prozent verbirgt sich freilich eine regional stark unterschiedliche Entwicklung. «Je nach Region reicht die Spanne von einer enormen Umsatzsteigerung mit 51 Prozent bis hin zu Einbussen von 26 Prozent», so Zurfluh.

Bauboom in den Städten

Viel gebaut wird nach wie vor in den städtischen Gebieten Luzern, Zug und im Talkessel Schwyz. Dort verharren die Leerstandsquoten weit unter einem Prozent, der Zustrom von «Landflüchtlingen» und Neuzuzügern aus dem EU-Ausland hält in den Zentren an und übt Druck auf den Wohnungsmarkt aus. Die anhaltend tiefen Zinsen bieten für die Bauherren Anreiz genug, Bauprojekte anzureissen.

Auch in Uri wird gemäss Zurfluh der Wohnungsbau stark vorangetrieben. Die Bevölkerungszahl aber bleibt stabil, und trotzdem stehen kaum Wohnungen leer. «Ursache für den überdurschnittlichen Wohnungsbau in Uri sind die gestiegenen Ansprüche an die Wohnfläche. Früher lebten zwei Personen in einer Wohnung mit 90 Quadratmetern, heute beansprucht ein Single oft 145 Quadratmeter», so Zurfluh.

Deutlich abgekühlt hat sich die Baukonjunktur in Ob- und Nidwalden. Zurfluh: «Dort fehlt es an Grossprojekten.» Diese lösen meist eine Kette von Vorhaben im Tief- und Hochbau aus. Die beiden Kantone profitierten lange vom Neu- und Umbau des Bürgenstock-Resort, die Bauarbeiten dort gehen nun aber dem Ende entgegen. Die Eröffnung ist für den nächsten Sommer terminiert.

Geld in den Wohnungsbau stecken in erster Linie die institutionellen Anleger. Also die Pensionskassen, Versicherer und Investorengruppen, die dem Anlagenotstand zu entkommen versuchen. Im Blick haben sie vorab den Bau von Mietwohnungen. Zurfluh: «Zurzeit läuft in diesem Bereich sehr viel.»

Wo sich die Risiken abzeichnen

Obwohl die Auftragslage für die zweite Jahreshälfte gut ist, schlägt man beim Baumeisterverband mit Blick auf die nächsten paar Jahre warnende Töne an. Denn die Zuwanderung aus dem EU-Ausland nimmt ab, was nicht ohne Folgen für die Nachfrage nach Mietwohnungen bleiben dürfte. «Gleichzeitig steigt die Leerstandsquote, was die Risiken im Wohnungsbau erhöht und damit die mittel- bis langfristigen Perspektiven etwas trübt», schreibt Müggler vom schweizerischen Verband. Seine Prognose: In den Zentren bleibt die Nachfrage nach Mietwohnungen sehr hoch, am «äusseren Rand der Agglomerationen» hingegen steigen die Risiken für Investoren.

RAINER RICKENBACH


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