Die Milchbauern sind unzufrieden

SEMPACH ⋅ An der Delegiertenversammlung der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) war man sich einig: Der Milchpreis ist zu tief. Gemeinsam mit dem Bauernverband und dem Bund suchen die ZMP eine Lösung.
15. April 2017, 00:00

Am Donnerstag trafen sich die Mitglieder der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) in der Festhalle Seepark in Sempach zur Delegiertenversammlung. Diese stand ganz im Zeichen der tiefen Preise, mit denen der Molkereimilchmarkt seit über zwei Jahren kämpft. Zahlreich waren die Voten, und die Diskussion über die Milchpreissituation nahm viel Zeit der Versammlung in Anspruch.

Es zeigte sich, dass viele Milchproduzenten deprimiert und frustriert sind. «Mit den aktuellen Preisen sind die Kosten nicht mehr gedeckt», sagte ein Milchbauer. Vermehrt würden Landwirte Alternativen suchen, «oder die Produktion wird ganz aufgegeben». Kritische Worte an die Milchabnehmer gab es denn auch von ZMP-Präsident Thomas Oehen in seinem Begrüssungs­referat.

Während die Preise für Biomilch auf gutem Niveau stabil seien und man mit den Preisen für Käsereimilch leben könne, würde die Preisgestaltung auf dem Molkereimilchmarkt weiterhin vielen Bauern Sorgen bereiten, fuhr Oehen fort. «Molkereimilch ist zu einem billigen Massenprodukt geworden», so sein Fazit. Das Produkt werde bewusst billig gehalten, um die Kunden in die Geschäfte zu locken. «So findet man beim Detailhändler oder Discounter UHT-Milch zum Aktionspreis von 1 Franken oder weniger pro Liter», sagte Oehen. Dabei höre man immer wieder, dass Konsumenten bereit wären, mehr zu bezahlen, «wenn das Geld auch wirklich zum Produzenten fliessen würde». Oehen bekräftigte, dass dies nur möglich sei, wenn Milchproduzenten und -verarbeiter «bereit sind, etwas zu bewegen».

Hilflosigkeit und Resignation

Auch Christian Schönbächler, Präsident der Junglandwirtekommission des Schweizer Bauernverbandes, widmete sich bei seinem Referat dem Thema tiefer Milchpreis. Die Junglandwirte haben im März den wichtigsten Akteuren der Branche, darunter Emmi und Hochdorf, wegen der «problematischen Situation» einen Brief geschrieben. «Unter den Molkereimilchproduzenten ist zunehmend eine Hilflosigkeit zu spüren», sagte Schönbächler. «Viele haben resigniert oder stellen die Milchproduktion ein.»

Allgemein wurde an der Versammlung gefordert, dass die ZMP zusammen mit dem Bauernverband und dem Bund eine gemeinsame Strategie zur Verbesserung der Situation für die Branche verfolgen. Auch wenn die ZMP aktuell im Schweizer Vergleich einen überdurchschnittlichen Molkereimilchpreis bezahlen, sei das Niveau immer noch viel zu tief, hiess es. So zahlten die ZMP im Schnitt in den letzten 12 Monaten 55,1 Rappen pro Liter. Der Schweizer Mittelwert liegt bei 53 Rappen. Die tiefsten ausbezahlten Molkereimilchpreise im Land liegen leicht über 50 Rappen, wie es hiess.

«Die ZMP werden ihren Molkereimilchpreis per 1. Mai um 1,5 Rappen anheben», verkündete Geschäftsführer Pirmin Furrer. Die ZMP erhalten als grösste Aktionärin von Emmi via Rückvergütung jährlich Gelder, die sie wiederum an ihre Mitglieder ausschütten. Für das Geschäftsjahr 2016 sei eine Rückvergütung an alle ZMP-Mitglieder von 1,7 Rappen pro Kilo Milch geplant. Bei der Gesamtsumme von 8 Mil­lionen Franken bekommt ein Durchschnittsbetrieb zirka 2500 Franken. Der Wahlkreis Entlebuch stellte einen Antrag an den Vorstand, eine höhere Rückvergütung zu prüfen. (red)


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