Grossapotheke kommt an die Börse

BERN ⋅ Galenica will sich noch vor den Sommerferien in zwei Firmen aufteilen. Damit soll die eigene Erfolgsstory weitergeschrieben werden.

15. März 2017, 00:00

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Die Schweizer Börse erhält bald Zuwachs. Das Berner Handels- und Pharmaunternehmen Galenica hat gestern anlässlich der Präsentation der Jahreszahlen bekannt gegeben, die bereits einmal aufgeschobene Aufteilung der Firma in zwei vollständig getrennte Firmen bis zu den Sommerferien durchzuführen. Aus der Spaltung sollen ein eigenständiger Medikamentenhersteller sowie ein integriertes Gross- und Einzelhandelsunternehmen für pharmazeutische und andere Gesundheitsprodukte unter dem Namen Vifor Pharma beziehungsweise Galenica Santé hervorgehen.

In der gegenwärtigen Unternehmensstruktur sind die 13000 Galenica-Aktionäre Alleineigentümer beider Konzernteile. Nach der Aufspaltung sollen heutige Galenica-Aktionäre nur noch an Vifor Pharma (1,2 Milliarden Franken Umsatz) beteiligt sein. Die Handelsdivision Galenica Santé (3 Milliarden) wird an neue Eigentümer verkauft, und die Aktien erhalten ein separates Listing an der Börse. Etienne Jornod, Verwaltungsratspräsident und Hauptarchitekt der neuen Struktur, sprach von einem «idealen» Vorgehen. Bestehende Galenica-Aktionäre seien schon heute primär am rasch wachsenden Pharmageschäft interessiert, während Galenica Santé ihre neuen Eigentümer mit ihrem anderen (weniger ausgeprägten) Rendite-Risikoprofil gewinnen würde.

Ursprünglich eine Einkaufsorganisation

Diese Beschreibung dürfte mindestens auf Martin Ebner zutreffen, der mit einer Beteiligung von rund 18 Prozent inzwischen zum grössten Galenica-Aktionär aufgerückt ist. Der Altmeister unter den Schweizer Finanzinvestoren, der vor zwanzig Jahren die hiesige Wirtschaftselite in ständiger Bewegung hielt, dürfte mit seinem Engagement heute wie damals vielmehr den grossen Kapitalgewinn als die verlässliche Divi­den­den­rendite im Auge haben. 2011 hatte der Investor erstmals die meldepflichtige Beteiligungsquote von 3 Prozent überschritten. Seither hat sich der Kurs der Galenica-Aktien mehr als verdoppelt, und der Börsenwert der Gruppe ist auf aktuell rund 7,8 Milliarden Franken angeschwollen. Die Erfolgsgeschichte von Galenica geht noch ein schönes Stück weiter in die Vergangenheit zurück. Die Firma kam 1993 als gemeinschaftliche Einkaufsorganisation der Schweizer Apotheken an die Börse. Die Investoren bewerteten das Unternehmen in jener Zeit gerade mal mit 250 Millionen Franken. In den darauffolgenden Jahrzehnten nahm Jornod, der aktuell auch die NZZ-Gruppe präsidiert, die Expansion an die Hand. In der Pharmadivision wurde das Geschäft mit Eiseninfusionen forciert, die Galenica früher unter der Marke Venofer und seit zehn Jahren auch unter dem Brand Ferinject vertreibt. Die intravenös verabreichten Eisenpräparate repräsentieren rund zwei Drittel der Gesamtverkäufe von Vifor Pharma, und das Wachstum war in der Vergangenheit hoch. Galenica hofft, dass sich der in der Schweiz schon weitverbreitete Erfolg von Eisenpräparaten in der Behandlung von Ermüdungserscheinungen beispielsweise bei Frauen mit Menstruationsbeschwerden auch in anderen Ländern, namentlich in den USA und in der EU, wiederholen lässt. Doch die Nutzung des Potenzials erfordert hohe Investitionen. Der Konzern plant in den nächsten Jahren Ausgaben von 850 Millionen Franken. Zudem hat Galenica 2016 mit dem Kauf einer US-Biotechfirma 1,5 Milliarden Franken in die Erneuerung der Medikamentenpipeline investiert und dafür Bankkredite in Anspruch genommen. Mit dem Verkauf von Galenica Santé will man nun Schulden zurückzahlen und die Bilanz stärken.

Wie gut dieses Vorhaben gelingt, hängt vom Appetit der Investoren ab. Galenica Santé betreibt mit 329 eigenen Geschäften und 167 Partnergeschäften das grösste Apothekennetzwerk in der Schweiz. Das Handelsgeschäft wirft zwar nur relativ kleine Margen ab, gilt aber als stabil. Jornod geht davon aus, dass es den Aktionären jährlich um die 80 Millionen Franken an Dividenden einbringen wird. Davon kann ein potenzieller Börsenwert von Galenica Santé von gut 1,5 Milliarden Franken abgeleitet werden. Die notorisch hohen Preisdifferenzen im Einzelhandel zwischen der Schweiz und der EU dürften den Konkurrenzdruck im Markt künftig aber noch verstärken und eine wettbewerbsfördernde Liberalisierung des Marktes begünstigen.


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