Hapimag kommt nicht zur Ruhe

BAAR ⋅ Der Ferienanbieter befindet sich seit einigen Jahren im Umbau. Viele langjährige Aktionäre sind unzufrieden. An der kommenden Generalversammlung proben sie – nicht zum ersten Mal – den Aufstand.
22. April 2017, 00:00

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Aus rund 60 Ferienanlagen in 16 Ländern können die über 129 000 Hapimag-Mitglieder auswählen. Durch den Erwerb einer Aktie des Unternehmens wird man Teilhaber der Resort-Gemeinschaft und ist berechtigt, via Punktesystem Ferien in den Anlagen zu Vorzugspreisen zu verbringen.

Unter den Resorts sind traumhafte Stranddestinationen in Spanien oder Florida, aber auch Städtewohnungen in Berlin, Paris und London. Doch die Erfolgsgeschichte Hapimag – 1963 in Baar gegründet – ist ins Stocken geraten. Eine überalterte Mitgliederstruktur sowie neue Konkurrenz durch Online- und Billiganbieter setzen dem Unternehmen zu. Die Hapimag-Chefs versuchen mit neuen, flexibleren An­geboten (Schnupper-Abo, Wellnessferien u.a.) das Ruder herumzureisen.

Mitgliederzahl ist gesunken

Ein schwieriges Unterfangen, wie die Zahlen 2016 einmal mehr zeigen. Die Zahl der Mitglieder ging erneut zurück: von 132153 auf 129421. Vor drei Jahren waren es noch über 134000. «Für kein Unternehmen ist ein Kundenrückgang erfreulich», sagt Ha­pimag-Verwaltungsratspräsident Giatgen Peder Fontana. «Der Rückgang betrifft teilweise Aktionäre und Mitglieder, die – oft altersbedingt – nicht mehr verreisen können oder möchten.» Das heisst: Hapimag ist es auch 2016 nicht gelungen, den erhofften Generationenwechsel herbeizuführen. «Das Ergebnis zeigt allerdings, dass wir den Rückgang der Mitglieder verkraften konnten», fügt Fontana an. Hapimag hat die Kostenstruktur angepasst, dabei Stellen abgebaut – auch am Hauptsitz in Baar. «Für die Zukunft ist jedoch entscheidend, wieder neue Mitglieder gewinnen zu können. Neue Aktionäre schaffen die finanzielle Basis für Investitionen», sagt Fontana.

Im Geschäftsjahr 2016 gingen die Gesamteinnahmen zurück. Der konsolidierte Umsatz von Hapimag sank von 193,4 auf 188,4 Millionen Euro. Das Jahresergebnis liegt mit 800000 Euro zwar in den schwarzen Zahlen (Vorjahr: 3 Millionen Euro), die Geschäftszahlen des Mutterkonzerns Hapimag AG, der in Schweizer Franken abrechnet, bleibt aber tiefrot.

Die Hapimag AG erzielte ­einen Verlust von 17,3 Millionen Franken. Dies nach einem Minus von 30 Millionen Franken im Jahr zuvor. Fontana begründet die Verluste mit Umrechnungsdifferenzen aufgrund der Währungsunterschiede: «Der Verlust ist im Wesentlichen auf die Abwertung der türkischen Lira und des englischen Pfunds von je 17 Prozent gegenüber dem Schweizer Franken zurückzuführen.» Die Muttergesellschaft zeige nur einen Teil des Geschäfts der ganzen Unternehmensgruppe, versichert der Jurist und frühere Mobility-Geschäftsführer. Für eine Beurteilung der Finanz- und Ertragslage sei nur die konsolidierte Jahresrechnung geeignet, erklärt Fontana.

Augenfällig ist beim Analysieren der Bilanz der Hapimag AG, dass das Unternehmen weiter an Substanz eingebüsst hat. Das Eigenkapital ist von 321 000 Franken auf 300 000 Franken geschmolzen. Im Jahr 2014 lag es noch bei 365 000 Franken. Der Konzern deckt die Verluste durch die Reserven. Eine Praxis, die nicht beliebig lang vorgenommen werden kann. «Wir überwachen natürlich die Entwicklung», versichert Fontana. «Die betriebswirtschaftlichen Eigenmittel un­serer Unternehmensgruppe liegen bei 86 Prozent.»

Aktionärsgruppe will mitreden

Die Hapimag-Aktionäre, die sich zur Interessengemeinschaft HFA (Hapimag Ferienclub für Aktionäre) zusammengeschlossen haben, beruhigen die Erklärungen aus Baar nicht. Sie machen seit Jahren über eigene Homepage, Briefe an Geschäftsleitung und Verwaltungsrat sowie mit lautstarken Auftritten an den Generalversammlungen (GV) ihren Unmut öffentlich.

Auch für die GV vom nächsten Dienstag in der Baarer Waldmannhalle hat sich der HFA organisiert und einen Fragekatalog an Verwaltungsratspräsident Fontana geschickt. Darin zeigen sie sich besorgt über die Verschlechterung der finanziellen Situation der ­Hapimag AG. Weiter kritisieren sie den Verkauf eines Resorts in Österreich. Hinterfragt werden auch der sich im Bau befindende neue Firmensitz in Steinhausen sowie eine neue Ferienanlage in der Nähe von Venedig. Ein Thema wird auch der CEO-Wechsel von Marisabel Spitz zu Hassan Kadbi vom letzten November sein.

Rudolf Andermann von der HFA-Mitgliederbetreuung hat für die GV die Stimmrechte von unzufriedenen Aktionären gesammelt. «Wir vertreten rund 7200 Aktionäre, die 16 000 Stimmen ausmachen», sagt er auf Anfrage. Mit den Erfahrungswerten von früheren Versammlungen geht er davon aus, dass der HFA am Dienstag rund einen Viertel aller GV-Stimmen vertritt. «Damit kommen wir zwar nicht auf eine Mehrheit, haben aber gegenüber den Vorjahren zulegen können», sagt Andermann. 2016 vereinte der HFA 6300 Aktionäre, vor sieben Jahren waren es erst 3500.

«Wir erreichen immer mehr Aktionäre, die mit der aktuellen Situation nicht zufrieden sind», bilanziert Andermann. Der deutsche Rentner ist seit über 40 Jahren Hapimag-Aktionär. «Das Ziel unserer Vereinigung ist nicht, die Führung bei Hapimag zu übernehmen», sagt Andermann. Man wolle vielmehr bei strategischen Fragen und dem Tagesgeschäft mitreden. «Entsprechend fordern wir einen Aktionärsbeirat, der unsere Anliegen gebührend vertritt», sagt Andermann.


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