Kooperation im Wertpapierhandel geplant

BANKEN ⋅ Six Group und Deutsche Börse reden über eine Vision im europäischen Nachhandel. Bis Mitte Dezember sollen die Bedingungen der Zusammenarbeit festgelegt werden.

29. November 2016, 00:00

Die im September bekannt gemachten Sondierungsgespräche über eine strategische Kollaboration zwischen Six Securities Services und Clearstream sind auf der Zielgeraden. Das sagt Thomas Zeeb, Leiter von Six Securities Services und Geschäftsleitungsmitglied beim Schweizer Finanzmarktinfrastrukturbetreiber Six Group, im Gespräch.

Die Schweizer Börse und die Deutsche Börse sprechen über eine weitgehende Kooperation bei den dem Wertpapierhandel nachgelagerten Dienstleistungen. Zu diesen Dienstleistungen gehören die Mittlerfunktion zwischen den Parteien eines Wertpapiergeschäfts (Titellieferung gegen Zahlung), die Registrierung, die Verwahrung und eine Vielzahl von Aufgaben, die sich aus der Verwahrung ergeben. Bis Mitte Dezember möchten die beiden Parteien ein «Memorandum of Understanding» unterzeichnen und damit die Bedingungen und das Feld einer künftigen Zusammenarbeit abstecken.

Auch Geschäfte mit anderen Währungen möglich

Zeeb machte im Gespräch deutlich, dass man das Gemeinschaftsprojekt nicht mit angezogener Handbremse angehen wolle. Man erwäge nicht nur, die grenzüberschreitenden Transaktionen in Euro in ein allfälliges Joint Venture einzubringen. Auch Geschäfte in anderen Währungen und selbst solche in Schweizer Franken könnten in die Kooperation mit Clearstream Eingang finden. «Langfristig ist alles vorgesehen, aber wir werden ­sicher nicht sofort von null auf hundert gehen», sagt Zeeb.

Six Securities Services ist hinter Clearstream und Euroclear die drittgrösste Zentralverwahrerin Europas. Die Schweizer haben sich im Unterschied zu den meisten ihrer Mitbewerber frühzeitig auch als Verwahrer von Anlagewerten und Dokumenten ausserhalb des eigenen Finanzplatzes ins Spiel gebracht und sind inzwischen auf mehr als 65 Märkten präsent. Doch das Volumen, das Six Securities Services in der Schweiz und ihren Auslandsmärkten auf die Waage bringt, ist nicht mehr gross genug, um sub­stanzielle Skaleneffekte für die Kunden zu erzielen. Deswegen sei eine Kooperation mit Clear­stream nötig, erklärt Zeeb.

Die Zusammenarbeit sollte sich längerfristig aber nicht auf die beiden Börsenbeitreiber in Deutschland und der Schweiz beschränken. «Uns schwebt ein Modell nach dem Vorbild der internationalen Buchungsplattform Amadeus in der Luftfahrt vor», sagt Zeeb. Die Idee sei die Schaffung einer «Kernplattform», auf der sämtliche für das Post-Trade-Geschäft relevanten EU-Direktiven und andere internationale EU-Vorgaben abgebildet beziehungsweise einprogrammiert werden könnten. Darunter fallen etwa Anforderungen an die Einhaltung internationaler Vorschriften, wie sie sich zum Beispiel aus der Einführung des automatischen Informationsaustausches in Steuersachen oder aus der Umsetzung des amerikanischen ­Foreign Account Tax Compliance Act (Fatca) ergeben. Hinter dieser Kernplattform könnten die einzelnen Börsenbetreiber selbstständig den von Land zu Land unterschiedlichen nationalen Gegebenheiten Rechnung ­tragen.

Fixkosten erreichen «enormes Ausmass»

Die Fixkosten für die im ge­samten EU-Raum einheitlichen Compliance- und Regulierungsanforderungen, die eine gemeinschaftliche Verarbeitung er­lauben würden, haben gemäss Zeeb ein «enormes Ausmass» erreicht. Allein die Einführung der Infrastruktur-Plattform T2S, mit der die Europäische Zentralbank die Abwicklung von Wertpapiergeschäften im Euroraum vereinheitlichen will, habe die Finanzindustrie schon deutlich mehr als 1 Milliarde Euro ge­kostet.

Davon seien etwa 500 Millionen Euro bei den Zentralverwahrern hängen geblieben. Im Fall einer erfolgreichen Fusion der Deutschen Börse und der London Stock Exchange könnte der Kostendruck auf die Schweizer Zentralverwahrerin noch grösser werden, räumte Zeeb ein.

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch


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