Mit «hellblauem Auge» davongekommen

JUNGFRAUBAHNEN ⋅ Nach dem Rekordvorjahr hat die Jungfraubahn-Gruppe 2016 wieder weniger Besucher auf dem Jungfraujoch verzeichnet. CEO Urs Kessler ist zwar zuversichtlich. Dennoch bereitet ihm eine Sache Sorgen.
20. April 2017, 00:00

Theodora Peter (SDA)

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Der Einbruch beim Wintersport und die Angst vor Terroranschlägen schlagen sich in den Ergebnissen der Jungfraubahn-Gruppe nieder. Der Gewinn von 30,9 Millionen Franken liegt 2016 um 14,7 Prozent tiefer als im Rekordvorjahr (36,2 Millionen). Trotzdem fuhr das Unternehmen damit das zweitbeste Ergebnis der Geschichte ein, wie CEO Urs Kessler gestern an der Bilanzmedienkonferenz in Bern betonte. «Nach dem überdurchschnittlichen Rekordvorjahr lag die Messlatte hoch.» 2015 war bei den Besucherzahlen erstmals die Millionengrenze geknackt worden. 2016 ging diese Zahl auf 916 000 zurück. Die Besucherfrequenz für «Top of Europe» liegt aber immer noch über dem bisher zweitbesten Ergebnis aus dem Jahr 2014 (866 000 Besucher). Der Verkehrsertrag betrug 100,3 Millionen Franken – 7,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auch das Jungfraujoch habe die Auswirkungen des Terrors gespürt, insbesondere beim Asien-Geschäft mit den klassischen Europareisen, die nach Frankreich, in die Schweiz und nach Italien führten, sagte Kessler. Mit einem Minus von 7,6 Prozent sei man beim Jungfraujoch aber «noch mit einem hellblauen Auge davongekommen».

Weniger Wintersportler auf dem Berg

Für die weitere Zukunft bleibt Kessler optimistisch. «Das Marktpotenzial in Asien ist nach wie vor enorm gross.» Sorgen bereitet dem Bahndirektor aber die Entwicklung des Wintersports, dessen Umsatz 2016 seit der Unternehmensgründung im Jahr 1994 erstmals unter die 20-Millionen-Grenze auf 19,6 Millionen Franken gefallen ist. Damit tragen die Skifahrer und Snowboarder nur noch 14,7 Prozent zum gesamten Verkehrsertrag der Gruppe (126 Millionen Franken) bei, was wiederum die Abhängigkeit vom Geschäftsfeld Jungfraujoch noch vergrössert.

Nicht rosig sieht es laut CEO Kessler auch für die in diesen Tagen zu Ende gehende Wintersaison 2016/17 aus. Nach einem vergleichsweise guten Jahresbeginn im Januar und Februar liessen die hohen Temperaturen im März «auch die Frequenzen im wahrsten Sinne des Wortes schmelzen». Im Vergleich zur Saison 2015/16 ist die Zahl der sogenannten Skier Visits um 8,1 Prozent gesunken. Für das Jahr 2017 rechnet Kessler damit, dass die Zahl der Schneesportler «auf sehr tiefem Niveau» stehen bleiben wird.

Bestes Sommerergebnis in der Firmengeschichte

Erfreulich entwickeln sich die Zahlen hingegen beim Geschäftsfeld «Erlebnisberge». Dazu gehören die Harderbahn, die ­Firstbahn und die Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren, die den Verkehrsertrag um 16,8 Prozent auf 13,3 Millionen Franken steigerten und die beste Sommersaison der Unternehmensgeschichte einfuhren.

Die Gruppe investierte im Berichtsjahr 50 Millionen Franken. Ein Grossteil wurde für die Beschaffung von neuem Rollmaterial im Hinblick auf das Projekt V-Bahn eingesetzt, das die Bahn rund 300 Millionen Franken kosten wird. Das Projekt umfasst den Ersatz der Männlichenbahn sowie den Bau einer neuen Gondelbahn – des Eiger-Express – von Grindelwald Grund bis zum ­Eigergletscher. Gegen deren ­Linienführung sind noch Beschwerden von Umweltverbänden hängig. Auch sperrt sich ein Grundeigentümer gegen das Einräumen eines Überfahrtsrechtes. Wird bis im Mai keine Einigung erzielt, wollen die Jungfraubahnen den Rechtsweg einschlagen. Ziel sei es, den Eiger-Express Ende 2019 zu eröffnen.

«Die Messlatte lag hoch.»

Urs Kessler

CEO Jungfraubahnen


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