Nationalbank wartet ab

BERN ⋅ Die Schweizerische Nationalbank rüttelt nicht an ihrer Geldpolitik – vorerst.
17. März 2017, 00:00

Das Nationalbankdirektorium um Präsident Thomas Jordan hält an seiner Zweisäulenpolitik fest. Geschäftsbanken müssen für ihre Einlagen bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) weiterhin einen Strafzins von 0,75 Prozent bezahlen. Ebenfalls unverändert bleiben die Leitzinsen. Das Zielband für den Dreimonatslibor beträgt nach wie vor –1,25 bis –0,25 Prozent. In ihrer Lagebeurteilung bezeichnete die Nationalbank gestern den Franken einmal mehr als «deutlich überbewertet».

Die Entscheide waren in dieser Form erwartet worden. Weder die am Mittwochabend bekanntgegebene Leitzinserhöhung der US-Notenbank Fed noch das Festhalten der Europäischen Zentralbank (EZB) an ihrem Wertpapierkauf-Programm hatte die Ausgangslage für die Nationalbank entscheidend verändert. An der Währungsfront waren nach dem Zinsentscheid denn auch keine grösseren Verschiebungen auszumachen. Der Euro hatte zuvor etwas Auftrieb erhalten vom Wahlergebnis in den Niederlanden, wo der Rechtspopulist und Europagegner Geert Wilders einen deutlichen Dämpfer hatte hinnehmen müssen.

Auch die unveränderte Zinsprognose des Fed spielte der SNB in die Karten. Weil einige Anleger auf eine straffere Zinspolitik im Jahresverlauf gesetzt hatten, geriet der Dollar nach den Beschlüssen am Mittwoch unter Druck, und der Euro konnte im Gegenzug zulegen. Mit den Wahlen in Frankreich und Deutschland warten aber bereits die nächsten Belastungsproben auf die Nationalbank. Zudem ist nach wie vor unklar, wie der Brexit vollzogen wird. Und auch die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten hat nicht gerade zur Berechenbarkeit der Lage beigetragen. Die SNB hält denn auch fest, dass das weltwirtschaftliche Basisszenario weiterhin «erheblichen Risiken» unterliege.

Inflationsprognose erhöht

Die Interventionen am Devisenmarkt haben die Bilanz der Nationalbank mittlerweile auf den Wert des Bruttoinlandprodukts der Schweiz anschwellen lassen. Allein im Februar stiegen die Devisenreserven der SNB um 24 Milliarden Franken. Ein Teil der Zunahme dürfte auf Aktiengewinne zurückzuführen sein. Dennoch ist der starke Anstieg ein untrügliches Zeichen, dass die Nationalbank nach wie vor Euro und Dollars im grossen Stil kaufen muss, um den Franken zu schwächen. Derweil gibt es Stimmen am Markt, die zusätzlich zu den Interventionen eine baldige Verschärfung des Zinsregimes prognostizieren. Die Bank Safra Sarasin etwa erwartet, dass die Währungshüter den Einlagenzins für Banken im ersten Halbjahr um weitere 0,25 Prozentpunkte auf –1,00 Prozent senken.

Spielraum für eine Zinserhöhung gibt es für die SNB wohl erst, wenn die EZB ihre extrem expansive Geldpolitik langsam zurückfahren würde. Entsprechende Spekulationen wurden jüngst von Insiderberichten genährt, wonach der EZB-Rat bei seiner jüngsten Sitzung kurz über eine Zinserhöhung vor dem Auslaufen des aktuellen Anleihenkaufprogramms gesprochen haben soll. Von offizieller Seite wurden diese Berichte jedoch sogleich relativiert. Dabei deuten die aktuellen Indikatoren auf eine weitere Aufhellung der Weltkonjunktur hin. Insbesondere die Industrietätigkeit und der internationale Handel haben sich jüngst belebt.

Vor diesem Hintergrund beurteilt die Nationalbank die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft im laufenden Jahr verhalten positiv. Insgesamt rechnet die SNB hierzulande weiterhin mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent. Aufgrund des gestiegenen Ölpreises hat die SNB ihre Inflationsprognose für das laufende Jahr zudem auf 0,3 Prozent erhöht. Im Dezember war sie noch von Preissteigerungen von lediglich 0,1 Prozent ausgegangen. Gleichzeitig hat die Notenbank ihre längerfristigen Prognosen leicht zurückgenommen – für 2018 auf 0,4 Prozent und für 2019 auf 1,1 Prozent. (sda)

«Das welt­wirtschaftliche Szenario unterliegt erheblichen Risiken.»

Mitteilung der Nationalbank


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