Salt lanciert den Preiskampf

MOBILFUNK ⋅ Vier Monate nach der Umbenennung bringt Salt eine neue Palette an Handyabos auf den Markt. Mit diesem Schritt greift der drittgrösste Schweizer Anbieter die Swisscom frontal an.
25. August 2015, 00:00

Livio Brandenberg

Salt vereinfacht sein Abosystem markant und bietet neu nur noch fünf verschiedene Abos an. Bisher hatte Salt – und unter früherem Namen Orange – mit den «Me»-Abos ein individuelles und dadurch komplexes, kaum mehr überschaubares Aboangebot geführt.

Neu gibt es nur noch die «Plus»-Abos, wie Salt gestern mitteilte. Die neuen Abos sind ab sofort erhältlich. Personen, die bereits Salt-Kunden und nicht mehr an einen Vertrag mit Mindestvertragsdauer gebunden sind, können also nahtlos wechseln. Andernfalls können Wechselgebühren anfallen.

Frontaler Angriff auf Swisscom

Oliver Zadori, CEO des Luzerner Tele­kom-Vergleichsdienstes Dschungelkompass.ch, hat die «Plus»-Abos analysiert und mit den anderen Anbietern auf dem Schweizer Telekommarkt verglichen: «Salt setzt mit den neuen Abos klar auf die Flat-Rate-Strategie. Vor allem für Kunden, die ihr Handy unlimitiert nutzen wollen, werden die Tarife deutlich gesenkt.» Wer in der Schweiz unlimitiert telefonieren, dazu uneingeschränkt SMS und MMS versenden und unlimitiert im Internet mit der vollen verfügbaren Geschwindigkeit surfen will, bezahlt mit dem Abo «Plus Swiss» noch 59 Franken.

Damit greift Salt frontal die grossen Konkurrenten Sunrise und Swisscom an.

Viel- und Mittelnutzer profitieren

Für den Vergleich hat Experte Zadori drei Benutzerprofile erstellt: Wenig-, Mittel- und Vielnutzer. Der Wenignutzer braucht sein Handy laut Definition eher sporadisch: Er telefoniert 1 Stunde in der Schweiz, verschickt 20 SMS innerhalb der Schweiz und braucht 200 Megabyte (MB) Datenvolumen pro Monat. Der Mittelnutzer – die Kategorie, die wohl die meisten Handynutzer abdeckt – telefoniert 4 Stunden in der Schweiz, 10 Minuten nach Europa, sendet 50 SMS innerhalb der Schweiz, 10 SMS ins Ausland und braucht 800 MB Daten pro Monat.

Vielnutzer telefonieren 8 Stunden im Inland, 20 Minuten nach Europa, versenden 100 SMS innerhalb der Schweiz, 15 ins Ausland und surfen für 2 Gigabyte pro Monat im Internet. Basierend auf diesen Profilen sind die neuen Salt-Abos gemäss Oliver Zadori vor allem für Mittel- und Vielnutzer attraktiv, da sie deutlich günstiger sind als ihre Vorgänger.

Bereits in Frankreich Preise gesenkt

So kostet das neue «Plus Basic» von Salt laut Zadoris Berechnungen 43.90 Franken pro Monat für den Mittelnutzer (siehe Grafik). Doch nicht nur gegenüber den alten Salt-Tarifen, sondern auch im Vergleich mit den Hauptkonkurrenten Sunrise und Swisscom senkt Salt die Preise deutlich. «Salt ist mit diesen Tarifen in den Mittel- und Vielnutzer-Kategorien rund halb so teuer wie Swisscom», sagt Zadori. Das habe auch ihn ein wenig erstaunt. Es sei gut möglich, dass der Branchenleader und Sunrise nun ihre Abostrukturen überprüfen, so Zadori.

«Ich bin sehr gespannt, was jetzt von Sunrise und Swisscom kommt», sagt der Experte. Schliesslich habe auch Salt noch im April angekündigt, nicht gross an den Tarifen schrauben zu wollen – was für Kritik aus Konsumentenschützerkreisen sorgte. «Nun hat Salt doch eine Anpassung vorgenommen und damit vorgelegt», sagt Oliver Zadori. Ganz überraschend sei die Tarifreduktion aber nicht gekommen, denn der französische Salt-Besitzer Xavier Niel habe bereits in Frankreich mit seiner Telekomgesellschaft Free die Preise massiv reduziert und damit den Markt aufgemischt.

Swisscom gibt sich bedeckt

Bei Swisscom will man die gestern vorgestellte Salt-Tariferneuerung nicht kommentieren. Swisscom-Sprecher Olaf Schulze sagt auf Anfrage lediglich: «Natürlich wird Swisscom diese Angebote von Salt genau analysieren und Anpassungen ihrer Natel-Abos prüfen.» Die neu vorgestellten Salt-Angebote zeigten, dass der Wettbewerb in der Schweiz spiele, so Schulze. Swisscom werde aber auch «in Zukunft den Markt aktiv gestalten», sagt Olaf Schulze.

Für eine Kundengruppe bringen die neuen Salt-Tarife gemäss Oliver Zadori jedoch keine Verbilligung: Wenignutzer zahlen in Zukunft mehr bei Salt. Sunrise bietet laut dem Tarifexperten seit Mitte August mit 10 Franken das für diese Nutzerkategorie günstigste Angebot.

Ralf Beyeler, Telekomexperte bei Comparis, berechnet die Tarife mit einem anderen Modell. In seiner Analyse wird Salt auch für Wenignutzer günstiger als Sunrise und Swisscom.


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