Schurter investiert in Kompetenzen

INDUSTRIE ⋅ Das Luzerner Traditionsunternehmen hat im vergangenen Geschäftsjahr Umsatz und Gewinn steigern können. Schurter hat dabei auch hochwertige Stellen in der Stadt Luzern geschaffen.
15. April 2017, 00:00

Roman Schenkel

roman.schenkel@luzernerzeitung.ch

Schritt für Schritt lässt der Luzerner Industriebetrieb Schurter den Frankenschock hinter sich. Nachdem 2015 in der Erfolgsrechnung noch deutliche Bremsspuren durch die Währungssituation zu sehen waren, konnte Schurter im vergangenen Jahr wieder zulegen: Der Umsatz stieg auf 198,2 Millionen Franken – der vierthöchste je erzielte Betrag und im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 3,5 Prozent. Der Gewinn konnte mit dem Umsatzwachstum nicht ganz mithalten. Er stieg um 1,8 Prozent auf 8,3 Millionen Franken. «Die Talsohle nach dem Frankenschock ist erreicht, sie ist aber noch nicht ganz durch­schritten», kommentiert Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter das Ergebnis.

Stark gewachsen ist der Hersteller von Elektronikkomponenten insbesondere im Bereich der Eingabesysteme. Schurter produziert Touchscreens und Touch­panels, die unter anderem bei Billettautomaten oder Maschinensteuerungen zum Einsatz kommen. «Nach der Eroberung des privaten Raums mit Smartphones und Tablets setzt sich der Trend auch in der Industrie durch», erklärt Ralph Müller, CEO der Schurter-Gruppe, das starke Wachstum. Beispielsweise seien heute bei der Überwachung und der Steuerung von Maschinenanlagen Touchscreens fast schon Standard. Mit rund 70 Millionen macht der Bereich der Eingabekomponenten bereits etwas mehr als einen Drittel des Umsatzes von Schurter aus.

22 neue Stellen in der Schweiz

Das Gros des Umsatzes erzielt das Familienunternehmen mit Sitz im Luzerner Tribschenquartier nach wie vor im Bereich Komponenten. Hier produziert Schurter unter anderem Sicherungen und Gerätestecker. Der Umsatz in diesem Bereich konnte 2016 um 2,3 Prozent gesteigert werden. Gut gelaufen sind laut CEO Müller insbesondere Gesamtlösungen, die mehrere Schurter-Produkte beinhalten. Dabei übernimmt die Firma oft auch gleich die Projektleitung. «In der Schweiz haben wir damit den Durchbruch geschafft», sagt Müller. Das starke Wachstum hat aber auch zu Mehrkosten geführt. So wurde der Personalbestand per Ende 2016 um 3,1 Prozent auf 1592 Mitarbeitende ausgebaut. Alleine in der Schweiz kamen 22 neue Stellen hinzu – die meisten davon am Hauptsitz.

Das Profil der besetzten Stellen hat sich laut Müller stark verändert. «Wir investieren in Kompetenzen. In den letzten Jahren haben wir in unserer Entwicklungsabteilung vorwiegend Ingenieure angestellt», sagt Müller. In Luzern arbeiten insgesamt 327 Angestellte (Vorjahr: 311). Hier sitzen unter anderem die Verwaltung, der Vertrieb und die Entwicklungsabteilung der Gruppe. Rund 100 Mitarbeiter arbeiten in Luzern an vollautomatischen Produktionsanlagen. CEO Ralph Müller: «Der Hauptsitz in Luzern ist das Kompetenzzentrum der Schurter-Gruppe und nimmt vermehrt auch die Funktion einer Supportorganisation für die Gruppe wahr.» Dank der Übernahme von AKI in Tschechien (200 Angestellte; Bereich Eingabesysteme) und von Burisch (90 Mitarbeitende; Vertrieb und Kabelkonfektion) in Österreich und Ungarn hat die Zahl der Angestellten Anfang 2017 nochmals einen Wachstumsschub erhalten. Auch der Umsatz wird im laufenden Jahr dank der Übernahmen um 30 Millionen ansteigen. «Wir peilen 2017 einen Umsatz von 230 bis 240 Millionen an», sagt Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter. Das wäre der höchste je erzielte Umsatz in der Geschichte des Unternehmens.

Zulieferer von Autobauer Tesla

Auch sonst hat das Unternehmen laut Müller zugelegt. «Wir haben bei der Produktion und dem Handling von grossen Volumina und auch bezüglich Qualität entscheidende Fortschritte erzielt», sagt er. Das hat Schurter bei Elektronikkonzernen wie Tesla, LG oder Apple als Zulieferer ins Gespräch gebracht. Von Elektroautohersteller Tesla hat Schurter bereits einen kleineren Auftrag. «Wichtig ist, dass wir einen Fuss in der Tür haben», erklärt Müller. Er ist überzeugt, dass 2017 attraktive Aufträge folgen werden. «Wir sind mit grossen Kommunikationsunternehmen in Verhandlung und erwarten Entscheide, die einen positiven Effekt auf die Zahl der Stellen und Gewinnzahlen haben dürften.»

Dass Schurter mit seinen weltweit 22 Tochterunternehmen die Währungsturbulenzen definitiv abschütteln kann, daran mag Hans-Rudolf Schurter noch nicht glauben. Über 80 Prozent des Umsatzes erzielt sein Unternehmen im Ausland, einen Grossteil davon im Euroraum. «Wir rechnen mit einer angespannten Lage an der Währungsfront und setzen uns gedanklich auch mit der Parität des Frankens zum Euro auseinander», verrät Hans-Rudolf Schurter.

«Die Talsohle nach dem Frankenschock ist erreicht, aber noch nicht ganz durchschritten.»

Hans-Rudolf Schurter

Verwaltungsratspräsident Schurter-Gruppe


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