Spar frischt seine Läden auf

DETAILHANDEL ⋅ Um die Wende zu schaffen, legt der Lebensmittelverkäufer Spar Schweiz ein umfangreiches Modernisierungsprogramm auf. Zudem übernimmt ein Südafrikaner das Kommando.
22. April 2017, 00:00

Vor gut einem Jahr, zum 1. April 2016, hat Spar Südafrika 60 Prozent an Spar Schweiz übernommen. «Nun ist die Wechselphase beendet», sagt Rob Philipson. Er war bis vor kurzem Manager bei Spar Südafrika und übernimmt per 1. Juni die operative Leitung von Spar Schweiz.

Philipson, der seit Februar in der Schweiz lebt, löst den langjährigen Patron Stefan Leuthold ab, dessen Familie weiterhin 25 Prozent an Spar Schweiz hält (die übrigen 15 Prozent gehören einer Beteiligungsgesellschaft von Spar Österreich). Zudem bleibt Leuthold Verwaltungsrat. Dessen Präsident ist derzeit Philipson, der das Amt im Zuge seines Wechsels in die operative Leitung an Graham O’Connor abgibt, Chef von Spar Südafrika.

Der personelle Wechsel sei «von Anfang an so vorgesehen» , betonen Philipson und Leuthold und versuchen so den Verdacht zu entkräften, die Rochaden hätten zu tun mit der unbefriedigenden Umsatzentwicklung und der als viel zu gering empfundenen Profitabilität. Schliesslich hatte sich O’Connor Ende 2016 unzufrieden gezeigt mit der Leistung von Spar Schweiz und dem Management unter Leuthold Versäumnisse bei der Lösung von Problemen vorgeworfen.

Kein Stein bleibt auf dem anderen

«Im vergangenen Jahr haben wir Möglichkeiten identifiziert, um zu wachsen und mehr Geld verdienen zu können», sagt Philipson nun. So sei zum Beispiel die Lieferkette von Spar Schweiz «nicht optimal»; sowohl der internen Logistik als auch im Betrieb der Lastwagenflotte mangle es an Effizienz. Hier will man Kosten sparen und produktiver werden. Ein zweites Vorhaben werden die Spar-Kunden direkt spüren. Philipson will sämtliche gut 160 Spar-Supermärkte und gut 20 Spar-Express-Läden modernisieren. Pro Laden ist ein Investitionsbetrag von rund 1 Million Franken budgetiert, wobei die Express-Shops etwas weniger Geld verschlingen werden. Philipson stellt in Aussicht, dass die Kunden das Ladeninnere nach der Auffrischung «kaum mehr wiedererkennen werden». Gleichzeitig will Spar künftig mehr auf Frischprodukte und auf Convenience setzen, und man will die lokale Zusammenarbeit mit Bauern, Milchprodukteherstellern usw. vertiefen.

Die ersten neu gestalteten Spar-Läden sollen diesen August oder September bereit sein. Danach will man die Reaktionen der Kunden auswerten und gegebenenfalls in die weiteren Auffrischungen einspeisen. Angelegt ist das Modernisierungsprogramm, das aus dem eigenen Cashflow finanziert werden soll, laut Philipson auf «fünf bis sieben Jahre». Der designierte Spar-Schweiz-Chef will «binnen 18 Monaten» die Wende zu stärkerem Wachstum und höherer Profitabilität geschafft haben. Neben der Deutschschweiz streckt Spar ferner die Fühler in die lateinische Schweiz aus. Im Tessin hat man mit der Belieferung dreier unabhängiger Detaillisten begonnen, und Mitte Mai öffnet in Lugano der erste Spar-Express im Südkan­ton. Ausserdem hat man in der Westschweiz laut Leuthold erste Kontakte geknüpft, damit Spar in der Romandie Fuss fassen kann.

Thomas Griesser Kym

wirtschaft@luzernerzeitung.ch


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