Swiss wird produktiver

LUFTFAHRT ⋅ Die Fluggesellschaft Swiss hat 2016 zwar einen Umsatz- und Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Beim Gewinn hat die Airline das Ziel jedoch übertroffen.

17. März 2017, 00:00

Die Fluggesellschaft Swiss hat 2016 einen Umsatz von 4,8 Milliarden Franken und einen Betriebsgewinn (Ebit) von 429 Millionen Franken erreicht. Gegenüber dem Vorjahr sind diese Eckwerte damit um 4,7 respektive um 5,3 Prozent tiefer ausgefallen.

Swiss-Chef Thomas Klühr zeigte sich gestern an der Bilanzmedienkonferenz in Kloten dennoch mit dem Ergebnis zufrieden. «2016 war ein sehr erfolgreiches Jahr», sagte er. Klühr meinte damit vor allem, dass seine Airline trotz dem anhaltend hohen Wettbewerbsdruck und dem Umbau der Flotte mit 8,9 Prozent die angestrebte Betriebsgewinnmarge von 8 Prozent erneut übertreffen konnte und damit innerhalb der Lufthansa-Gruppe die profitabelste Airline blieb.

Diese Bestätigung ist das Resultat mehrerer Faktoren. So hat Swiss 2016 die Produktivität einerseits durch den Ersatz von kleineren durch grössere Flugzeuge erhöht. Die neuen Boeing 777-Langstreckenflieger können 100 Passagiere mehr transportieren als die ersetzten A340. Die von der Swiss angebotenen Sitzkilometer haben sich entsprechend und auch dank leicht mehr Flügen um markante 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht.

Zudem hat die Airline Kosten gesenkt und von tieferen Kerosinpreisen sowie dem geringeren Treibstoffverbrauch der neuen Flugzeuge profitiert. Insgesamt konnte die Airline damit die Kosten pro angebotenem Sitzkilometer um 8,2 Prozent senken.

Sinkende Ticketpreise

Wegen des anhaltenden Preiswettbewerbs in der Branche ­waren 2016 jedoch auch die Einnahmen rückläufig. Pro Sitzkilometer hat Swiss im vergangenen Jahr 7,1 Prozent weniger verdient.

Dazu kam, dass die Airline das zusätzliche Angebot nicht vollständig verkaufen konnte. Die Belegung der Flugzeuge hat sich um 2,1 Prozent auf noch 81,3 Prozent reduziert. Dieser Rückgang sei jedoch einkalkuliert worden, sagte Klühr. «Bis ein zusätzliches Angebot auch tatsächlich verkauft werden kann, dauert es eine gewisse Zeit.» Die Produktivität der neuen Flieger sollte demnach zunehmen. Das gilt auch für die Ende April geplante Inbetriebnahme der neuen Kurzstreckenflugzeuge von Bombardier, die ebenfalls dank mehr Sitzplätzen und geringerem Treibstoffverbrauch die Kosten pro Sitzkilometer senken sollten.

2017 ist aber dennoch nicht mit einem Anstieg des Gewinns zu rechnen, wie Swiss-Finanzchef Roland Busch ausführte. Im Gegenteil: Die Airline erwarte für das laufende Jahr einen operativen Gewinn leicht unter dem Niveau des Vorjahres, sagte Busch. Er begründete dies mit dem weiterhin bestehenden Preiswettbewerb und dem wieder deutlich gestiegenen Ölpreis.

Zudem steckt Swiss gemäss Klühr zurzeit in Verhandlungen mit der Pilotengewerkschaft ­Aeropers, bei der es um die Zusammenlegung der zwei bisherigen Pilotencorps geht. Dabei wird wahrscheinlich auch die Lohnerhöhung ein Thema sein, die das Mutterhaus Lufthansa ihren Piloten im kürzlich beigelegten Tarifstreit gewährt hat. Gleichzeitig bemüht sich die Fluggesellschaft weiter um Kosteneffizienz. Klühr betonte zwar, dass die Airline eine Schweizer Airline bleibe. «Swiss bleibt Swiss», sagte er mehrfach. Der Kostendruck wird jedoch dazu führen, dass immer mehr Unternehmensfunktionen der Schweizer Fluggesellschaft in der Lufthansa-Gruppe zentralisiert werden. Bereits heute ist der Verkauf aller Lufthansa-Airlines in Frankfurt konzentriert. Das wird nicht die letzte Zusammenführung bleiben.

Kein Rückzug aus Genf

Denn die Gruppe hat gemäss Klühr ein weiteres Sparprogramm im Umfang von einer halben Milliarde Euro gestartet, mit dem Synergien erzielt werden sollen. Zum Beispiel gebe es beim Einkauf noch erhebliches Einsparpotenzial, sagte Klühr.

Kein Thema dabei ist für den Swiss-Chef ein Rückzug aus Genf. Auch 2016 hat Swiss an diesem Standort einen Verlust geschrieben. Das Ziel ist bis Ende 2018 eine schwarze Null. Auch wenn damit Genf wirtschaftlich noch kein Geschäft sei, könne er damit leben, sagte Klühr. Denn Swiss wolle eine nationale Airline bleiben. Zu einer Zürcher Fluggesellschaft zu werden, sei dagegen keine Option. (sda)


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