Ziegler im Visier der Justiz

INSIDERHANDEL ⋅ Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Hans Ziegler. Der Manager ist aus diesem Grund gestern per sofort aus den Verwaltungsräten von Oerlikon und Schmolz+Bickenbach zurückgetreten.

01. Dezember 2016, 00:00

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Die Justiz ermittelt gegen den als Starsanierer bekannt gewordenen Unternehmensberater und Manager Hans Ziegler wegen Verdachts auf Insiderhandel. Die Bundesanwaltschaft in Bern hat die Aufnahme eines Strafverfahrens gegen den 64-jährigen Zürcher bestätigt. Weiter gehende Anfragen wies die Strafbehörde ab. Angestossen wurde das Strafverfahren durch eine Anzeige der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma), die ihrerseits ein separates, aufsichtsrechtliches Verfahren eröffnet hat.

Die Aufsichtsbehörde wurde von der Schweizer Börse auf verdächtige Transaktionen aufmerksam gemacht. Die Finma handelt auf der gesetzlichen Grundlage des früheren Börsengesetzes, das nun Finanzmarktinfrastrukturgesetz heisst. Die Bundesanwaltschaft beruft sich auf das Strafgesetz.

Mehrere Unternehmen betroffen

Die getrennten Verfahren der beiden Behörden würden koor­diniert, sagte ein Sprecher der Finma auf Anfrage. In welchen Papieren die mutmasslichen Insidergeschäfte stattgefunden haben sollen, ist nicht bekannt. Nach Angaben der Finma beträfen die verdächtigen Geschäfte «Titel von diversen in der Schweiz börsenkotierten Unternehmen». Die Formulierung lässt darauf schliessen, dass mehr als nur zwei Unternehmen angesprochen sind. Ziegler sass bis gestern in den Verwaltungsräten der beiden vom russischen Investor Viktor Vekselberg und dessen Renova Management AG kontrollierten Gesellschaften OC Oerlikon und Schmolz+Bickenbach und hat an beiden Orten seinen sofortigen Rücktritt eingereicht. Schmolz+Bickenbach-Verwaltungsratspräsident Edwin Eichler verdankte in der Medienmitteilung die «äusserst wertvolle Arbeit» Zieglers in dem Gremium, dem er seit 2013 angehört. Bei OC Oerlikon war Ziegler seit 2008 im VR aktiv.

Bis 2015 bei Vögele tätig

Ziegler ist seit dem vergangenen Jahr auch im Aufsichtsrat des Augsburger Roboterherstellers Kuka aktiv. Er war bis im Frühjahr 2015 Präsident der Schweizer Logistikfirma Swisslog, die von Kuka übernommen wurde. Kuka steht gerade in einem Übernahmeprozess mit der chinesischen Haushaltgerätefirma Midea. Die Ankündigung des Übernahmeangebotes hatte im Mai zu einem scharfen Kurssprung in den Kuka-Valoren geführt. Doch in diesem Zusammenhang liegt mindestens vorläufig kein Verdacht gegen Ziegler vor. Gemäss Auskunft der Staatsanwaltschaft Augsburg gibt es kein Rechtshilfeverfahren mit der Schweiz. Von einem Rücktritt Zieglers aus dem Kuka-Aufsichtsrat wollte eine Firmensprecherin keine Kenntnis haben. Von 2012 bis 2015 war Ziegler auch Verwaltungsrats­präsident des Kleiderhändlers Charles Vögele, der soeben vom italienischen Konkurrenten OVS übernommen wurde. Den rapiden Niedergang der einst erfolgreichen Bekleidungskette vermochte er trotz seines Rufs als Starsanierer nicht zu verhindern. 2013 sagte er in einem Interview mit «Finanz und Wirtschaft» auf die Frage, wie Charles Vögele in Zukunft aussehen werde: «In fünf Jahren wird Charles Vögele in Europa der einzige Fashion­retailer sein, der sich zur eher älteren Kundschaft bekennt.» Angesprochen auf den Umstand, weshalb er selber keine Aktien an dem Unternehmen halte, sagte der damalige Verwaltungsratspräsident: «Ich bin ein Insider und kann keine Aktien erwerben.» Erstmals ins Rampenlicht geriet Ziegler vor 20 Jahren, als er von der taumelnden Interdiscount als Finanzchef an Bord geholt wurde, um diese in Einzelteile zu zerlegen und zu verkaufen. Dies war Zieglers erstes Mandat als selbstständiger Unternehmensberater und Sanierer.

Später heuerte Ziegler beim Automobilhandelskonzern Erb an, der kurz darauf wegen gigantischer Fehlspekulationen seiner Eigentümer Konkurs anmelden musste. Auch bei der Liquidation der Erb-Gruppe zeigte Ziegler sein Geschick. Danach folgten zahlreiche längere und kürzere Feuerwehreinsätze bei unterschiedlichen Unternehmen.


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