Absage an digitale Währung

KRYPTOWÄHRUNGEN ⋅ Die Deutsche Bundesbank und die US-Notenbank wollen keine eigene Cyberwährung erschaffen – zumindest vorerst. Die Konsequenzen seien noch unvorhersehbar.
01. Dezember 2017, 00:00

Währungshüter in Deutschland und den USA haben Gedankenspielen zu digitalen Zentralbank-Währungen vorerst eine Absage erteilt. Von Cyberbargeld könnten erhebliche Konsequenzen für das Finanzsystem und die Finanzstabilität ausgehen. Diese seien aus heutiger Sicht nicht abschätzbar, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele gestern in Berlin. «Deshalb ist die Emission digitalen Zentralbankgeldes aus unserer Sicht in einem vorhersehbaren Zeitraum keine realistische Option.» Auch die US-Notenbank plant nach den Worten des Fed-Chefs von San Francisco, John Williams, keine eigene Digitalwährung.

Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) zeigt sich zurückhaltend. So müsse die Blockchain den Nachweis erst noch erbringen, dass sie ein noch besseres Verhältnis zwischen Sicherheit und Effizienz erzielt, sagte etwa Direktoriumspräsident Thomas Jordan. Diese Position bekräftigte jüngst sein Vize Fritz Zurbrügg. Der Kurs der Cyberwährung Bitcoin hatte diese Woche erstmals die Marke von 10000 Dollar geknackt (siehe Box). Seit Jahresbeginn beträgt das Plus rund 1000 Prozent.

Es gibt aber viele warnende Stimmen: «Das Thema ist extrem anfällig für Betrug sowie Technologie- und Regulierungsrisiken,» sagte Chefstratege Christian Gattiker von der Bank Julius Bär. Die Motivation der Anleger sei Spielerei, ähnlich wie bei einem Roulettebesuch.

Vorreiter Schweden

Alle Transaktionen in der Cyberwährung werden verschlüsselt in eine Datenbank geschrieben, die sogenannte Blockchain. Viele Zentralbanken beschäftigen sich mit dieser Technologie. Die schwedische Notenbank arbeitet an der digitalen e-Krona. Bundesbank-Vorstand Thiele zufolge spielt dabei eine Rolle, dass in Schweden echtes Bargeld in Form der Krone kaum noch akzeptiert wird. «Diese Erfahrung machen wir in Deutschland und auch im Euro-Raum nicht.»

Die EZB hatte vergangene Woche eine Studie veröffentlicht, nach der in der Eurozone immer noch vier von fünf Einkäufen bar bezahlt werden. Laut Fed-Vertreter Williams erforscht auch die US-Notenbank die Technologie. Dabei geht es unter anderem dar­um, den Zahlungsverkehr effi­zienter und schneller zu machen. EZB-Direktor Yves Mersch forderte Banken auf, sich dem technologischen Wandel zu stellen und so rasch wie möglich elektronischen Zahlungsverkehr zu ermöglichen, der rund um die Uhr zur Verfügung stehe.

Solche sogenannten Instant-Payment-Systeme, bei denen blitzschnell nach Zahlung das Geld auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben wird, sollten als ein Alternativszenario in die Debatte einfliessen.

Nach Ansicht von Timo Emden, Marktexperte beim Analysehaus DailyFx Deutschland, dämmert der EZB allmählich die Bedrohung durch Bitcoin und Co. Sie setze sich nun selbst unter Zugzwang zu handeln. «Bitcoin scheint mittlerweile zu einer möglichen Konkurrenz geworden zu sein, welche es zu bekämpfen gilt. Am Ende des Tages könnten sich die Zentralbanken der Welt die Rosinen der Blockchain-Technologie herauspicken und eine eigene Währung schaffen.» Doch bis dahin könne es noch «ein steiniger Weg» werden. Die SNB verfolge die Entwicklung sehr aufmerksam, auch in internationalen Gremien, zumal es sich um ein dynamisches Gebiet handle, sagte Zurbrügg vor einem Monat. Das Thema dürfe nicht unterschätzt werden.

Derzeit würden aber eher Fragen des Anleger- und Konsumentenschutzes im Fokus stehen, nicht Fragen der Finanzstabilität oder der Geldpolitik. (sda)


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