Air Berlin: Erneut Annullierungen

14. September 2017, 00:00

Flugverkehr Nachdem Air Berlin bereits am Dienstag gemäss ­neuesten Angaben 164 Flüge streichen musste, sind laut der Fluggesellschaft auch gestern mindestens 32 eigene und 35 Eurowings-Flüge annulliert worden. Davon besonders stark betroffen waren die Verbindung ab Düsseldorf und Berlin. Ab Zürich wurden gemäss Flugplan mindestens zwei Flüge nicht durchgeführt. Grund war, dass sich erneut rund 150 Piloten krank gemeldet haben. Gegen Mittag gab es von der Airline die Entwarnung, dass viele Crews heute an ihre Arbeitsplätze zurückkehren werden.

Zuvor hatten Vertreter des Managements und der Bundesregierung an die Piloten appelliert, ins Cockpit zurückzukehren. «Unterstützt uns in dieser für das Unternehmen existenzbedrohenden Situation», schrieb Konzernchef Thomas Winkelmann in einem offenen Brief. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt rief dazu auf, «Vernunft wieder einkehren zu lassen und die Flüge stattfinden zu lassen». Air Berlin hatte vor vier Wochen Insolvenz angemeldet und verhandelt mit der Lufthansa und weiteren Interessenten über den Verkauf von Unternehmensteilen. Morgen endet die Bieterfrist.

Chinesischer Investor bekundet Interesse

Am Montag waren Gespräche gescheitert, in denen die Arbeitnehmerseite einen Sozialplan erreichen wollte. Viele Piloten fürchten bei einer Übernahme durch Konkurrenten wie die Lufthansa oder Easyjet erhebliche Gehaltseinbussen. Sie fordern deshalb Verhandlungen mit Air Berlin darüber, nach welchen Massstäben sie übernommen werden könnten. Winkelmann versprach den Piloten, nach Auswertung der Kaufangebote Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften zu führen.

Die Verkäufer wollen ein sogenanntes «Grounding» der Airline verhindern, also die Einstellung des Flugbetriebs. Für Interessenten könnte dies jedoch eine elegante Lösung sein, um nicht für Air Berlins attraktive Start- und Landerechte an Flughäfen zahlen zu müssen. Denn bei einer Einstellung des Flugbetriebs droht Air Berlin diese «Slots» an andere Airlines zu verlieren, die diese kostenlos übernehmen könnten.

Derweil rückt Air Berlin in den Fokus eines chinesischen ­Investors. Die Betreiber-Gesellschaft des Flughafens Parchim in Mecklenburg Vorpommern, Link Global Logistics, erwägt eine Offerte für die insolvente Fluggesellschaft einzureichen. (sda)


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