Amerika treibt Bossard an

VERBINDUNGSTECHNIK ⋅ Bei der Zuger Bossard-Gruppe läuft es wie geschmiert. Vor allem die Geschäfte im US-Markt lassen den Gewinn deutlich ansteigen. Wichtigster Kunde ist neu der Elektroautohersteller Tesla.
14. Juli 2017, 00:00

Livio Brandenberg

Vor einem Monat meldete sich Bossard mit einer Gewinnwarnung der etwas anderen Art: Anstatt vor einem eingebrochenen Gewinn zu warnen, teilte das Zuger Schraubenhandels- und Logistikunternehmen mit, das Geschäft entwickle sich deutlich besser als noch zu Jahresbeginn erwartet. Man rechne zum Halbjahr mit einem Gewinnanstieg von mehr als 30 Prozent auf über 40 Millionen Franken.

Gestern musste Bossard diese schon optimistische Prognose korrigieren – nach oben. Im ersten Halbjahr 2017 stieg der Konzerngewinn um 44,7 Prozent auf 45,3 Millionen Franken. Beigetragen zu dieser Ergebnissteigerung hat auch ein ausserordentlicher Ertrag von 4,5 Millionen Franken aus dem Verkauf einer Immobilie in Österreich.

In allen Regionen deutlich zugelegt

Die Zahlen bleiben auch ohne diesen Einmalertrag bemerkenswert. Der Umsatz stieg um 15Prozent auf 395,1 Millionen Franken. Ein Grossteil davon geht zwar auf Zukäufe zurück. Ohne Übernahmen resultierte allerdings immer noch ein Plus von 9,5 Prozent auf 376,1 Millionen Franken. «Wir sind sehr zufrieden.

Die Zahlen sind noch einen Tick besser als im Juni erwartet», sagt Bossard-Finanzchef Stephan Zehnder auf Anfrage. Erfreulich sei, dass der Konzern in allen drei Regionen – Europa, Amerika und Asien – wachse. Zugelegt hat dabei vor allem das Amerikageschäft. In den USA nahm der Umsatz um 32,3 Prozent auf 114,3 Millionen Franken zu. In diesen Zahlen ist auch die Akquisition des US-Unternehmens Arnold Industries im Bundesstaat Massachusetts enthalten. Die Firma wurde ab dem vierten Quartal 2016 konsolidiert.

In Europa wuchs der Umsatz um 7,5 Prozent auf 223,3 Millionen Franken. Einen Beitrag dazu hat insbesondere auch das Geschäft in der Schweiz geleistet, wo Bossard wegen des starken Frankens länger mit einer Nachfrageschwäche konfrontiert war. Schliesslich konnte die Bossard-Gruppe ihren Umsatz auch in allen Marktregionen Asiens erhöhen, in der Mehrheit der Länder gar im zweistelligen Bereich.

Laut Bossard-CFO Zehnder sind die Resultate aus einer Kombination zu Stande gekommen: «Einerseits ist da die Konjunktur, die hilft. Auf der anderen Seite ist unsere Wachstumsstrategie mit fokussierten Zukäufen der letzten Jahre, welche aber auch auf das organische Wachstum ausgerichtet ist. Wenn dann die Weltwirtschaft richtig gut läuft, spüren wir den Rückenwind umso mehr.»

Für den Rückenwind im US-Markt ist vor allem ein Kunde verantwortlich: Tesla. Der US-Elektrofahrzeughersteller sei «der wichtigste Kunde» von Bossard und mache 7 Prozent des Gesamtumsatzes aus, sagt Zehnder. Damit hat Tesla den US-Hersteller von Landwirtschaftsmaschinen John Deere überholt. Dieser ist aktuell für 6 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich.

Bossard liefert seit 2010 Schrauben und Verbindungstechnik für die Autos von Tesla. Mitte 2016 begann die Produktion des dritten Modells «Model X», und davon profitiere Bossard jetzt, sagt Zehnder. Wie sich die Produktion des aktuellen «Model 3», mit dem Tesla den Massenmarkt erobern will, auf die Zuger auswirkt, dazu könne man nichts sagen. Bossard habe sich verpflichtet, keine Angaben zu einzelnen Produktionszahlen der Modelle zu machen. Klar sei, «dass das Model 3 jetzt in der Produktion ist und wir dabei sind. Wie erfolgreich dieses Modell sein wird, hängt davon ab, wie schnell die Produktion raufgefahren werden kann», sagt Zehnder. Dies könne sich auch auf den Umsatz von Bossard auswirken.

Wie viel Bossard pro Tesla-Fahrzeug verdient, verrät der CFO nicht. Beim Model 3 dürften es laut Zehnder aber weniger als die für die bisherigen Modelle herumgereichten 600 Franken sein. Beim aktuellen Tesla gehe es ja in Richtung Massenproduktion, und das Modell sei deutlich billiger als die älteren Modelle.

Die Bossard-Aktie schloss gestern mit knapp 3,4 Prozent im Plus bei 204.90 Franken.


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