Ausverkauf bei Air Berlin

16. September 2017, 00:00

Entscheid Der Kampf um die ­insolvente Air Berlin geht in die heisse Phase. Mehrere Interessenten haben bis zum Ablauf der Frist gestern Nachmittag Angebote für die Fluggesellschaft oder Teile davon eingereicht. Endgültige Verkaufsentscheidungen sollen am 25. September fallen.

Als Favorit gilt die Lufthansa, die die Abgabe einer Offerte bestätigte, ohne weitere Details zu nennen. Aus Verhandlungskreisen erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters, dass Deutschlands grösste Fluggesellschaft für 70 bis 90 der gut 140 Maschinen einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag biete.

8000 Jobs stehen auf dem Spiel

Der Verkauf von Air Berlin gilt als politisch heikel. Nicht zuletzt, weil die Fluggesellschaft seit ihrer Insolvenz Mitte August nur noch mit einem umstrittenen Staatskredit über 150 Millionen Euro weiterfliegen kann. Der Grossaktionär Etihad hatte der verlustreichen Airline den Geldhahn zugedreht. Der Sachwalter für Air Berlin, Lucas Flöther, nimmt nun mit seinem Team die Angebote unter die Lupe.

Air Berlin hat 8000 Mitarbeiter. Vor allem Beschäftigte der Techniksparte und der Verwaltung fürchten um ihre Jobs. «Unser Ziel ist und bleibt, so viele Arbeitsplätze wie möglich in einen sicheren Hafen zu führen», sagte Konzernchef Thomas Winkelmann. Die Zeit allerdings drängt; die Airline macht wegen sinkender Buchungen täglich mehrere Millionen Euro Verlust. Damit stellt sich die Frage, ob die Finanzhilfen der Steuerzahler ausreichen, bis die Kartellbehörden grünes Licht geben und die Restrukturierung beginnen kann.

Ryanair streicht bis zu 2100 Flüge

Möglicherweise müssen die Bieter also noch Geld zuschiessen. «Das müssen die Interessenten einpreisen», hiess es aus Verhandlungskreisen. Interesse wird auch Easyjet nachgesagt. Zudem soll für die Schweizer Air-Berlin-Tochter Belair ein Kaufangebot vorliegen.

Derweil gibt es auch bei einer anderen Airline Turbulenzen. Die irische Billig-Fluggesellschaft Ryanair streicht in den kommenden sechs Wochen bis zu 2100 Flüge, um die Pünktlichkeit ihrer Maschinen zu verbessern. In dem Zeitraum würden täglich 40 bis 50 Flüge ausfallen, also insgesamt 1680 bis 2100, teilte das Unternehmen gestern Abend mit. Das entspricht laut Ryanair weniger als zwei Prozent der Verbindungen. (sda)


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