Bei Versicherungen ist es oft günstiger

IMMOBILIENFINANZIERUNG ⋅ Versicherungen und Pensionskassen machen sich auf dem Hypothekarmarkt breit. Da sie oft günstiger als die Banken sind, kann es den Wohnraumeigentümern recht sein. Die Banken suchen ihr Heil in der Nähe zu den Kunden.
11. Oktober 2017, 00:00

Rainer Rickenbach

Bei langfristigen Festhypotheken haben die Versicherungen preislich schon seit einigen Jahren die Nase vorne. «Versicherungen offerieren bei den 10-jährigen Festhypotheken jeweils gut 20 Basispunkte unter Banken. Wer also eine Hypothek in Höhe von 500000 Franken abschliesst, kann im Schnitt bei der Versicherung über die gesamte Laufzeit 10000 Franken sparen», stellt die Beratungsplattform Money Park in ihrer Analyse fest.

Der Internetdienstleister ist in der Lage, die Angebote von Banken und Versicherungen zu vergleichen, da er seinen Kunden Angebote von beiden unterbreitet. Money Park hat festgestellt, dass Axa Winterthur, Basler und Co. seit dem vergangenen Jahr auch bei den mittelfristigen Krediten von 5 Jahren weniger Zins nehmen als die Banken. Einzig bei den kurzfristigen Festhypotheken von 2 Jahren fahren die Kunden mit den Banken besser.

Noch ist der Marktanteil gering

Es ist der seit Jahren herrschende Anlagenotstand, der die Versicherungen dazu treibt, die frühere Monopolstellung der Banken auf dem Hypothekarmarkt aufzubrechen. Sie scheinen dabei recht gut voranzukommen. Ende 2015 habe der Marktanteil der Versicherungen im Hypothekargeschäft zwar bloss 4 Prozent betragen, schätzt man bei Money Park. Doch je länger der Anlagenotstand anhalte, desto forscher würden die Versicherer in Geschäftsfelder vordringen, die früher nicht zu ihrem Kerngeschäft zählten. «Von der wachsenden Konkurrenz können die Hypothekarnehmer profitieren. Vorausgesetzt, sie verlassen sich beim Abschluss einer Finanzierung nicht blindlings auf die Hausbank», sagt Stefan Heitmann, CEO von Money Park. Er erwartet, dass die neuen Immobilienkreditanbieter ihre Marktposition deutlich ausbauen.

Doch nicht nur die Versicherungen, auch die Pensionskassen leihen zu günstigen Bedingungen Geld für Immobilienfinanzierungen aus. Die Kunden sind zum grössten Teil ihre eigenen Versicherten. «Wenn es das Reglement zulässt, vergeben sie aber auch Hypothekarkredite an Leute, die nicht bei ihnen versichert sind. Das kommt immer häufiger vor», sagt Heitmann.

Banken müssen sich am Riemen reissen

Dass Versicherungen und Pensionskassen günstiger als Banken offerieren können, erklärt sich Hans-Ruedi Durrer, Leiter Firmen bei der Obwaldner Kantonalbank, mit den unterschiedlichen Geschäftsmodellen. «Für Versicherungen und Pensionskassen ist es ein reines Anlagegeschäft. Das Hypothekargeschäft bietet Realsicherheit und ist im aktuellen Tief- und Negativumfeld eine stabile Alternative zu konventionellen Anlagen wie zum Beispiel an der Börse. Bei den Banken hingegen handelt es sich um ein Zinsdifferenzgeschäft.» Kommt hinzu, dass die Neulinge auf dem Hypothekarmarkt externe Partner mit dem ganzen Kreditabwicklungsprozess betrauen, sogenannte Kreditfabriken.

Wenn die Banken ihre dominante Stellung im Hypothekar­geschäft erfolgreich verteidigen wollen, müssten sie sich noch mehr anstrengen und ihre Stärken besser ausspielen, sagt Durrer. Anstrengen, indem sie die Kosten und Abläufe nicht aus den Augen verlieren. Und mit Stärken meint er die persönliche Beratung und die lokalen Marktkenntnisse. Durrer: «Mit persönlichem Service und noch individuellerer Beratung lässt sich die kleine Preisdifferenz rechtfertigen.»


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