Bürgenstock ist Hoffnungsträger

LUZERN ⋅ Das Bürgenstock-Resort dürfte dem Tourismusgeschäft der Region neuen Schwung verleihen. Kantone und Branchenverein kümmern sich um Sicherheitsbelange des Resorts, wo sich bald auch Politiker treffen könnten.
13. Mai 2017, 00:00

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Als Geschenk für die ganze Region bezeichnet Ferdinand Zehnder das Bürgenstock-Resort. Es nimmt im August den Betrieb auf, und der Verwaltungsratspräsident der Luzern Tourismus AG verspricht sich von der Anlage mit vier Hotels, zwölf Restaurants und der riesigen Wellness-Anlage wichtige Impulse für den Tourismus der ganzen Region.

Die Hoffnung ist wohl begründet: Die Konjunkturforscher von BAK Basel stellten für die Zentralschweiz eine Wertschöpfung von jährlich zusätzlichen 140 Millionen Franken in Aussicht, wenn sich der Hotelkomplex in zwei, drei Jahren erst einmal im Vollbetrieb-Modus befindet. «Wir verfügen mit dem Bürgenstock, mit Andermatt und der ‹Palace›-Sanierung in Luzern über drei grosse Projekte in der Region, die unsere Position im gehobenen Gästesegment zünftig stärkt», sagte Direktor Marcel Perren gestern im Gespräch, das die Spitzenleute von Luzern Tourismus jeweils vor der Generalversammlung mit Medienvertretern führen.

Präsident Ferdinand Zehnder fühlte sich an die KKL-Eröffnung vor 19 Jahren erinnert, wie er ausführte: «Wir erlebten damals, was ein mutiges Projekt für den Tourismus auslösen kann. Von Bürgenstock, Andermatt und ‹Palace› erwarte ich ebenso starke Impulse.»

Eine Art Task-Force für das neue Resort

Damit sich die Resort-Idee schnell und ungehindert entfalten kann, hat Luzern Tourismus zusammen mit den Kantonen Luzern und Nidwalden eine Art Task-Force auf die Beine gestellt. Sie trägt den Namen Entwicklungsplattform Luzern-Vierwaldstättersee und wird geführt von René Kamer, dem Chef von Rail­away und Verwaltungsratsmitglied bei Luzern Tourismus. «Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die ganze Tourismusregion dank dem neuen Resort strategisch weiterentwickelt», sagt Kamer. Der Plattform stehen in den nächsten drei Jahren 790000 Franken zur Verfügung. Nebst Luzern Tourismus und den beiden Kantonen steuert auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) einen Beitrag bei.

Zu den Aufgaben der Plattform zählt auch «die erfolgreiche Erschliessung der erwarteten Potenziale», und als Erstes beschäftigt sich die Arbeitsgruppe mit Sicherheitsfragen rund um den Bürgenstock. Denn die Resort-Verantwortlichen hegen berechtigte Hoffnungen, der Bürgenstock könne Schauplatz von wichtigen Tagungen mit Politikern oder Spitzenleuten aus der Wirtschaft werden. Die Zugangswege lassen sich leicht kontrollieren, und die Infrastruktur taugt für Grossanlässe dieser Art.

Kommt hinzu: Die Schweiz hat als neutrales Land eine Tradition mit internationalen Tagungen, und der Bürgenstock spielte dabei ab und zu bereits eine Rolle; vor dreizehn Jahren zum Beispiel ging auf Betreiben der UNO die Zypern-Konferenz auf dem Berg mit der spektakulären Aussicht über die Bühne. Wenn der Betrieb in der 550-Millionen-Franken-Anlage erst einmal auf vollen Touren läuft, dürfte das Hoteldorf jährlich etwa 150000 Hotelübernachtungen an die Logiernächte-Statistik beisteuern und zirka 100000 Tagesbesucher auf den Berg locken (in der alten Hotelanlage waren es 80000). Das ist vorderhand noch Zukunftsmusik.

Weniger Logiernächte

Gestern beschäftigte sich die Luzern Tourismus AG an ihrer Generalversammlung mit dem vergangenen Jahr. Es brachte der Region nach mehreren Jahren mit neuen Rekordwerten einen sanften Dämpfer. Die Zahl der Logiernächte fiel in der Stadt um 0,8 Prozent und in der Region um 2,4 Prozent. Wichtigster Grund für den Rückgang war das gestoppte Wachstum bei den chinesischen Gästen, die aus Angst vor Terroranschlägen und wegen aufwendiger Visumsbeschaffung weniger reisten. Zugenommen haben wieder die Hotelgäste aus Europa. Für 2017 ist Marcel Perren zuversichtlich. An der Generalversammlung in Luzern wurden Martin Bütikofer und Roland Zeller neu in den Verwaltungsrat gewählt.


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