Casino-Geschäft erholt sich auf tiefem Niveau

LUZERN ⋅ Die Spieler gaben 2016 im Casino mehr Geld an den Spieltischen und in den Restaurants aus. Der Betrieb steigerte den Gewinn deutlich.
17. Mai 2017, 00:00

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Die Suche nach der letzten Gewinnsteigerung der Luzerner Grand-Casino-Gruppe nimmt fast schon eine zeitgeschichtliche Dimension an. Denn seit 2007 sieht sich der Spielbetrieb mit rückläufigen Zahlen konfrontiert. Das Ergebnis des vergangenen Jahres ist darum bemerkenswert: Der Konzerngewinn stieg um 9,3 Prozent auf 1,19 Millionen Franken, und mit 214000 Gästen stieg auch die Besucherzahl leicht an. Die Kursaal-Casino AG legte ebenfalls etwas zu.

Verbessert haben sich die Zahlen in sämtlichen Bereichen: Die Bruttoeinnahmen aus dem Spielbetrieb stiegen leicht auf 35,97 Millionen Franken, und in der Gastronomie- sowie Unterhaltungssparte stieg der Umsatz um mehr als 6 Prozent. Die Zahlen liegen zwar immer noch fast einen Drittel hinter den Ergebnissen zurück, die das Luzerner Casino in den goldenen Zeiten vor der Finanzkrise einfuhr. Doch immerhin macht es den Anschein, als habe es den Tiefpunkt hinter sich gelassen. «Die gesamte Schweizer Casino-Branche scheint die Talsohle durchschritten zu haben. Obwohl sich bei den schlechten Rahmenbedingungen nichts zum Besseren gewendet hat», kommentierte gestern Kursaal-Verwaltungsratspräsident Guido Egli das Jahresergebnis.

Zu schaffen machen der Branche seit Jahren der starke Franken, die hohe Regeldichte und die Konkurrenz der ausländischen Online-Spielanbieter. Die dem Schweizer Casino-Verband angeschlossenen Betriebe nahmen im zurückliegenden Jahr 1,2 Prozent mehr an Spieleinsätzen ein. Sie lieferten 323 Millionen Franken (plus 1,1 Prozent) mehr an die AHV und die Kantone ab. Luzern steuerte 16,14 Millionen Franken dazu bei.

Casino investiert zwei Millionen in Spiele

Dass es gelungen ist, den Ertragszerfall zu bremsen, führt Casino-CEO Wolfgang Bliem in erster ­Linie auf neue Spielideen und -maschinen zurück. Rund 2 Millionen Franken hatte das Unternehmen dafür investiert. So locken nun Geldspielautomaten mit 3D-Technologie die Spieler an, regelmässig taucht dort plastisch ein ziemlich grobschlächtiges Ungeheuer auf und fordert ultimativ «Money». Gut kommt gemäss Bliem auch das im eigenen Haus entwickelte, dem Jassspiel nachempfundene Jassino-Kartenspiel bei den Gästen an.

Die nächste spielerische Herausforderung für das Casino sind Glücks- und Geschicklichkeitsübungen im Internet. Denn das überarbeitete Spielbankengesetz erlaubt es Schweizer Betrieben, im boomenden Onlinegeschäft mitzumischen. Heute ist ihnen das verboten. Das neue Gesetz tritt frühestens 2019 in Kraft.

Nur: Haben die traditionellen Schweizer Casinos überhaupt eine Chance auf einem Markt, auf dem sich bereits internationale, etablierte Online-Glücksspielanbieter tummeln? Nützen die Internetbarrieren etwas, mit denen ausländische Glücksspiele von der Schweiz ferngehalten werden sollen? Bliem ist zuversichtlich: «Heute sind in diesem Geschäft Gesellschaften am Drücker, die ihren Sitz in Gibraltar, Malta oder in der Karibik haben. In der EU ist man entschlossen, das Onlinegeschäft unter nationale Kontrolle zu bringen. Die Schweiz befindet sich mit der Internetsperre also in bester Gesellschaft», sagt der CEO. Präsident Egli verweist auf die Überlegungen, die dahinterstecken. «Diese Anbieter zahlen nicht ­einen Rappen an die AHV oder den Lotteriefonds. Auch in den anderen europäischen Ländern halten sie sich raus. Die Netzsperre dürfte die gewünschte Wirkung erzielen, wenn sie breit abgestützt ist», so Egli.

Dividende bleibt bei zwölf Franken

Das Luzerner Casino hat in den beiden zurückliegenden Jahren gemäss Finanzchef Rudolf Widmer bereits eine halbe Million Franken für die Entwicklung von Online-Glücksspielen ausgegeben. Bis sie auf dem Netz aufgeschaltet sind, muss die Casino-Gruppe ihr Geld aber ausschliesslich mit physischem Glücksspiel und mit dem Unterhaltungsangebot verdienen.

Das Unternehmen sei ordentlich in das laufende Jahr gestartet, es sei auf Budgetkurs, sagt CEO Wolfgang Bliem. An der Generalversammlung vom 13. Juni beantragt der Verwaltungsrat eine gleichbleibende Dividende von 12 Franken pro Aktie und Genussschein.


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