Chefverkäufer nimmt den Hut

17. Mai 2017, 00:00

Schweiz Tourismus Direktor Jürg Schmid verlässt die Organisation Schweiz Tourismus per Ende Jahr. Frankenschock, Lohnkritik, aber auch positive Ausbauschritte prägten seine Arbeit.

Er hat 18 Jahre lang die Schweiz als Ferien-, Reise- und Kongressland vermarktet: Als Jürg Schmid im Jahr 1999 den Posten als Direktor von Schweiz Tourismus antrat, gab es weder die Franken-Euro-Krise noch die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA, die das Reiseverhalten über kurz oder lang prägten. Ebenso war die Konkurrenz unter den Alpenländern Schweiz und Österreich nicht so ausgeprägt wie heute.

Jürg Schmid macht sich selbstständig

Schmid verlässt nun zum zweiten Mal in seiner Karriere Schweiz Tourismus. Diesmal soll es aber anders sein als im Jahr 2010. Damals hatte er der Organisation Schweiz Tourismus für ein Intermezzo bei den SBB den Rücken gekehrt, war aber rasch wieder da. Jetzt hat der 1962 geborene Schmid vor, «sich seinen grossen Wunsch zu erfüllen», wie es in der Mitteilung heisst, «nämlich das Kapitel der Selbstständigkeit aufzuschlagen». Er werde eine Marketingagentur gründen und seine Erfahrung in verschiedene Mandate einbringen. Einen Posten als Präsident fand er bereits bei der Organisation Graubünden Ferien, wie die «Südostschweiz» weiss.

Im Jahr 2016 gaben Jürg Schmids Fixlohn von 327 900 Franken sowie Boni und Nebenleistungen zu reden. Plötzlich wurde er «vom begehrten Gesprächspartner zum Buhmann», wie die Fachzeitung «Hotelrevue» feststellte. Wurde sein Lohn als zu hoch kritisiert, weil es mit Schweiz Tourismus einen bundesnahen Betrieb betraf? Oder weil viele Tourismusbetriebe gleichzeitig finanziell unter Druck stehen? Schliesslich deckelte der Bundesrat den Fixlohn auf maximal 313 000 Franken und machte Vorgaben beim Bonus.

Besucher aus Asien angelockt

Vorwürfe, dass Schweiz Tourismus unter Schmids Führung ungenügende Leistungen erbringe, sah die «Hotelrevue» mit den in der Kontroverse vorgebrachten Argumenten nicht belegt. Auch gestern hielt der Verwaltungsrat die diversen Verdienste Schmids hoch, etwa ein besserer Gästemix dank Besuchern aus Asien sowie die Digitalisierung. Schmid habe die Organisation in den 18 Jahren neu ausgerichtet, lobt Präsident Jean-François Roth.

Angesichts der langjährigen Präsenz von Schmid beginnt nun die herausfordernde Suche nach einem Nachfolger. (T.F.)


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