China wird Grossinvestor bei Rosneft

ERDÖLBRANCHE ⋅ Offiziell wird mit China Energy ein chinesisches Privatunternehmen Grossaktionär des russischen Ölriesen Rosneft. Doch die chinesische Führung mischt auch hier mit.
12. September 2017, 00:00

Felix Lee, Peking

Eigentlich wollte China schon vor Jahren vom Streit des Westens mit Russland profitieren. Während Washington und Brüssel vor drei Jahren als Reaktion auf Moskaus Annektion der Krim Sanktionen gegen Russland verhängte, ging Peking auf die russische Führung zu und vereinbarte ein umfangreiches Gasabkommen. Über diesen Deal hinaus ist es Peking seitdem aber nicht gelungen, ein weiteres Grossgeschäft mit Russland an Land zu ziehen. Nun – drei Jahre später – scheint Pekings Kalkül aber aufzugehen.

Am Freitag hat der russische Erdölriese bekannt gegeben, dass das chinesische Konglomerat China Energy Company Limited (CEFC) als Grossaktionär bei ihm einsteigt. Das chinesische Unternehmen übernimmt Rosneft-Anteile des Schweizer Rohstoffhändlers Glencore sowie weitere Aktien vom Emirat Katar – insgesamt 14,16 Prozent. Der katarische Investitionsfonds behält an Rosneft 4,7 Prozent, Glencore nur noch 0,5 Prozent. Dabei hatten beide erst vor neun Monaten als gemeinsames Konsortium 19,5 Prozent der Rosneft-Aktien erworben (siehe Box unten). Rosneft war im Jahr 2006 an die Börse gegangen.

Politische Motive als Treiber der Transaktion

Mit CEFC stehe die Aktionärsstruktur nun, sagte Rosneft-Chef Igor Setschin zur russischen Agentur Interfax. «Ich bin froh, dass ein chinesischer Konzern dabei ist.» Auf chinesischer Seite hat sich bislang noch keiner offiziell zu diesem Deal geäussert, der mit 7,5 Milliarden Euro bewertet wird. In Peking ist es aber kein Geheimnis, dass hinter diesem hohen Preis politische Motive stecken. Sowohl Russland als auch China haben mehrfach bekundet, dass sie auf höchster Ebene ihre Energiepartnerschaft ausbauen wollen.

China Energy ist offiziell zwar kein chinesisches Staatsunternehmen. Doch mit über 20000 Mitarbeitern und einem Umsatz von jährlich mehr als 40Milliarden US-Dollar gehört das Unternehmen zu den zehn grössten Konzernen in China. Nicht zuletzt über den Parteisekretär, der in China ­jedem Firmenchef beiseitegestellt wird, nimmt sich die chinesische Führung ­heraus, jederzeit unmittelbar Einfluss auf die laufenden Geschäfte auszu-üben. Dem gerade einmal 40-jährigen Firmenchef Ye Jianming, der den ­Konzern auch gegründet hat, werden zudem enge Verbindungen zu hohen Generälen der Volksbefreiungsarmee nachgesagt.

Der Energiesektor ist auch nicht der einzige Geschäftsbereich von China Energy. Zum Konglomerat gehören unter anderem auch Brauereien und Unternehmen im Bereich Finanz­dienstleistungen in Tschechien. Diese Investitionen gehen unmittelbar auf Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping ­zurück. Nach Angaben der «Financial Times» kommt es dem Kreml entgegen, dass westliche Investoren inzwischen durch Alternativen aus dem Fernen ­Osten ersetzt werden können. Der russische Staat hält trotz der Teilprivatisierung im vergangenen Jahr 50 Prozent plus eine Aktie an Rosneft, dem britischen Ölkonzern BP gehören 19,7 Prozent.

Rosneft bleibt damit ein wichtiges politisches Instrument – künftig für zwei Regierungen.


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