Aussichten

Das Aktiensparen kann beruhigend wirken

10. Februar 2018, 00:00

Wer sich im Alter vermögend zur Ruhe setzen will, muss sich frühzeitig im Erwerbsleben ein paar zentrale Gedanken machen. Die betreffen das Leben und das Zusammenleben, letztlich geht es aber auch um die Spätfolgen des Handelns während der Erwerbsphase.

Ein entscheidender Punkt besteht darin, wie das Erwerbseinkommen auf den gegenwärtigen Konsum und den zukünf­tigen Konsum (= Sparen) auf­geteilt wird. Lebt man allein, ist das teurer als eine Lebens­gemeinschaft und lässt auch weniger Sparpotenzial zu. In einer jüngeren Studie zeigt sich, dass beispielsweise ein Paar mit zwei Einkommen die steuerlich bevorzugte Sparmöglichkeit 3a mit rund 6000 Franken im Durchschnitt stärker in Anspruch nimmt als ein einzelner Erwerbstätiger.

Hinzu kommt, dass gerade beim langfristigen Anlegen auch die Anlageklasse eine zentrale Rolle spielt. Mit einer Kontolösung hat man mit den Geldern in der konventionellen Säule 3a noch nie eine nennenswerte reale Rendite über einen längeren Zeitraum erzielen können. Mit einer Wertschriftenlösung sieht das anders aus. Man kann über einen längeren Zeitraum an der realen Wirtschaft partizipieren.

In internationalen Vergleich von Vermögen schneidet Deutschland schlecht ab. Dabei arbeiten die Deutschen hart und sparen viel, aber sie verfolgen die falsche Anlagestrategie. Nur gerade jeder zehnte Haushalt verfügt über ein Aktienvermögen. Stattdessen werden fast 6 Billionen Euro auf Tagesgeld- und Sparkonti gehalten, die kaum Zinsen abwerfen. Schlimmer noch: Die Teuerung in Deutschland liegt knapp unter 2 Prozent. So erleidet das deutsche Vermögen jeden Tag ein bisschen Realwertverlust.

Überspitzt kann man sagen, dass die Deutschen viel arbeiten, um zu sparen, sich aber kaum Gedanken machen, um das Ersparte richtig anzulegen. Über viele Jahre wird mit Aktien jedoch eine deutlich höhere Rendite erzielt als mit dem Banksparen. Aktiensparen sorgt für eine reale Steigerung des langfristig angelegten Kapitals. Wer diesen Prozess begreift, versteht auch die beruhigende Wirkung von Aktiensparen.

Das kann sich auch hormonell positiv auswirken. Der Glücksbote eines gesunden Wertschriften-Portfolios ist das Serotonin. Adrenalin wird ausgestossen in Angstsituationen, beispielsweise beim Bungee-Jumping von einer Staumauer, immer in der Hoffnung, dass das Seil kürzer ist als die Mauer. Serotonin ist der Botenstoff, der zu Ruhe und Gelassenheit führt. Im Wissen darum, dass sich das Angesparte richtig vermehrt und keinem Bungee-Jumper-Analysten überlassen wird, kann man geruhsam ins Bett gehen und sich aufs Alter freuen.

Bis dahin arbeitet das Kapital und vermehrt sich. Das ist keine Alchemie, das ist lediglich die natürliche Begleiterscheinung einer real wachsenden Weltwirtschaft. Wer daran nicht glauben will, der bunkert sein Erspartes weiterhin auf einem Konto oder gibt es gleich aus. Dann ist man derartige Anlegersorgen ebenfalls los, aber auch das Glücksgefühl von Serotonin.

Maurice Pedergnana Professor für Banking und

Finance an der Hochschule

Luzern – Wirtschaft und Studienleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ)


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