Der Kapitän geht von Bord

NOTENSTEIN LA ROCHE ⋅ Seit der Gründung der jüngsten Privatbank der Schweiz 2012 war Adrian Künzi an der Spitze des Geldinstituts. Mit seinem Abgang verliert die Raiffeisen-Tochter auch ein Stück ihrer DNA.
13. Oktober 2017, 00:00

Daniel Zulauf

Notenstein La Roche ist die jüngste Privatbank in der Schweiz, und Adrian Künzi steht dem Unternehmen seit den turbulenten Tagen ihrer Gründung vor. Nächste Woche nimmt der 44-Jährige den Hut, um dem ehemaligen Raiffeisen-Mann Patrick Fürer Platz zu machen.

Die Rochade stellt das vorläufige Ende einer Geschichte dar, die am 27. Januar 2012 in St. Gallen unter chaotischen Begleit­umständen begonnen hatte. An jenem Wintertag erfuhren einige hundert Mitarbeiter der alteingesessenen Privatbank Wegelin& Co., dass sie fortan unter dem ­Namen Notenstein tätig sein ­würden und mit der Genossenschaftsbank Raiffeisen einen neuen Eigentümer erhielten.

Es war ein Notverkauf, den die Teilhaber der Bank Wegelin buchstäblich um fünf vor zwölf über die Bühne brachten, um ­wenigstens das Schweizer Ver­mögensverwaltungsgeschäft vor dem Zugriff und der drohenden Liquidation durch die US-amerikanischen Justizbehörden zu retten. Zur Zielscheibe der US-Strafbehörden machte sich die Bank Wegelin mit der Provokation, dass sie, nicht nur, wie fast alle Schweizer Vermögensverwaltungsbanken, amerikanische Steuerflüchtlinge beherbergte, sondern vielmehr, dass sie auch jenen Steuersündern Zuschlupf gewährte, die bei anderen Banken nicht mehr willkommen waren.

Abgang nur eine Frage der Zeit

Adrian Künzi erlebte diese Tage als Teilhaber von Wegelin&Co. an vorderster Front. Doch in seiner Funktion als Chef des Schweizer Geschäfts riskierte er keine Strafklage der US-Justiz. Der Mann war gesetzt, die neue, alte Bank im Auftrag von Raiffeisen in sichere Gewässer zu steuern. Künzi zeigte schnell, dass er mit Notenstein mehr als blosse Besitzstandwahrung vorhatte.

Er wollte aus dem Unternehmen «eine der drei besten Privatbanken der Schweiz» formen, was dem ehrgeizigen Ex-Raiff­eisen-Chef und Mitinitiator der mutigen Transaktion, Pierin Vincenz, natürlich vorzüglich gefiel. Mit 700 Mitarbeitern an 13 Standorten im ganzen Land ging Künzi an den Start. 20000 Privat- und Geschäftskunden hatten der Bank ein Vermögen von 21 Milliarden Franken anvertraut. Es ging ein Raunen durch die Reihen der vom Steuerstreit eingeschüchterten Privatbankiers. In jenen Tagen, als man sich in der Branche nach hinten orientierte, galten Notenstein und Künzi als «Hoffnungsträger». 2015, als die altehrwürdige Basler Bank La ­Roche einen neuen Eigentümer brauchte, kam Notenstein zum Zug. Der Deal brachte der Käuferin zusätzliches Volumen. Doch Künzi schaffte es nicht, die Vorteile in zählbare Ergebnisse umzumünzen. Vergeblich versuchte die Bank Gewicht zuzulegen, um in ihr überdimensioniertes Kleid hineinzuwachsen.

Für Raiffeisen blieb das Investment eine Enttäuschung. Inzwischen zählt die Bank nur noch rund 400 Angestellte, und vor Künzi haben schon zahlreiche andere Geschäftsleitungsmitglieder den Hut genommen. Es war eine Frage der Zeit, bis es auch den CEO erwischen würde. Der neue Chef Patrick Fürer stiess zwar erst kürzlich von ­Morgan Stanley zu Notenstein. In früheren Jahren war er aber als IT-Chef für Raiffeisen tätig. Mit Künzis Abgang verliert Notenstein La Roche ein gutes Stück ihrer noch jungen DNA. Umso gespannter wird man zusehen, wie sich das immer näher an die Eigentümerin rückende Institut nun weiterentwickelt.


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