Der Landi-Konzern trotzt dem Gegenwind

FENACO ⋅ Tiefere Preise und ungünstiges Wetter haben den Landwirtschaftsriesen gefordert. Trotz rückläufigem Umsatz hat die Fenaco die Rendite 2016 verbessert. Vermehrt investiert die Bauerngenossenschaft in Wachstumsfelder wie Stromproduktion und Digitalisierung.
18. Mai 2017, 00:00

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Der Mischkonzern Fenaco ist mit Geschäftsbereichen wie Detailhandel (Landi, Volg, Top-Shop), Lebensmittelproduktion (Ramseier, Elmer-Citro, Agri natura), Energie (Agrola, Solartechnik) sowie Agrargüter (Futter- und Saatmittel) breit abgestützt. Trotzdem können Situationen wie im letzten Jahr – sinkende Preise und ungünstige Wetterverhältnisse – Spuren beim Gesamtumsatz des «grünen Riesen» hinterlassen.

Die Verkaufserlöse der Fenaco sanken im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent auf 5,94 Milliarden Franken. «Keiner der Märkte, in denen wir tätig sind, war 2016 im Aufwind», sagte Martin Keller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Fenaco-­Genossenschaft, an der gestrigen Medienkonferenz in Bern. Er zeigte sich trotzdem zufrieden, denn bei den Gewinnzahlen konnte die Fenaco zulegen. Der Betriebsgewinn (Ebit) stieg zum vierten Mal in Folge; im Vergleich zu 2015 um 0,7 Prozent auf 123,4 Millionen Franken. Der Reingewinn fiel mit 96,8 Millionen Franken ebenfalls leicht höher aus (Vorjahr: 96,4 Millionen).

9845 Mitarbeitende in über 80 Tochterfirmen

Die Fenaco wurde 1993 von sechs landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbänden gegründet, um bessere Bedingungen für die hiesige Landwirtschaft und den Vertrieb ihrer Produkte zu schaffen. Seither wuchs die Fenaco durch Zukäufe, Neugründungen und organisches Wachstum. Über 80 Subunternehmen sind unter dem Fenaco-Dach vereint. 9845 Mitarbeiter zählte der Konzern per Ende letzten Jahres (Vorjahr: 9728) – darunter hat es Agronomen, Verkäufer, Informatiker und Solartechniker. Die Resultate 2016 der Geschäftssparten präsentieren sich wie folgt:

Detailhandel: Volg und Landi konnten laut CEO Martin Keller trotz starkem Wettbewerb und wachsendem Auslandshopping Marktanteile gewinnen, die Nettoerlöse stiegen um 1,4 Prozent auf 1,85 Milliarden Franken.

Die Zahl der Volg-Filialen sank um 29 auf 941. Bei der Landi wurden 7 neue Läden eröffnet, im Gegenzug kleinere Standorte geschlossen. Total sei die Verkaufsfläche der 272 Filialen um 9000 Quadratmeter gestiegen, hiess es.

Agrar: Hier sanken die Einnahmen um 2,2 Prozent auf 1,75 Milliarden Franken. «Hauptgrund sind die Preissenkungen im Bereich Dünger und Pflanzenschutz», sagte Keller. Damit habe man die Landwirte kostenseitig entlasten können. Laut Keller wurde 2016 markant in die Agrartechnik investiert – Stichworte «Landwirtschaft 4.0» und «Smart Farming». Der Einsatz von Computertechnik und Datenauswertungen soll die Produktivität der Höfe bereits 2017 verbessern.

Lebensmittelindustrie: Das Geschäftsfeld verzeichnete mit 1,26 Milliarden Franken einen Rückgang von 1,3 Prozent. Das schlechte Wetter habe auf die Grillsaison und somit den Fleischabsatz gedrückt. Aber auch den Einkaufstourismus habe man negativ gespürt, hiess es.

Energie: Hier haben die nach wie vor tiefen Treib- und Brennstoffpreise sowie die Erhöhung der CO2-Steuer auf fossile Brennstoffe per Anfang 2016 auf die Einnahmen gedrückt. «Viele Kunden haben bis Ende 2015 ihren Heizölbedarf für den Winter komplett abgedeckt», berichtete Keller. Entsprechend verzeichnete man einen Umsatzrückgang um 6,1 Prozent auf 978 Millionen Franken. Stützend hätten sich der steigende Absatz von Holzpellets sowie der Ausbau des Tankstellennetzes ausgewirkt. «Agrola stärkte mit der Eröffnung von drei neuen Tankstellen mit Top-Shop-Filialen die Präsenz im ländlichen Raum», erklärte Keller. Die Fenaco zählt über 400 Agrola-Tankstellen.

In Zukunft will der Konzern auch als Stromlieferant auftreten, wie Keller erklärte. 2016 habe man die Grundlagen dazu erarbeitet. Dank Speicherlösungen will die Fenaco Strom produzierende Bauern in ihrer Energie-Selbstversorgung unterstützen. «Als erster Anbieter in der Schweiz gelang es uns, Tesla-Powerwalls auf Bauernhöfen und in Wohngebäuden zu installieren», sagte Keller stolz und verriet, dass man auch prüfe, dereinst Strom an Endkunden zu verkaufen. 2016 nahm Fenaco 7 Fotovoltaikanlagen auf ihren Betriebsgeländen in Betrieb und zählt nun 15 Anlagen und 17 auf Dächern von Landi-Genossenschaften. Für 2017 gibt sich Martin Keller zuversichtlich. Man rechne mit einem moderaten Wachstum beim Umsatz und einer leichten Steigerung beim Betriebsgewinn, sagte der Fenaco-Chef. Investitionen im Wert von über 200 Millionen Franken seien im Geschäftsjahr 2017 budgetiert, hiess es weiter.


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