Der neue Chef ist immer auf Achse

11. November 2017, 00:00

Jos Dijsselhof Der neue Chef des Schweizer Börsen- und Finanzmarkt-Infrastrukturbetreibers SIX ist ein Change Manager. So jedenfalls wird Jos Dijsselhof in der Pressemitteilung vorgestellt. Tatsächlich hat er mannigfache Erfahrungen mit Veränderungen in der Finanzbranche. Bei ABN Amro stieg der Informatiker und MBA-Absolvent die Leiter rasch empor – bis die niederländische Grossbank im Strudel der Finanzkrise in die Fänge gieriger Konkurrenten und Hedge-Fonds-Manager geriet.

Nach einem Übernahmekampf teilten die Royal Bank of Scotland (RBS), die belgische Fortis und die spanische Santander ABN Amro unter sich auf, wobei Dijsselhofs Asien-Abteilung in Hongkong an die RBS ging. Als diese in Schieflage geriet, fiel Dijsselhofs Geschäft an die australische Grossbank ANZ. Unter dem Zwang, sich ständig an neue Bedingungen anzupassen, habe er Demut gelernt, sagte Dijsselhof vor einigen Jahren.

Bei ANZ lernte er, mittler­weile in Singapur stationiert, was heute in vielen Grossbanken und auch bei der SIX Realität ist: Die Bank lagerte mehrere tausend Jobs in asiatische Billiglohnländer aus. Es sei eine seiner grossen Leistungen gewesen, diesen Prozess so umzusetzen, dass sich die Mitarbeitenden auch in jenen entfernten Destinationen als Teil der grossen Organisation fühlten und motiviert mitarbeiten konnten, erinnerte sich Dijsselhof. Die Verlagerung von Jobs in Tieflohnländer ist auch bei der SIX ein Thema. Sie hat derzeit fast 500 Angestellte in Polen und Indien. Bis Ende 2018 sollen weitere 100 Stellen ausgelagert werden.

Er verlor letzte Stelle wegen Reorganisation

2014 kehrte Dijsselhof als Betriebschef der Mehrländerbörse Euronext nach Amsterdam zurück. Kaum war er angekommen, trat im April 2015 CEO Dominique Cerutti zurück.

Dijsselhof sprang interimistisch ein, bis En­de 2015 der Franzose Stéphane Boujnah CEO wurde. Dijsselhof war wieder Betriebschef, bis sein Amt diesen Sommer einer Reorganisation zum Opfer fiel. (dz)


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