Ehemaliger Kreditanstalt-Chef Wuffli gestorben

10. August 2017, 00:00

Zürich Der ehemalige Chef der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA), Heinz Wuffli, ist am 4. August im Alter von 90 Jahren gestorben. Wuffli wurde bekannt, als er vor 40 Jahren in den Strudel des «Chiasso-Skandals» geriet und zurücktreten musste. Nach zehn Jahren in der Generaldirektion der Bank war Wuffli Anfang März 1977 zum Präsidenten der Generaldirektion ernannt worden, wie die SKA-Nachfolgerin Credit Suisse gestern in einer Todesanzeige schrieb. Kurz danach platzte der «Chiasso-Skandal».

Die Verantwortlichen der SKA-Filiale in Chiasso hatten im Wirtschaftsboom der 1960er-Jahren ein System geschaffen, um 2,2 Milliarden Franken an Fluchtgeldern aus Italien zu waschen und wieder in Italien zu reinvestieren. Das Geld floss in die dubiose liechtensteinische Firma Texon, die damit Dutzende italienische Firmen aufkaufte, ohne den Hauptsitz der SKA in Zürich zu informieren. Die illegalen Geschäfte liefen lange Zeit rund.

Die Schwierigkeiten begannen mit der Rezession nach dem ersten Erdöl-Schock 1973. Immer mehr Firmen der Texon-Gruppe gerieten in die roten Zahlen. Der Skandal flog im April 1977 auf, als es den Verantwortlichen nicht mehr gelang, die Verluste dieser mit Fluchtgeldern aufgekauften Firmen zu decken. Der Schaden ging in die Milliarden. Der Skandal schlug hohe Wellen.

Formal die Verantwortung übernommen

Als Folge der Empörung im Lande musste Heinz Wuffli am 10. Mai 1977 den Hut nehmen. Auch nach dem Ausscheiden bei der SKA blieb er in der Finanzbranche tätig. Erst 1994 trat er aus Altersgründen als Präsident des Versicherers Elvia zurück. Wufflis Sohn Peter erlitt ein ähnliches Schicksal wie sein Vater: Im Verlauf der Finanzkrise musste Peter Wuffli 2007 als Konzernchef der UBS gehen. (sda)


Leserkommentare

Anzeige: