Ems-Chemie bildet Ungelernte aus

ARBEITSINTEGRATION ⋅ Bis zu 50 ungelernte Personen pro Jahr sollen bei der Ems-Gruppe künftig ein Ausbildungsprogramm durchlaufen können. Konzernchefin Magdalena Martullo erklärt die Beweggründe.
15. Juli 2017, 00:00

Olivier Berger, Schmerikon Thomas Griesser Kym

Das neue Programm besteht aus einer Ausbildung in einer der Lehrwerkstätten der Ems-Gruppe und einemPraktikum in einem Betrieb. Beide Module dauern je drei Monate, die Dauer kann aber verlängert werden. Ziel sei es, dass die Teilnehmenden nach sechs Monaten produktiv arbeiten könnten, sagt Ems-Chefin Magdalena Martullo.

Später soll ihnen die Möglichkeit offenstehen, einen eidgenössischen Fähigkeitsausweis oder ein Berufsattest zu erwerben. In der Schweiz gebe es 600 000 Personen ohne Erstausbildung, sagt Martullo. Für solche Personen brauche es Lösungen ausserhalb des Sozialsystems. Das Angebot sei mit den zuständigen Amtsstellen in mehreren Kantonen erarbeitet worden.

Gesellschaftliches Engagement

Konkret kooperiert Ems in diesem Projekt mit den Arbeits­ämtern in den Kantonen Grau­bünden, St.Gallen, Glarus und Schwyz, mit regionalen Arbeitsvermittlungszentren, mit Berufsinformationszentren, mit der Suva und mit Migrationsämtern in Graubünden und St.Gallen. Ems sei im Vorfeld auf die Ämter zugegangen. Diese werden dem Unternehmen die Teilnehmenden zuweisen. Darunter können auch Flüchtlinge sein. Martullo will laut ihren Angaben mit dem Programm im eigenen Unternehmen einen Beitrag leisten für die Berufsintegration und zur Entlastung der Sozialsysteme. Der Pilotversuch soll mit rund zehn Per­sonen starten in den Berufen Anlagen- und Apparatebauer, Anlagenführer, Automatiker und Laborant. Einen Lohn erhalten sie nicht, aber weiter ihre Sozialleistungen, wie Martollo sagte.

Ems gehe es bei dem Programm nicht darum, günstige Arbeitskräfte zu bekommen, bekräftigt Martullo. Kurzfristig habe das Unternehmen davon keinen Nutzen. Zudem beschäftige Ems zumeist hochqualifizierte Fachkräfte und kaum Ungelernte. Die Ems-Chefin sieht das Angebot als gesellschaftliches Engagement. Es gebe viele, auch junge Menschen in der Schweiz, die nicht arbeiten. Das sei weder gut für diese Menschen noch für das Land. Oft fehle es an der Ausbildung, und hier soll das Programm mithelfen, das zu ändern.


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