Facebook rückt Firmen in den Hintergrund

13. Januar 2018, 00:00

Soziale Netzwerke Facebook-Nutzer werden künftig prominente Beiträge von Freunden und Familie statt von Unternehmen, Medien und politischen Gruppen zu sehen bekommen. Chef Mark Zuckerberg will damit die Bedeutung von Facebook als soziales Netzwerk stärken.

Mit dem Schritt solle das weltgrösste Online-Netzwerk wieder stärker auf das ursprüngliche Ziel ausgerichtet werden, persönliche Verbindungen zu ermöglichen, schrieb Mark Zuckerberg in einem Facebook-Beitrag in der Nacht auf gestern.

«Ich ändere das Ziel für unsere Produkt-Teams: Statt sich darauf zu konzentrieren, ihnen beim Finden relevanter Inhalte zu helfen, sollen sie ihnen helfen, bedeutsamere soziale Beziehungen zu haben», erklärte Facebook-Chef Zuckerberg.

Kritik von Journalistik-Professor

Ein Grund für die Änderungen sei auch, dass laut Studien Kontakte über soziale Medien mit Menschen, die einem wichtig seien, gut für das Wohlbefinden sein könnten. «Andererseits kann das passive Lesen von Beiträgen oder das Anschauen von Videos – selbst wenn sie unterhaltsam oder informativ sind – nicht so gut sein.» Er rechne damit, dass mit den Änderungen Menschen weniger Zeit bei Facebook verbringen würden. «Aber ich erwarte auch, dass die verbrachte Zeit wertvoller sein wird.»

Die Pläne stiessen gestern auf erste Kritik. Facebook habe sich zu einem wichtigen Lieferanten von Nachrichten und Informationen für die Nutzer entwickelt, schreibt der US-amerikanische Journalistik-Professor Jeff Jarvis in einem Blog-Beitrag. Facebook könne seine Verantwortung nicht einfach aufkündigen, die die Plattform als wichtiger Lieferant von Nachrichten und Informa­tionen in der Gesellschaft in­zwischen eingenommen habe. Es sei laut Jarvis zu befürchten, dass die ursprünglichen Sorgen von Medien-Unternehmen bezüglich Facebook wahr würden, dass ­ihnen der Teppich unter den Füssen weggezogen werde.

Er würde sich wünschen, dass Facebook die Qualität von Nachrichten fördern werde. Facebook dürfe das «journalistische Baby» nicht mit dem Badewasser ausschütten, sondern müsse hochwertige Inhalte erkennen und wertschätzen. Jarvis ist Journalist und Buchautor und unterrichtet an der Graduate School of Journalism an der City University of New York. (sda)


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