Frankenhüter korrigieren Wachstumsprognose

BERN ⋅ Die Schweizerische Nationalbank muss die Folgen ihrer Politik anerkennen. Eine geldpolitische Kursänderung gibt es nicht.
15. September 2017, 00:00

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat gestern an ihrer vierteljährlichen Lagebeurteilung keine geldpolitische Kursänderung vorgenommen. Etwas anderes war vor dem Hintergrund des in der vorigen Woche bestätigten unveränderten Kurses der Europäischen Zentralbank auch von niemandem erwartet worden. Die Schweizer Banken zahlen für überschüssige Sichteinlagen auf ihren Girokonti bei der Notenbank nach wie vor einen Strafzins von –0,75 Prozent. Das Zielband für den 3-Monats-Libor beträgt –0,25 bis –1,25 Prozent.

Eine Verschärfung der Geldpolitik, die sich insbesondere die unter dem Negativzinsregime ächzenden Privatbanken wünschen würden, würde zu einer Verengung der negativen Zinsdifferenz zu Gunsten des Frankens zum Euro führen und die relative Attraktivität von Frankenanlagen schlagartig erhöhen. Das aber können sich die Schweizer Wirtschaft und die Nationalbank nicht leisten. Trotz der jüngsten Aufwertung des Euros bleibt der Franken mit einem Kurs von aktuell 1,147 zur Gemeinschaftswährung «hoch bewertet», wie die SNB in ihrer gestrigen Mitteilung schreibt. Interventionen am Devisenmarkt zur Schwächung der eigenen Valuta seien bei Bedarf weiterhin möglich. Die Frankenkeule hat die Schweizer ­Wirtschaft fest im Griff. Für das laufende Jahr rechnet die Nationalbank nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von «knapp 1 Prozent», nachdem sie vor drei Monaten noch ein Wachstum von 1,5 Prozent prognostiziert hatte. Es scheint immer offensichtlicher zu werden, dass die Wettbewerbsposition mancher Wirtschaftssektoren seit der Euro-Mindestkursaufhebung im Januar 2015 zu stark beeinträchtigt wurde, als dass die Schweiz den gegenwärtigen Schwung in Europa voll mitnehmen könnte.

Als Folge der jüngsten Wechselkursabschwächung rechnet die SNB mit einer minimalen Beschleunigung des allgemeinen Preisauftriebs auf 0,4 Prozent im laufenden und im nächsten Jahr sowie auf 1,1Prozent im Jahr 2019.

Daniel Zulauf


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