Gerangel unter den Finanzplätzen

RANGLISTE ⋅ London bleibt auch nach dem Brexit der mit Abstand wichtigste Hub der globalen Finanzindustrie. Zürich schafft es wieder in die Top Ten – Frankfurt ist aber dicht auf den Fersen.
13. September 2017, 00:00

Daniel Zulauf

Welches Land hat den stärksten Finanzplatz? Die Frage beschäftigt in hohem Mass die Regierungen und deren Behörden für die lokale Standortförderung. Seitdem die Briten im Juni des vergangenen Jahres den Austritt aus der Europäischen Union beschlossen haben, kämpfen die europäischen Metropolen darum, wer London als führenden Finanzplatz innerhalb der Gemeinschaft ablösen kann. In diesem Gerangel hat Frankfurt offenbar die Nase vorn.

Diesen Schluss legen zumindest die jüngsten Veränderungen innerhalb des Global Financial Centres Index (siehe Tabelle) nahe. Frankfurt ist in diesem Index auf Platz 11 vorgerückt. Im März figurierte die Heimatstadt der Europäischen Zentralbank und der Deutschen Bank noch auf Platz 23 hinter Genf (20), Zürich (11), Luxemburg (18) und vielen anderen Finanzplätzen in Asien und Nordamerika. Inzwischen beschäftigten sich viele Banken intensiv mit der Frage, in welche Stadt des Binnenmarktes sie das bislang in London domizilierte EU-Geschäft transferieren sollen. John Cryan, Chef der Deutschen Bank, sagte vergangene Woche, Deutschland und Frankfurt würden «selbst bestimmen, wie stark sie vom Brexit profitieren».

Scharfe Konkurrenz aus Asien

In Dublin, Amsterdam oder Paris würden zwar auch neue Arbeitsplätze im Finanzsektor entstehen. Aber keiner dieser Standorte habe die Strukturen, «um wirklich einen substanziellen Teil des Geschäfts aus London zu übernehmen». Derweil reist der französische Wirtschaftsstaatssekretär Benjamin Griveaux diese Woche nach London, um wichtige Finanzhäuser zum Umzug in die französische Kapitale zu bewegen. Doch ungeachtet dieses Gerangels hält sich London im GFCI-Index unbestritten als der führende globale Finanzplatz. Zürich ist wieder in die Top Ten zurückgekehrt (9), und auch Genf hat einen Sprung nach vorne geschafft (15). Verglichen mit der ersten Erhebung vor 10 Jahren, liegen die Schweizer Finanzplätze zwar weiter zurück.

Aber die schärfste Konkurrenz kommt nicht aus Europa, sondern aus Asien. Von den zehn wichtigsten Finanzplätzen liegen nicht weniger als fünf in Asien, zwei in Europa, zwei in Nordamerika und einer in Australien. Der GFCI-Index analysiert unterschiedliche Bereiche der Wettbewerbsfähigkeit von Finanzplätzen durch laufende Befragung einer grossen Zahl von Akteuren und durch Auswertung bestehender Statistiken beispielsweise zum Zustand der Infrastruktur oder zum allgemeinen Geschäftsklima, wie sie die UNO, die Weltbank und andere erstellen.


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