Glencore baut dank lukrativem Angebot Schulden ab

12. September 2017, 00:00

Baar Die Mitteilung aus Baar war kurz und knapp: Am Freitag teilte das Zuger Rohstoffunternehmen Glencore mit, dass das von ihr und dem katarischen Staatsfonds kontrollierte Konsortium 14,16 Prozent seiner Anteile am teilstaatlichen russischen Ölkonzern Rosneft der China Energy Company Limited (CEFC) verkauft habe. Der Deal hat einen Wert von 7,5 Milliarden Euro. Die Kataris halten nach dem Abschluss des Verkaufs noch 4,7 Prozent an Rosneft und Glencore 0,5 Prozent.

Der Verkauft kommt einigermassen überraschend, denn das schweizerisch-katarische Konsortium hatte den knapp 20 Prozent hohen Aktienanteil an Rosneft erst Ende 2016 für 10,5 Milliarden Dollar vom russischen Staat übernommen. Finanziert wurde der Deal damals zum grössten Teil über Schulden. Aus der eigenen Tasche steuerte Glencore lediglich 300 Millionen Euro bei, die Kataris haben 2,5 Milliarden Euro aus eigenen Mitteln bezahlt. Im Rahmen der Transaktion wurde zwischen Rosneft und Glencore ausserdem die tägliche Lieferung weiterer 220000 Fass Öl vereinbart, mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Diese für Glencore lukrative Abmachung gilt auch weiterhin.

Russlands Präsident Wladimir Putin feierte die Teilprivatisierung damals als das «weltweit grösste Geschäft in der Rohstoffbranche im Jahr 2016». Tatsächlich war es das grösste Privatisierungsgeschäft in der Geschichte Russlands. Einige Monate später wurde Glencore-CEO Ivan Glasenberg für seine Rolle bei der Transaktion vom russischen Präsidenten ausgezeichnet. Zusammen mit Glasenberg bekam auch Scheich Abdullah Bin Mohammed Bin Saud Al Thani von Katars Staatsfonds den Freundschaftsorden der Russischen Föderation verliehen.

Undurchsichtiger Deal

Doch um eine klassische Teilprivatisierung handelte es sich damals nicht. Beobachter verwiesen schon bald auf die undurchsichtige Struktur des Deals. Der primäre Zweck sei wohl gewesen, dringend benötigtes Geld in die Kassen des rezessionsgeplagten russischen Staates zu spülen, lautete die meistzitierte Spekulation. Das «Wall Street Journal» berichtete vor kurzem, der russische Staat habe eine schnelle Finanzierung gesucht, um die sinkenden Ölpreise zu kompensieren. Russland wolle bis in zehn Jahren die Beteiligung wieder zurückkaufen, hiess es. Aus Russland wurden Berichte über einen geplanten Rückkauf des Aktienpakets allerdings stets dementiert.

Glencore wollte sich gestern zum Verkauf der Anteile an China Energy abgesehen von der knappen Mitteilung nicht weiter äussern. Hinter vorgehaltener Hand ist aus Anlegerkreisen zu erfahren, dass das Angebot aus China wohl schlicht zu gut war, um es zurückzuweisen. Der Verkaufspreis liegt rund 16 Prozent über dem durchschnittlichen Kurs der vergangenen 30 Tage. Glen­core wird mit dem Verkauf allerdings nicht reich, sondern baut damit die aufgenommenen Schulden wieder ab.

Dem Vernehmen nach haben die Verkaufsparteien schon seit einigen Monaten miteinander verhandelt. Auch andere Interessenten, namentlich aus Japan, sollen sich für das Aktienpaket interessiert haben. Der Transaktion müssen nun noch die zuständigen regulatorischen Stellen zustimmen.

Maurizio Minetti


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