Handwechsel bei Green

TELEKOM ⋅ Ein französischer Branchenriese übernimmt 100 Prozent des Schweizer ICT-Dienstleisters Green. Verwaltungsratspräsident und SVP-Nationalrat Franz Grüter überlegt sich eine erneute Beteiligung.
02. Dezember 2017, 00:00

Raphael Bühlmann

«Das sind good News.» Franz Grüter, Luzerner Nationalrat (SVP) und Verwaltungsratspräsident von Green, zeigt sich erfreut. Grund: Der Telekom- und ICT-Dienstleister bekommt einen neuen und finanziell stabilen Besitzer. Die Firma mit Sitz in Lupfig AG war bisher im Besitz von Al­tice, einem in Amsterdam börsenkotierten, aber hoch verschuldeten Unternehmen. Dieses gab gestern bekannt, die 100-prozentige Beteiligung an Green an die französische Infravia Capital Partners zu verkaufen – für 214 Millionen Franken. Der Deal soll Anfang 2018 abgeschlossen werden.

Green besteht aus zwei Teilen: Green.ch bietet Privat- und Unternehmenskunden Internet und Datensicherung an, während Green Datacenter Rechenzentren betreibt. Das Unternehmen wurde 1995 gegründet und verfügt heute über eine Filiale in Lonay VD und eine Niederlassung in China. Gemäss eigenen Angaben betreibt Green am Standort Lupfig eines der grössten Rechenzentren der Schweiz. 100000 Kunden und Unternehmen aus 80 Ländern lagern hier ihre sensiblen Daten.

Mit Infravia wisse man einen IT-Spezialisten im Rücken

Grüter sieht durch den Besitzwechsel die heutigen Standorte nicht gefährdet. Im Gegenteil, denn mit dem Verkauf würde die strategische Ausrichtung von Green gestärkt. «Die Altice-Kompetenzen lagen vordergründig im Bereich Kabelfernsehen.» Mit Infravia wisse man in Zukunft einen finanzkräftigen Spezialisten für IT-Infrastruktur, das Kerngeschäft von Green, im Rücken. «Infravia ist spezialisiert auf langfristige Investitionen in Rechenzenter-Infrastruktur. Hier ist Green in den letzten Jahren am stärksten gewachsen.» Rund zwei Drittel steuere das Geschäft heute zum Umsatz bei, erklärt Grüter weiter. Die 120 Arbeitsplätze seien durch die Übernahme ebenso wenig gefährdet wie das Management, welches in der heutigen Zusammensetzung bestehen bleiben werde. Die operative Leitung der Gruppe hatte Grüter bereits Anfang 2016 an Frank Boller übergeben. Und so scheint die Übernahme für Green, die einst aus der Informatikabteilung des Schweizer Bauernverbandes entstanden war, zwar gelegen, aber doch wenig überraschend zu kommen. Altice, ein Riese in der Telekombranche und seit 2008 Mehrheitsaktionärin von Green, war jüngst in arge finanzielle Schwierigkeiten geraten. Im dritten Quartal wies das Unternehmen um den französisch-israelischen Multimilliardär Patrick Drahi Nettoschulden von knapp 50 Milliarden Euro aus. Eine Folge der im grossen Stil getätigten Akquisitionen vergangener Jahre. Dass sich diese Einkaufstour einmal ausbezahlen wird, daran scheinen nun die Investoren ernsthaft zu zweifeln. Der Börsenkurs von Altice war bereits seit Anfang Jahr unter Druck, die Aktie verlor aber allein im November, unmittelbar nach Veröffentlichung der dritten Quartalszahlen, noch einmal mehr als die Hälfte an Wert. Nach dem massiven Kurssturz hatte Drahi, der auch Altice-Hauptaktionär ist, die Notbremse gezogen und das Management umgebaut. CEO Michel Combes verliess den Konzern, Drahi übernahm selbst die Präsidentschaft der Gruppe. Und so kann der Verkauf von Green als Teil eines Sanierungsplans betrachtet werden.

Verkauf als glückliche Fügung

Green-Verwaltungsratspräsident Franz Grüter dementiert indes den Zusammenhang zwischen den wirtschaftlichen Turbulenzen von Altice und dem Verkauf von Green. Eine derartige Übernahme sei von langer Hand zu planen und habe mit den jüngsten Entwicklungen nichts zu tun. «Einen solchen Verkauf kann man nicht in wenigen Wochen aufgleisen», so Grüter, der den Handwechsel zum heutigen Zeitpunkt denn auch eher als glückliche Fügung interpretiert.

«Die Übernahme bedeutet für die Mitarbeiter, die Kunden und das Unternehmen Kontinuität», sagt er. Zudem hätte Green bei einem allfälligen Verbleib bei Altice den Namen ändern müssen, da der französische Konzern eine Dachmarkenstrategie umsetzen wollte. Ganz ohne Änderungen wird die Übernahme aber nicht ablaufen. Zumindest im Verwaltungsrat wird es zu personellen Änderungen kommen. Der Altice-Sitz wird durch eine Infravia-Vertretung ersetzt. Ebenfalls lässt Grüter durchblicken, dass man sich seitens des Managements und des Verwaltungsrates erneut eine eigene Beteiligung an Green überlege. Grüter war bereits bis im Oktober 2016 Minderheitsaktionär.

Verwaltungsratspräsident Green


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