Hoffnung für Air-Berlin-Mitarbeiter

FLUGVERKEHR ⋅ Wie erwartet krallt sich Lufthansa einen Teil der insolventen Air Berlin. Viele Angestellte haben damit einen neuen Job in Aussicht. Doch die Vorfreude ist verhalten – noch steht das Urteil der Wettbewerbsbehörden aus.
13. Oktober 2017, 00:00

Christoph Reichmuth, Berlin

Aufatmen bei Tausenden Mitarbeitern von Air Berlin. Zwei Monate nach der Pleite der zweitgrössten deutschen Airline hat Lufthansa einen grossen Teil der insolventen Airline nun definitiv übernommen. 81 Flugzeuge und die damit verbundenen Start- und Landerechte gehen an das Kölner Unternehmen, die Flugzeuge sollen in den nächsten Monaten in die Lufthansa-Billigtochter Eurowings integriert werden.

Von der Lufthansa werden die nicht insolvente österreichische Tochter Niki, der Regionalflieger LGW und weitere Flugzeuge übernommen. Der Deal muss noch von den Wettbewerbsbehörden abgesegnet werden. «Wir sind zuversichtlich, dass mehrere tausend Air-Berlin-Mitarbeiter eine neue Heimat in der Luft­hansa-Group finden werden», sagte Air-Berlin-Chefsanierer Frank Kebekus nach der gestrigen Vertragsunterzeichnung.

Lufthansa-Chef verneint Marktdominanz

Verhandlungen mit dem Billigflieger Easyjet sind noch im Gange. Easyjet interessiert sich ebenfalls für Teile der insolventen Air Berlin und hat bereits ein Angebot eingereicht, die Verhandlungen sind indes zuletzt aber ins Stocken geraten. Easyjet soll sich für 20 bis 30 Flugzeuge von Air Berlin interessieren, hiess es. Nach wie vor unklar ist die Zukunft des Air-Berlin-Technik­betriebs. Über 900 Stellen sind weiterhin stark gefährdet.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigte sich in einem Interview mit dem «Handelsblatt» überzeugt, dass die Integration von Teilen der Air Berlin in die Lufthansa-Tochter Eurowings zu keinen kartellrechtlichen Problemen führen würde. Laut Spohr müssten die Wettbewerbshüter den Deal unter europäischen Wettbewerbsgesichtspunkten betrachten und nicht auf den deutschen Markt beschränken. Laut Spohr verfüge die Lufthansa als einer der weltweit grössten Player der Airline-Industrie über lediglich 3 Prozent Weltmarkt­anteil. «Wenn ein Marktführer nur auf 3 Prozent Marktanteil kommt, kann man nicht von Marktdominanz sprechen», so Spohr. Zudem stünden im inländischen Markt künftig Eurowings und Lufthansa ebenfalls in einem Wettbewerb zueinander.

Der Lufthansa-Chef kündigte zudem an, seine Airline wolle auch Lücken schliessen, die Air Berlin auf dem Langstreckennetz hinterlasse. Befürchtungen, wonach die Lufthansa durch die starke Inlandstellung die Preise erhöhen werde, wies Spohr zurück. Auf einzelnen Strecken wollte er Preisanpassungen allerdings nicht kategorisch ausschliessen. «In unserer Branche sind die Preise wie in keiner anderen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken», so Spohr gegenüber dem «Handelsblatt». «Teilweise sind sie so niedrig, dass Airlines nicht mehr überleben konnten. Das zeigen die vergangenen Wochen deutlich.» Die Flugpreise für Reisen von der Schweiz in deutsche Städte dürften sich laut Luftfahrt­experte Cord Schellenberg wegen der Quasi-Monopolstellung der Lufthansa kaum ändern. «Strecken von der und in die Schweiz sind für Airlines finanziell attraktiv, aber Easyjet ist auf dem Schweizer Markt nun ebenfalls präsenter. Der Wettbewerb spielt», sagt er. Easyjet fliegt nun auch ab Zürich nach Hamburg oder Berlin.

Flugnummer «AB» verschwindet

Air Berlin hatte im August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb ist seitdem nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert. Das Insolvenzverfahren soll Ende Oktober eröffnet werden. Ab 28. Oktober wird Air Berlin nicht mehr unter eigener Flugnummer (AB) fliegen, Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Bereits ab Sonntag, 15. Oktober, wird das Langstreckenangebot vollständig beendet. Zufrieden zeigte sich nach der gestrigen Vertragsunterzeichnung auch Air-Berlin-CEO Thomas Winkelmann. «Heute sind wir einen grossen Schritt vorangekommen. Durch diesen Vertrag ergeben sich neue Arbeitsplatzchancen für einen grossen Teil unserer Kollegen.» Aufatmen könne man indes erst, «wenn die EU-Kommission die Transaktion final bestätigt hat».


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