Hoteliers schöpfen Zuversicht

TOURISMUS ⋅ In der Sommersaison hatten die Schweizer Hotels deutlich mehr Gäste. Die Zahl der Übernachtungen stieg um 1,2 Millionen. Das gute Wetter und der schwächere Franken kamen den Hoteliers entgegen.
06. Dezember 2017, 00:00

Rainer Rickenbach

Das gute Wetter im Juni und im Oktober spielte der Tourismusbranche in die Hände. Die Schweizer Hoteliers konnten sich besonders in diesen beiden Monaten die Hände reiben: Im Juni stieg die Zahl der Hotelübernachtungen um 9,5 Prozent, im Oktober um 7,6 Prozent. «Da müssen wir gar nicht drumherum reden: Das unglaublich schöne Wetter bis in den November hinein hatte einen grossen Einfluss», wird Patric Schönberg vom Branchenverband Hotelleriesuisse von der Nachrichtenagentur SDA zitiert. Über die ganze Sommersaison von Mai bis Oktober betrachtet legte die Zahl der Logiernächte um stolze 5,9 Prozent zu.

«Nebst dem Wetter trug auch der schwächere Franken zum höheren Gästeaufkommen bei», sagte der Luzerner Tourismus­direktor Marcel Perren. Die Innerschweizer Bilanz lässt sich sehen: In der Stadt Luzern legten die Hotels in der Sommersaison bei den Übernach­tungen um 6,1 Prozent zu, in der Region (ganze Zentralschweiz ohne Zug) beziffert sich das Plus auf 3,7 Prozent. In der Stadt kamen nicht nur mehr Gäste, sie zahlten auch mehr für die Zimmer. Denn gemäss den Branchenzahlen stiegen die Zimmerpreise seit Jahresbeginn um mehr als 4 Prozent.

Rückgang der europäischen Gäste ist gestoppt

Die gute Verfassung der europäischen Wirtschaft und die damit einhergehende Stärkung des Euro stoppten den Aderlass bei den europäischen Gästen (siehe Tabelle). «Wir sind im Alpenraum wieder wettbewerbsfähiger geworden», stellt Schönberg von Hotelleriesuisse fest. Die Gäste aus Deutschland, in der Schweiz nach wie vor die grösste Gästegruppe, legten in der Sommersaison sogar um 1,7 Prozent leicht zu. Knapp eine Million Deutsche liess sich in den Empfangshallen registrieren, sie blieben im Durchschnitt zwei Nächte. Marcel Perren ist überzeugt, die Talsohle auf dem europäischen Markt sei durchschritten.

«Die Prognosen zeigen mittelfristig ein leichtes Wachstum. Der Franken wird schwächer, und in Österreich sowie Deutschland sind im Gegensatz zur Schweiz die Hotelpreise gestiegen», so Perren. Dass die Europäer bald wieder wie früher in grossen Scharen ihre Ferien hier verbringen, glaubt er indes nicht. «Die Schweiz bleibt auch mit dem schwächeren Franken teuer.» Die Zahl der Schweizer Gäste stieg im Sommer um 4 Prozent. Für die Musik im Schweizer Hotelgeschäft aber sorgen die Amerikaner und die Asiaten. Das gilt besonders für die Region Vierwaldstättersee. «Bei den Gästen aus den Vereinigten Staaten profitieren wir vom Trend zu den Flussschifffahrten. Viele Amerikaner hängen nach ihrer Rhein-Fahrt einen Aufenthalt in Luzern an», sagt Perren. Bei den asiatischen Gästen setzte die erwartete Erholung nach der leichten Flaute ein, die Terrorängste, neue Visa- Regeln und wirtschaftliche Un­sicherheiten 2016 mit sich gebracht hatten. Im Nahen Osten dämpften die politischen Wirren um Katar die Reisefreude.

Nach dem frühen Schneefall deutet alles darauf hin, dass sich die gute Sommersaison nahtlos fortsetzt. Perren: «Von den Hoteliers in den Wintersportorten höre ich, der Buchungsstand liege deutlich über dem Vorjahr.»


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