«Klassische Werbung hat Zukunft»

WERBER ⋅ Daniel Felder ist Präsident des Werbeclubs Zentralschweiz. Dieser feiert sein 50-jähriges Bestehen. Im Interview spricht Felder über den Zustand der Branche und erklärt, welche Tücken Onlinemedien mit sich bringen.
13. Mai 2017, 00:00

Interview: Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Daniel Felder, der Werbe­club Zentralschweiz wird 50 Jahre alt. Was macht der Club überhaupt?

Ziel des Werbeclubs Zentralschweiz ist es, den Wissenstransfer und die Freundschaft unter den Mitgliedern zu pflegen und zu fördern. Wir besprechen an regelmässigen Anlässen untereinander Trends und Neuigkeiten in der Werbebranche, tauschen uns aber auch bei Problemen aus.

Ist das heute noch zeitgemäss? News aus der Werbebranche verbreiten sich via Internet und E-Mail rasant schnell.

Das ist bestimmt so, bis zu einem bestimmten Grad. Während wir früher im Club Trends besprachen und erläuterten, sind diese unseren Mitgliedern heute oft schon früh sehr gut bekannt. Trotzdem macht der persönliche Austausch Sinn. Im Werbeclub organisieren wir unter anderem viermal jährlich «Talking Heads», einen moderierten Talk mit herausragenden Köpfen der Branche. Die Vermittlung des Praxisbezugs ist enorm wichtig. Zu unseren Anlässen kommen jeweils zwischen 60 und 100 Personen. Das zeigt, dass unser Werbeclub weiterhin beliebt ist.

Besteht zwischen den einzelnen Werbern im Club nicht ein grosser Konkurrenzdruck? Ich stelle mir da einen offenen Austausch schwierig vor.

Die Zentralschweiz ist klein und die Branche überschaubar. Natürlich sind wir zum Teil Mitbewerber, wir können aber gut miteinander reden. Im Übrigen haben viele in unserem Club immer mal wieder bei Aufträgen und Projekten zusammen zu tun. Die Werbebranche umfasst verschiedene Berufsgattungen. Das widerspiegelt sich auch bei unseren Mitgliedern. Im Werbeclub Zentralschweiz sind Vertreter von Werbeagenturen, aber auch Marketingleute, PR-Spezialisten, Grafiker, Verlagsangestellte, Kommunikationsfachleute und Druckereimitarbeitende. Es treffen jene, die Werbeaufträge vergeben, auf Leute, die Werbung konzipieren.

Fünf Jahrzehnte Werbeclub, wie hat sich die Branche in den letzten Jahren verändert?

Man kann sagen, dass während der ersten 30 Jahre wenig wirklich Bahnbrechendes in der Branche passiert ist. Der Werbekuchen wurde stetig grösser. Traditionelle Werbeformen wie Zeitungsinserate und Plakate dominierten, dazu kamen Radio und TV. Vor 20 Jahren kam dann mit dem verstärkten Einzug von Internet und Digitalisierung der grosse Umbruch. Seit rund 10 Jahren scheint nun kein Stein mehr auf dem anderen zu bleiben.

Immer mehr wird online ge- worben: auf Youtube, Facebook oder Google. Haben das klassische Inserat und das Plakat ausgedient?

Nein, ich bin überzeugt, dass auch in Zukunft mit Zeitungs­inseraten und Plakaten geworben wird. Derzeit strömen Werbemillionen vielerorts blind in Social-Media-Werbung. Viele Unternehmen fallen auf die neuen Medien herein. Ich zweifle am effektiven Nutzen und glaube, dass sich die Anteile des Werbefrankens wieder Richtung klassische Werbung verschieben werden.

Weshalb zweifeln Sie am Nutzen von Werbung in den neuen Medien?

Nehmen wir mal die Werbe­anzeigen bei der Google-Suche oder in Social Media wie Facebook. Diese sind sehr aufdringlich und kommen wenig kreativ daher. Wenn ich im Internet etwas suche und sofort Werbung erhalte, dann stört mich das. Effizient ist die Werbung so sicher nicht. Ein Beispiel dazu: Ich suchte auf Google ein Elektrogerät, später kaufte ich es bei einem Detailhändler in Luzern. Die nächsten drei Wochen erhielt ich auf diversen Plattformen immer wieder Werbung zu meiner damaligen Suche. Dies ist doch nicht effizient!

Trotzdem sehen viele Ex­perten die Zukunft bei der elektronischen Werbung, schliesslich schauen wir immer länger aufs Smartphone oder aufs Tablet.

Natürlich bietet die Onlinewelt faszinierende Möglichkeiten für unsere Branche. Unsere Werbeagentur setzt ebenfalls auf diesen Werbekanal. Es ist jedoch nicht so einfach, wie alle denken. Und es ist längst nicht so einträglich, wie es sich viele erhoffen. Es wird im Internet viel «geliked» und kommentiert. Das heisst aber noch lange nicht, dass man auch kauft. Personalisierte Werbung kann zudem beleidigend wirken, zum Beispiel wenn man als über 50-Jähriger Werbung für Senioren erhält.

Dann glauben Sie, dass es auch in 20 Jahren noch klassische Werbung geben wird?

Ja, davon bin ich überzeugt. Es braucht das Gesamtpaket. Schauen Sie mal die vielen Online­händler wie Galaxus, Siroop oder Brack.ch an. Die werben ebenfalls alle mit Zeitungsinseraten, Beilagen, Plakaten und im TV. Im Zeitalter von permanenter Berieselung durch elektronische Werbung ist es durchaus wohltuend, durch eine Zeitung oder ein Magazin zu blättern und klassische Werbung wahrzunehmen.

Hinweis

Daniel Felder (57) ist seit vier Jahren Präsident des Werbeclubs Zentralschweiz. Er führt zusammen mit seinem Geschäftspartner Mark Vogel die Werbe- und Kommunikationsagentur Feldervogel in der Stadt Luzern. Diese beschäftigt rund 20 Mitarbeitende. Der Werbeclub Zentralschweiz feierte gestern im «Schweizerhof» in Luzern das 50-jährige Bestehen.


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