Lehren aus dem Rastatt-Desaster

BAHN ⋅ Die DB Netz AG will bis Mitte nächsten Jahres klären, wer für allfällige Schadenersatzforderungen wegen des Streckenunterbruchs bei Rastatt aufkommt. Forderungen kommen auch aus der Schweiz.
07. Dezember 2017, 00:00

Gerhard Lob, Düsseldorf

Die siebenwöchige Sperrung der Rheintalstrecke bei Rastatt hat in diesem Sommer zu einer veritablen und europaweiten Krise im Schienengüterverkehr geführt. Bei einer Tunnelbaustelle hatten sich die Gleise abgesenkt und verformt, sodass die Strecke nicht mehr befahrbar war. Viele Firmen und Unternehmungen konnten ihre Waren nicht oder nur mit grosser Verspätung an die Kunden liefern. Die Folge waren auch Schadenersatzforderungen an die Deutsche Bahn, die für den Streckenunterbruch verantwortlich gemacht wird.

Im Rahmen einer vom Schweizer Intermodal-Operateur Hupac organisierten Tagung in Düsseldorf äusserte sich gestern erstmals Frank Sennhenn, CEO der DB Netz AG, öffentlich zu dem gigantischen Störfall. Er versicherte, der deutsche Netzbetreiber werde die Lehren aus dem Desaster ziehen. Er kündigte zudem rasche Verbesserungsmassnahmen im Falle von Störungen internationalen Ausmasses an.

Bis zu 100 Millionen Franken Schaden

In Bezug auf die Schadenersatzforderungen erklärte Sennhenn, dass man sich mit den Unternehmen, die die Bauausführung in Raststatt gemacht hätten, in einem Schlichtungsverfahren befinde. «Da wird geklärt, wer und ob überhaupt jemand Schuld an diesem Unfall trägt oder ob es höhere Gewalt war», so Sennhenn. In Abhängigkeit vom Ausgang dieses Verfahrens werde dann die Frage beantwortet, «wie wir mit dem Schadenersatz gegenüber den Eisenbahnverkehrsunternehmen und den dahinterliegenden Kunden umgehen. «Wenn ein Verschulden festgestellt wird, das der DB Netz AG zuzurechnen ist, werden wir für den Schaden aufkommen.»

Sennhenn rief dazu auf, keine Klagen gegen die DB einzureichen und den Ausgang des Schiedsverfahrens abzuwarten. Bis Mitte 2018 sollte dieses abgeschlossen sein.

Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) hatte nach dem Störfall von Schäden in Höhe von 100 Millionen Franken gesprochen. Der CEO der Hupac AG, Bernhard Kunz, nannte gestern einen entstandenen Schaden von rund 10 bis 15 Millionen Franken für sein Unternehmen. «Und das tut weh», betonte Kunz. Die DB Netz AG sei allerdings nicht Vertragspartner von Hupac, sondern Eisenbahnverkehrsunternehmen wie SBB Cargo International, welche die Hupac-Züge ziehen.

Einigkeit herrscht am gestrigen Meeting, dass es eine europäische Strategie braucht, um den Schienengüterverkehr zu ­fördern. Notfallpläne mit Um­leitungsstrecken, verbessertes internationales Verkehrsmanagement und eine klare definierte Verantwortung des Infrastrukturbetriebs seien nötig.

CEO DB Netz AG


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