Milliardengewinne trotz Börsenflaute

USA ⋅ Entgegen der Börsensituation geht es den US-Banken blendend. Steigende Zinsen bescheren ihnen einen Höhenflug.
15. Juli 2017, 00:00

Obwohl es an den Börsen zuletzt nicht mehr so brummte, klin­gelten bei den US-Finanzriesen JPMorgan Chase, Citigroup und Wells Fargo im zweiten Quartal die Kassen. Ein starkes Kredit­geschäft und steigende Zinsen geben den breit aufgestellten Bankhäusern Rückenwind.

Die drei US-Grossbanken JPMorgan Chase, Citigroup und Wells Fargo haben im zweiten Quartal besser verdient als erwartet. Der lukrative Handel mit Wertpapieren, Rohstoffen und Devisen warf zwar weniger ab, doch dafür sprudelten die Einnahmen im Privat- und Firmenkundengeschäft. Das geht aus den gestern veröffentlichten Finanzberichten hervor.

Einmal mehr stach JPMorgan heraus: Das grösste US-Geldhaus steigerte den Gewinn im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 7 Milliarden Dollar. «Den US-Konsumenten geht es gut», sagte Bankchef Jamie Dimon. Das zeige sich im Privatkundengeschäft. Kre­dite und Spareinlagen wüchsen, zudem wickle die Bank mehr Transaktionen für Detailhändler ab, und Kunden nutzten ihre Kreditkarten häufiger.

Ins gleiche Horn stiess der Citigroup-Chef Michael Corbat: «Der Schwung hat angehalten, die Kredite und Erträge wachsen.» Wegen höherer Kosten und Steuern musste Corbat dennoch einen Gewinnrückgang von 3 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar vermelden. Wells Fargo konnte den Gewinn hingegen um 5 Prozent auf 5,8 Milliarden US-Dollar steigern.

Zurückhaltung beim Handel

Die US-Notenbank Fed hatte die Zinsen Mitte Juni erneut erhöht und signalisiert weitere Anhebungen. Derzeit liegt der Leitzins in den USA bei 1,0 bis 1,25 Prozent, im Vorjahreszeitraum betrug die Spanne noch 0,25 bis 0,5 Prozent. Das schlägt sich in höheren Zinseinnahmen der Banken nieder. Ein Wermutstropfen für JPMorgan und Citigroup war der schwächelnde Handel, da sich die Kunden angesichts relativ stabiler Börsen zurückhielten. Im Vorjahreszeitraum hatten die Turbulenzen rund um das Brexit-Votum noch für rege Handelsaktivitäten gesorgt. Allerdings war das Minus in der Sparte nicht so stark wie zuvor von Analysten befürchtet. Bei JPMorgan gingen die Einnahmen im Handel um 14 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar zurück, hauptsächlich wegen des Rückgangs im Anleihenhandel.

Für Wells Fargo ist als grösster Hypothekenfinanzierer der USA der Handel dagegen nicht von grosser Bedeutung. Vielmehr stieg der Zinsüberschuss, die wichtigste Einnahmequelle, im Quartal um 6,4 Prozent. Zugleich musste die Bank aus San Francisco weniger Geld für faule Kredite zurückstellen.

Schwachpunkt war einmal mehr das Geschäft mit Immobilienkrediten: Wegen der steigenden Zinsen nahmen weniger Kunden eine Hypothek auf oder refinanzierten diese. (sda)


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