Neuer Kursschub für Sika-Aktie

BÖRSE ⋅ Die Inhaberaktie der Bauchemiefirma steigt unablässig. Auch Analysten sind vom Tempo überrascht.
14. September 2017, 00:00

Die Sika-Aktie ist an der Börse nicht zu stoppen: Am Montag durchbrach sie erstmals die Grenze von 7000 Franken, seither geht’s flott weiter. Gestern schloss der Titel bei 7100 Franken.

Erst am 5. Mai hatte das Analystenhaus Bernstein seine Einschätzungen zu Sika nach oben revidiert. Die gute Geschäftsentwicklung und die Aufnahme des Baarer Unternehmens in den Schweizer Aktienindex SMI würden der Aktie neuen Schub geben, hiess es. 7100 Franken lautete das neue Kursziel von Bernstein für Sika in den nächsten 12 Monaten. Der Titel stand damals bei 6440 Franken, nachdem sich die Aktie seit Anfang Jahr um fast ein Drittel verteuert hatte.

Der Bernstein-Analyst musste gestern am Telefon eingestehen, dass ihn die Kursentwicklung überrascht. Neue Zahlen hat Sika seit dem Halbjahresergebnis von Ende Juli keine bekanntgegeben. Das Unternehmen tätigte seither zwei kleine Übernahmen in Tschechien und der Türkei. Weiter wurde in El Salvador die 99. Ländergesellschaft gegründet. Gute Nachrichten, aber nicht von Relevanz, um einen schnellen Kursanstieg zu rechtfertigen.

Auch hiesige Analysten können nur spekulieren, weshalb der Titel derart schnell steigt. Martin Hüsler von der Zürcher Kantonalbank sieht als Treiber eine Kombination aus mehreren Faktoren. «Die Baukonjunktur läuft weiterhin gut – vor allem in den USA, wo wohl bereits neue Aufträge aufgrund des Wiederaufbaus nach den Hurrikans in Texas und Florida erwartet werden», sagt Martin Hüsler. Er verweist auch auf den Innovationstag von nächster Woche: Sika stellt dann Analysten und Investoren im Forschungszentrum in Zürich Neuentwicklungen vor. Erwartet werden dabei auch Innovationen aus den Zukunftsfeldern «3D-Druck» und «Digitalisierung».

Gefahr eines Rückschlags wächst

Bei der Zürcher Kantonalbank schliesst man nicht aus, dass der Verlauf im Übernahmestreit zwischen der Erbenfamilie Burkard und dem Sika-Verwaltungsrat ebenfalls zu Kursfantasien führt. «Bei einem Aktienpreis von 7000 Franken ist der Titel bereits mehr wert, als die Familie für ihre Aktien von Saint-Gobain erhalten würde», sagt Hüsler. «Rein ökonomisch wäre es für die Familie heute wohl interessanter, die ursprüngliche Transaktion abzublasen und sich mit der Sika-Führung zu finden.» Anzeichen auf eine friedliche Einigung gibt’s derzeit aber nicht. Nach wie vor wartet man im Jahrhundertstreit noch auf das Urteil des Zuger Obergerichts.

Mit dem hohen Aktienkurs steigen die Erwartungen an Sika klar. Eine Enttäuschung kann auf diesem Niveau schnell zu einem Rückschlag führen. (eme)


Leserkommentare

Anzeige: