Neuland für Kaffeemulti mit viel Potenzial

16. September 2017, 00:00

Einschätzung Nestlé ist nicht nur der weltweit grösste Nahrungsmittelkonzern, das Unternehmen aus Vevey gehört mit Produkten wie Nescafé und Nespresso auch zu den wichtigsten Kaffeehändlern. Trotzdem überrascht der Kauf von 68 Prozent an der kleinen und ausserhalb der USA unbekannten Kaffeehauskette Blue Bottle Coffee.

«Damit betritt Nestlé Neuland», sagt Stephan Vollert, Analyst der Neuen Helvetischen Bank. Der Kauf mache aber Sinn, glaubt er, denn Nestlé sei daran, sich neu auszurichten und «rückt so näher zum Kunden». Ende Juni gab Konzernchef Mark Schneider einen Strategiewechsel bekannt. Er will dem Unternehmen, das zwar seit Jahren gut läuft, aber in letzter Zeit in Sachen Wachstum und Rendite die Anleger enttäuschte, neuen Schub geben.

Laut Mark Schneider wird Nestlé seine Investitionen künftig auf die Wachstumsfelder Kaffee, Wasser, Babynahrung, Haustierfutter und Gesundheitsprodukte konzentrieren. Klassische Geschäftsfelder wie Schokolade, Glace, tiefgekühlte Lebensmittel und Frühstücksflocken gehören nicht mehr dazu. Was mit Smarties, Cailler, Frisco & Co. passieren wird, ist noch nicht bekannt. In dieser Hinsicht hat Nestlé bis heute keine konkreten Verkaufsabsichten bekanntgegeben. Bei den Zukäufen gehts schneller. Vergangene Woche erwarb Nestlé die US-Firma Sweet Earth, die vegetarische Gerichte herstellt. Der Markt mit Mahlzeiten auf Basis von pflanzlichen Proteinen wächst zweistellig.

Nun setzt Nestlé beim Kaffeegeschäft zum Sprung an. «Fast 500 Millionen Dollar für eine kleine Kaffeehauskette mit knapp 50 Filialen ist ein stolzer Preis», sagt Vollert. Er ist aber überzeugt, dass Blue Bottle Coffee viel Potenzial biete. «Kaffeehäuser boomen, und das Filialnetz kann stark erweitert werden. Die Filialen eröffnen Nestlé neue Absatzmöglichkeiten – auch für Produkte wie Nespresso», sagt er. (eme)


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