Novartis will am Hauptsitz in Basel 500 Stellen abbauen

PHARMA ⋅ Um konkurrenzfähig zu bleiben, streicht der Pharmariese Jobs am Hauptsitz. Der Sitz in Rotkreuz ist davon nicht betroffen. Gewerkschaften fordern, Novartis solle auf Entlassungen verzichten.
19. Mai 2017, 00:00

Der Pharmakonzern Novartis will in den nächsten anderthalb Jahren am Hauptsitz in Basel bis zu 500 Stellen streichen. Die Niederlassung in Rotkreuz ist vom Stellenabbau nicht betroffen, wie ein Sprecher sagte.

Die Umbaupläne am Hauptsitz machte der Pharmagigant gestern Nachmittag publik. Wie der für die Schweiz zuständige Novartis-Manager Matthias Leuenberger an einer Telefonkonferenz sagte, falle ein Teil der 500 Stellen ganz weg, andere würden aber verlagert, beispielsweise nach Indien. Betroffen vom Abbau sind Arbeitsplätze in der traditionellen Produktion sowie in der Koordination und in der Entwicklung. Zu den Details wollte Leuenberger noch keine Angaben machen. Erst müsse das Ergebnis des Konsultationsverfahrens mit der Belegschaft abgewartet werden, das nun gestartet wird.

Nach Angaben Leuenbergers ist unter anderem geplant, zwei alte Produktionsstätten zu schliessen. Die eine befindet sich auf dem Campus in Basel, die ­andere in Schweizerhalle.

Novartis sicherte den vom Abbau betroffenen Mitarbeitenden eine respektvolle und faire Behandlung zu. Leuenberger geht davon aus, dass viele über die interne Jobbörse einen neuen Arbeitsplatz finden, im Konzern selbst oder ausserhalb. Vorgesehen sind zudem Frühpensionierungen und ein Sozialplan.

350 neue Hightech-Jobs

Gleichzeitig mit dem Abbau will Novartis am Konzernsitz in den nächsten 18 Monaten auch 350 neue Jobs schaffen. Es handelt sich dabei laut Leuenberger um Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung. Die geplanten Hightech-Stellen befinden sich vorwiegend in der Medikamentenentwicklung sowie in der Herstellung innovativer Biolo­gika, schreibt Novartis in einem Communiqué. Vorgesehen ist, eine bestehende Anlage für solche Medikamente auszubauen.

Hintergrund der Umbaupläne ist die 2016 gestartete weltweite Umstellung des Konzerns auf ein integriertes Betriebsmodell. Mit diesem will Novartis die Innovation stärken sowie Qualität und Effizienz steigern. Für ­Novartis seien die personellen Anpassungen nötig, um auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben, sagte Leuenberger. Der Aufbau von 350 Stellen unterstreiche zugleich das langfristige Engagement des Konzerns für den Standort Schweiz.

Kritik an Entlassungen

Landesweit beschäftigt Novartis derzeit 13000 Mitarbeitende, davon rund 10000 im Raum ­Basel. Weltweit sind es 118000.

Die Gewerkschaft Unia verlangt, dass Novartis auf die Entlassungen verzichtet. «Die neu zu schaffenden 350 Hightech-Stellen müssen mit den bisherigen Beschäftigten besetzt werden», schreibt Unia in einem Communiqué. Betroffenen solle Novartis Weiterbildungen, Trainings und eine neue Stelle anbieten.

Der Verband Angestellte Schweiz kritisiert, dass bei Novartis seit vier Jahren stetig umgebaut beziehungsweise restrukturiert werde. Er fordert in einer Mitteilung, Novartis solle die von der Restrukturierung Betroffenen umschulen und ihnen eine neue Stelle anbieten, um Entlassungen zu vermeiden. (sda/red)


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