Öl dürfte billiger werden

ROHSTOFFE ⋅ Obwohl wichtige Ölländer ihre Förderung weiterhin drosseln, rechnet UBS-Experte Giovanni Staunovo mit einem Preisrückgang. Der Grund ist in den USA zu suchen.
02. Dezember 2017, 00:00

Interview: Thomas Griesser Kym

Die Verlängerung der Förderbremse durch die Mitgliedsländer des Ölkartells Opec, Russland und weitere Staaten bis Ende 2018 hat keine hohen Wellen geworfen. Die Verlängerung war so erwartet worden. Andernfalls wäre die Förderbremse per Ende März 2018 ausgelaufen. Mit der Förderbremse wollen die Staaten den Ölpreis stützen.

Giovanni Staunovo, dieses Jahr ist der Ölpreis von 56 auf 63 Dollar pro Fass gestiegen. Ist dies die Folge der Förderbremse der Opec, Russlands und weiterer Ölstaaten?

Das ist der Hauptgrund für den Preisanstieg, auch weil sich die beteiligten Länder in der Summe so diszipliniert wie noch nie an die Förderkürzung halten. Dazu kommt, dass wegen der gut laufenden Weltwirtschaft die Erdölnachfrage stark gewachsen ist und die Rohöllager gesunken sind. Ausserdem hat in den USA die Schieferölproduktion nur sehr moderat zugenommen.

Wie erklärt sich diese plötzliche Förderdisziplin?

Entscheidend ist, dass diese Vereinbarung nicht wie sonst üblich von den Ölministern unterzeichnet worden ist, sondern von den Staatschefs wie dem russischen Präsidenten Putin oder dem sau­dischen König Salman, also von höchster Stelle. Das macht es für Ölfirmen ungleich schwieriger, die Vereinbarung zu verletzen. Zudem wird die Ölförderung monatlich von einem Komitee überprüft, das Empfehlungen abgibt.

Die Förderdisziplin einzelner Länder wie Irak ist dennoch lax, dafür hält sich Saudi- Arabien mehr zurück als gefordert. Warum?

Saudi-Arabien will als grösster Opec-Produzent eine Vorbildrolle einnehmen. Sicher profitiert es auch von höheren Staatseinnahmen, doch andere Opec-Länder stehen finanziell schlechter da. Zudem bereitet Saudi-Arabien den Börsengang der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco vor, und dabei ist ein relativ hoher Ölpreis hilfreich, weil er die Bewertung der Gesellschaft erhöht.

Nun ist die Förderbremse verlängert worden. Ihr Urteil?

Die beteiligten Länder wollen den Ölpreis stützen. Zwecks Erreichen dieses Ziels sollen als Folge der Förderkürzungen die Rohöllager in den Industriestaaten der OECD in Richtung ihres Fünfjahresschnitts abgebaut werden. Das ist noch nicht erreicht.

Die Verlängerung der Förderbremse stürzt die Opec aber in ein Dilemma. Inwiefern?

Das Risiko ist, dass wegen des Lagerabbaus und der Förderkürzungen der Preis plötzlich überschiesst. Das würde vor allem den US-Schieferölproduzenten ein Signal senden, mehr zu fördern, aufgrund ihrer sehr kurzen Investitionszyklen. Ein zu starker Anstieg der US-Produktion könnte dann wiederum in einen Preiszerfall münden.

Womit rechnen Sie?

Die Opec und Russland sind sich dieser Risiken bewusst. Deshalb soll die Förderpolitik schon kommenden Juni neu beurteilt werden, und man wird dann entscheiden, ob eine Anpassung nötig ist oder nicht. Beim Ölpreis erwarten wir generell einen leichten Rückgang, konkret von 63 auf 57 Dollar pro Fass über die nächsten sechs bis zwölf Monate.

Warum ein Preisrückgang?

Die Ölnachfrage dürfte 2018, getrieben von Schwellenländern, zwar so­lide ansteigen, aber etwas geringer als dieses Jahr. Wir erwarten aber einen deutlich stärkeren Anstieg des Angebots, vor allem aus den USA, was zum Preisrückgang führen sollte.

Vom Preis des Rohöls her droht also den Konsumenten fossiler Brenn- und Treib­stoffe kein Schock. Und sonst?

Die Preise dürften über die kommenden Monate eher ihr aktuelles Niveau behalten. Interessant ist der Wechselkurs, da Rohöl in US-Dollar gehandelt wird. Falls der Franken weiter abschwächt, vor allem zum Dollar, wird Öl in Franken gerechnet teurer.

Zur Person

Giovanni Stau­novo ist Commodity-Analyst bei der Grossbank UBS.


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