Rätselraten um Fed-Chefposten

USA ⋅ Das Personalkarussell dreht sich: Bald wird Präsident Donald Trump bekanntgeben, wer künftig an der Spitze der amerikanischen Notenbank steht. Im Rennen ist auch ein Kritiker der Institution.
13. Oktober 2017, 00:00

Renzo Ruf, Washington

Alle Augen sind auf Wolfgang Schäuble gerichtet, den langjährigen deutschen Finanzminister. Mit den Worten «Acht Jahre sind eine gute Zeit» wird sich der 75-Jährige am Wochenende an der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington verabschieden.

Im Trubel um den Deutschen wird wohl etwas untergehen, dass auch Janet Yellen (71) dem halbjährlichen Gedankenaustausch der einflussreichsten Finanz- und Geldpolitiker zum letzten Mal beiwohnen könnte. Das Mandat der Vorsitzenden der amerikanischen Notenbank Federal Re­serve läuft am 3. Februar 2018 aus – und bisher hat der republikanische US-Präsident Donald Trump nicht signalisiert, dass er die seit 2014 amtierende Währungshüterin, die den Demokraten nahesteht, für eine weitere Amtszeit nominieren will.

Präsident schätzt derzeitige Politik

Stattdessen gilt nun plötzlich unter Ökonomen der 47-jährige Jurist Kevin Warsh als Favorit für den wichtigsten geldpolitischen Posten in den USA. Gemäss einer Umfrage des «Wall Street Journal» steht er an der Spitze einer recht langen Liste von möglichen Anwärtern. Yellen folgt auf dem zweiten Rang, gefolgt von Jerome Powell (64), seit 2012 Mitglied des Fed-Direktoriums.

Ebenfalls in der Spitzengruppe hält sich Gary Cohn (57), der engste Wirtschaftsberater von Präsident Trump. Immer wieder genannt werden zudem der Wirtschaftswissenschafter John Taylor (70) und John Allison (69), ehemaliger Konzernchef der Grossbank BB&T und ein bekannter Staatskritiker. Trump hat kürzlich durchblicken lassen, dass er recht bald schon bekanntgeben werde, wer das Fed im kommenden Jahr führen werde. Zwischen den Zeilen deutete er zudem an, dass er der Politik, die Yellen in ihrer Amtszeit verfolgt hat, grundsätzlich positiv gegenübersteht – tiefe Zinsen seien gut fürs Geschäft, sagte er sinngemäss, eine Lektion, die er wohl in seiner Laufbahn als New Yorker Baulöwe gelernt hatte.

Ehefrau könnte der Trumpf sein

Umso überraschender ist es, dass Kevin Warsh derart gute Karten besitzt. Denn der ehemalige Morgan-Stanley-Banker, der derzeit für die Denkfabrik Hoover Institution der Stanford University arbeitet, ist das pure Gegenteil von Yellen. Immer wieder hat er sich als Kritiker einer interventionistischen Geldpolitik profiliert und der Notenbank vorgeworfen, sie versuche die US-Wirtschaft zu lenken. Andererseits ist er mit der Institution vertraut, die er kritisiert. Von 2006 bis 2011 war Warsh Mitglied der Fed-Geschäftsleitung. Im Gegensatz zu Yellen und ihren Vorgängern Ben Bernanke, Alan Greenspan und Paul Volcker besässe Warsh allerdings keine Ausbildung als Wirtschaftswissenschafter.

Warsh besitzt im Poker allerdings einen Trumpf: Er ist seit 2002 mit Jane Lauder verheiratet, der Enkelin der legendären Kosmetikunternehmerin Estée Lauder. Ihr Vater, Ronald Lauder, gilt als enger Freund des Präsidenten – ein unschätzbarer Vorteil in den Augen des Trump-­Biografen Tim O’Brien. «Jedes Mal, wenn jemand eine Beziehung mit jemandem hat, der mächtig oder bekannt ist, spielt das für Trump eine unglaublich wichtige Rolle.»


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