Streit um das Gold der Griechen

VANCOUVER/ATHEN ⋅ Ein kanadischer Konzern stoppt ein Milliardenprojekt in Griechenland und kritisiert die Regierung. Griechenland droht der Verlust von sicher geglaubten Investitionen und wichtigen Arbeitsplätzen.
12. September 2017, 00:00

Gerd Höhler, Athen

Eines der grössten ausländischen Investitionsvorhaben in Griechenland steht vor dem Aus: Der kanadische Bergbaukonzern Eldorado Gold teilte gestern mit, dass er mit Wirkung vom 22. September alle Projekte in Griechenland wegen bürokratischer Hürden und politischer Widerstände stoppt. Die Entscheidung ist ein Alarmsignal für ausländische Investoren.

Für 2 Milliarden Euro hatte Eldorado 2012 die griechische Minengesellschaft Kassandra übernommen. Eine weitere Milliarde investierten die Kanadier über ihre griechische Tochtergesellschaft Hellas Gold in neue Stollen und Aufbereitungsan­lagen auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki und in Thrazien. Griechenland sollte damit zum grössten Goldproduzenten Europas aufsteigen, so der Plan der Kanadier.

Umweltschäden befürchtet

Aber das Vorhaben war von Anfang an umstritten. Die örtliche Bevölkerung ist gespalten. Hellas Gold ist der grösste Arbeitgeber der Region. Die 2400 Beschäftigen und ihre Familien kämpfen für die Minen. Kritiker des Projekts fürchten aber Schäden für die Umwelt und den Tourismus.

Premierminister Alexis Tsipras bekämpfte das Projekt schon als Oppositionsführer. Seit er Anfang 2015 die Regierung übernahm, hat sich der Konflikt verschärft. Im Sommer 2015 widerrief die Regierung alle bis dahin erteilten Bau- und Betriebsgenehmigungen. Hellas Gold zog vor Gericht. In nicht weniger als 18 Entscheidungen bestätigte das oberste griechische Verwaltungsgericht, der Investor habe alle Vorschriften eingehalten, einschliesslich der Umweltauflagen. Dennoch hält Energie- und Umweltminister Giorgos Stathakis nach Darstellung des Unternehmens die Betriebsgenehmigungen weiter zurück.

Jetzt ist die Geduld der Kanadier offenbar zu Ende: Eldorado Gold werde wegen der ständigen Verzögerungen der Genehmigungsverfahren alle weiteren ­Investitionen in Griechenland aussetzen, teilte Konzernchef George Burns gestern in Athen mit. Die bereits fertiggestellten und im Bau befindlichen Anlagen sollen eingemottet, die Beschäftigten entlassen werden. «Wir haben gegenüber unseren Aktionären eine Verantwortung, unser Kapital nicht nur in renditestarke Projekte zu investieren, sondern auch in Ländern, deren Regierungen unsere Investitionen unterstützen und mit uns zusammenarbeiten», sagte Burns zur Begründung.

Regierung weist Vorwürfe zurück

Minister Stathakis wies die Kritik umgehend zurück. Die meisten Genehmigungen der Regierung lägen bereits vor, weitere hätten Mitte September erteilt werden sollen, sagte er. ­Giorgos Stathakis bezeichnete es als «unerhört», dass George Burns es wage, in einer Pressekonferenz die Regierung zu kritisieren.

Erst in der vergangenen Woche hatte Premierminister Alexis Tsipras anlässlich des Besuchs des französischen Präsidenten Emmanuel Macron um ausländische Investitionen geworben. «Sie werden es nicht bereuen», versprach Tsipras französischen Unternehmern. Das Beispiel Eldorado Gold zeigt allerdings, mit welchen Widrigkeiten Investoren in Griechenland konfrontiert sind. Ein weiteres Grossprojekt steht auf der Kippe: Rund 8Milliarden Euro will ein internationales Firmenkonsortium aufwenden, um das seit 15 Jahren brachliegende frühere Athener Flughafengelände Ellinikon zu entwickeln.

Alexis Tsipras hatte das Vorhaben schon als Oppositions­führer bekämpft. Seit er die Re­gierung übernahm, stossen die ­Investoren ständig auf neue Widerstände. Erst erklärte das Kulturministerium das Flughafengelände zur archäologischen Grabungszone, dann deklarierte eine Behörde grosse Teile des Areals zu «Waldgebieten», die nicht bebaut werden dürfen.


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