Thiam drückt weiter auf Kostenbremse

CREDIT SUISSE ⋅ Die Grossbank hält am Sparkurs fest. Hierzulande sollen die Kosten nächstes Jahr um weitere 5 bis 6 Prozent gesenkt werden. Lohnkürzungen und ein weiterer Stellenabbau wären naheliegend. Die Bank dementiert.
01. Dezember 2017, 00:00

Die Credit Suisse will nach ihrer Kostensenkungskur auch 2019 und 2020 weitersparen. Bereits im kommenden Jahr muss ausserdem die Schweizer Tochter überdurchschnittlich hohe Einsparungen liefern.

«Wir mussten die Bank aufräumen», sagte Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam gestern in London vor Investoren. Die Einsparziele, die er sich nach seinem Antritt Ende 2015 gesetzt hat, sollen wie geplant nächstes Jahr erreicht werden.

Vermögensverwaltung als Zugpferd

Konkret wird er dann die Kostenbasis um mehr als 4 Milliarden Franken auf 17 Milliarden Franken reduziert haben. Für die Jahre 2019 und 2020 gab er gleichzeitig ein neues Kostenziel von 16,5 bis 17 Milliarden Franken bekannt. Das grösste Wachstumspotenzial sieht Thiam im Ver­mögensverwaltungsgeschäft mit Personen mit mehr als einer ­Million Franken Vermögen. Hier geht die Post vor allem in Asien ab. Beim Vermögensverwaltungsgeschäft in Asien rechnet die ­Credit Suisse damit, den für Ende 2018 angepeilten Vorsteuergewinn von 700 Millionen Fran­­ken bereits dieses Jahr zu erreichen. Das Gewinnziel für das kommende Jahr erhöhte sie auf 850 Millionen Franken.

Trugen aufstrebende Märkte 2006 erst knapp einen Viertel zu den verwalteten Vermögen bei, waren es im vergangenen Jahr schon fast drei Viertel, illustrierte Thiam mit einer Folie. Weiter betonte er, dass die verwalteten Vermögen der Credit Suisse seit 2015 mit 11 Prozent am schnellsten zulegten. Konkurrentin UBS gab ein Plus von 8 Prozent an. Gut voran kommt die Credit Suisse auch mit den Altlasten. Der Vorsteuerverlust der Abwicklungseinheit Strategic Resolution Unit soll sich nächstes Jahr planmässig auf 1,4 Milliarden Franken verringern. Für das Jahr 2019 geht die CS neu von einem Verlust von 500 Millionen Franken aus, statt wie bis anhin von 800 Millionen Franken.

Optimierungen an der Kundenfront

Investieren will die Credit Suisse die nächsten Jahre nicht nur in das Vermögensverwaltungsgeschäft, sondern auch in mehr ­Roboter und Cloud-Systeme. Rechtfertigend bestätigte Thiam zudem das Ziel für die Schweizer Bank von 2,3 Milliarden Franken Vorsteuergewinn für 2018.

«Das Ziel ist hoch, aber wir halten daran fest», sagte er. In Analysten- und Medienkreisen hiess es die letzten Tage, dass das Ziel zu ambitioniert sei und am Investorentag wohl reduziert würde. Nun hat CS-Schweiz-Chef Thomas Gottstein an­gesichts des veranschlagten ­Vorsteuergewinns von 1,8 bis 1,9 Milliarden Franken im laufenden Jahr auch im nächsten Jahr einiges vor. Er muss nämlich 2018 zusätzliche 400 Millionen Franken einnehmen.

Und damit nicht genug: Die Credit Suisse will zudem die Kosten in der Schweiz 2018 um weitere 5 bis 6 Prozent senken. Die Rede ist von einer weiteren Zentralisierung und von Optimierungen an der Kundenfront. Da die Personalkosten mehr als die Hälfte zu den Kosten beitragen, wären Lohnkürzungen oder ein weiterer Stellenabbau naheliegend. Ein CS-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur SDA allerdings, dass die Ankündigung vom Oktober 2015 noch immer gültig sei. Damals gab die Bank bekannt, bis 2018 in der Schweiz 1600 der insgesamt 17000 Stellen zu streichen.

Aktie steigt auf Jahreshöchststand

Hohe Ziele setzte sich die Grossbank beim Eigenkapital. Die Eigenkapitalrendite solle 2019 zehn bis elf Prozent und 2020 elf bis zwölf Prozent erreichen. In den ersten neun Monaten 2017 lag der Wert bei 4,1 Prozent. Künftig soll die Hälfte des Reingewinns in Form von Aktienrückkäufen und Sonderdividenden den Aktionären zugutekommen. Die Ausschüttungsquote liegt damit leicht über den Erwartungen.

An der Börse wurden die Informationen positiv aufgenommen. Bis zum Mittag erhöhte sich CS-Aktienpreis um 3,18 Prozent auf den neuen Jahreshöchststand von 16.86 Franken. (sda)

CEO der Credit Suisse


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