Valiant setzt auf digitale Schalter

BANKEN ⋅ Die Valiant steigert ihren Gewinn und treibt die Digitalisierung der Bankschalter voran. 65 Stellen sind betroffen, Kündigungen soll es aber keine geben.
11. August 2017, 00:00

Andreina Thoma (SDA)

Die Valiant sieht sich auf Kurs: Sie hat im ersten Halbjahr 2017 ihren Konzerngewinn um 1 Prozent auf 52,2 Millionen Franken gesteigert. Um Kosten einzusparen, treibt die überregionale Bank die Digitalisierung in den Filialen voran. Zudem gibt sie erstmals hypothekenbesicherte Obligationen heraus. Der Erfolg aus dem Zinsgeschäft stieg um 0,1 Prozent auf 143,4 Millionen Franken. Das Zinsergebnis auf Vorjahresniveau zu halten, sei das A und O für die Valiant, teilte die Bank gestern mit. Derweil stehe die Zinsmarge weiterhin unter Druck der Negativzinsen. Sie sank leicht von 1,12 auf 1,10 Prozent.

Der Kommissions- und Dienstleistungserfolg betrug 29Millionen Franken, 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Erfolg aus dem Handelsgeschäft nahm um 3,3 Prozent auf 5,3 Millionen ab. Der Geschäftserfolg sank um 11,4 Prozent auf 65,9 Millionen Franken. Grund für den Anstieg im Vorjahr war allerdings die Auflösung von Wertberichtigungen. Die Kundenausleihungen stiegen um 1,4 Prozent auf 22,5 Milliarden Franken. Bei ihrem Kerngeschäft, den Hypotheken, konnte Valiant ein Wachstum von 1,3 Prozent auf 21 Milliarden Franken verzeichnen. Im ersten Quartal habe Valiant wegen der Negativzinsen bei den Kundengeldern bewusst einen Abfluss von 431 Millionen Franken in Kauf genommen, heisst es weiter in der Mitteilung. Im zweiten Quartal nahmen sie wieder um 195 Millionen zu. Insgesamt gingen die Kundengelder im ersten Semester um 1,3 Prozent auf 18 Milliarden Franken zurück.

Anleihen für günstigere Refinanzierung

Für das laufende Jahr rechnet Valiant weiterhin mit einem Gewinn in der Höhe des Vorjahres. Damals konnte der Konzern gewinn um 2,7 Prozent auf 117,5 Millionen Franken gesteigert werden. Valiant gab ausserdem bekannt, im vierten Quartal 2017 als erste Schweizer Bank hypothekenbesicherte Obligationen, sogenannte Covered Bonds, in der Höhe von «mindestens 150 Millionen Franken» herauszugeben. Damit will die Bank die Refinanzierung ihrer Hypotheken und KMU-Kredite diversifizieren.

Zudem können die Kosten gesenkt werden, da die besicherten Anleihen zu tieferen Konditionen ausgegeben werden als unbesicherte Anleihen. Solche Massnahmen würden mit den anhaltenden Negativzinsen immer wichtiger, sagte Valiant-Chef Markus Gygax an einer Telefonkonferenz für Journalisten. Mögliche Käufer solcher Obligationen seien etwa Pensionskassen, Versicherungen oder Banken.

Kosten senken will die Bank auch durch die Digitalisierung. Denn immer mehr Kunden erledigen einfache Bankgeschäfte selbstständig und gehen dafür nicht mehr an den Bankschalter. Die Valiant wird deshalb die Kundenzonen ihrer Geschäftsstellen weiter umbauen.

Die persönliche Beratung wird mit digitalen Dienstleistungen, wie etwa dem Videoempfang, kombiniert. Die Valiant geht davon aus, in rund 20 Hauptgeschäftsstellen weiterhin klassische Bankschalter mit Kassen zu betreiben. In den anderen Filialen werden die Bankschalter in den kommenden fünf Jahren schrittweise ersetzt.

Von den Anpassungen sind rund 65 Stellen betroffen. Kündigungen werde es aber keine geben, versicherte Gygax. Alle Angestellten werden bei Valiant weiterbeschäftigt. Nach Abschluss des Projekts und Investitionen in der Höhe von rund 10 Millionen Franken rechnet Valiant mit wiederkehrenden Kosteneinsparungen von 4 bis 5 Millionen Franken. Gygax bezeichnete die Kapitalausstattung von Valiant als «weiterhin sehr solide». Die Valiant hat überdies ein neues Kapitalziel formuliert. Die bisherige Zielsetzung von «grösser als 15 Prozent» wurde mit «15 bis 17 Prozent» ersetzt. Das bisherige Kapitalziel habe sich zwar bewährt, die Bank wolle aber überschüssiges Kapital nicht horten, sondern verwenden, heisst es im Communiqué.

Zwei neue Filialen pro Jahr

Als Beispiel nennt Valiant den Kauf der Aktien der Luzerner Regionalbank Triba Partner Bank. Anfang Juli hielt Valiant insgesamt 97,4 Prozent der Triba-Titel und hat die angedienten Aktien für 53,3 Millionen Franken gekauft. Mitte 2018 soll die Integration der Triba in die Valiant abgeschlossen sein.

Die Valiant hält erneut fest, zwei neue Filialen pro Jahr eröffnen zu wollen. Dies gemäss ihrer Strategie «vom Genfersee bis an den Bodensee». Im Januar dieses Jahres wurde eine Filiale in Brugg eröffnet, im Herbst folgt eine Geschäftsstelle in Morges. Im kommenden Jahr sind Eröffnungen in Vevey und Nyon und ab 2019 in Rheinfelden, Frauenfeld, Wil und St. Gallen geplant. Die Valiant beschäftigt heute 950 Mitarbeitende in 85 Geschäftsstellen in der Schweiz.


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