VW-Schadenersatzklage ist ein Renner

ABGASSKANDAL ⋅ Innert Wochenfrist nach Bekanntgabe haben sich 1600 Autobesitzer der Klage der Stiftung für Konsumentenschutz gegen VW und Amag angeschlossen. Pro Fahrzeughalter soll ein Anspruch von bis zu 7000 Franken bestehen.
14. September 2017, 00:00

Das Interesse der VW-Fahrzeughalter an der Schadenersatzklage der Stiftung für Konsumentenschutz hat die Erwartungen übertroffen. Knapp eine Woche nach Bekanntgabe haben sich bereits 1600 Autobesitzer der Klage angeschlossen. Unter den 1600 Klagewilligen befinden sich 100 Vertreter von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), wie Alex von Hettlingen, Sprecher der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), gestern sagte.

Um genügend Rückhalt für die Schadenersatzklage gegen den Generalimporteur Amag und VW zu haben, wollte die SKS bis Mitte November 2000 Klagewillige an Bord haben. «Wir sind überrascht von der grossen Nachfrage und überzeugt, dass wir die 2000 rechtzeitig erreichen», führte von Hettlingen aus. Viele Besitzer der Marken VW, Skoda und Audi hätten sich sehr erleichtert gezeigt, dass sich die SKS einsetze und das Prozessrisiko übernähme.

3000 bis 7000 Franken pro Autobesitzer

Das Klageprojekt wendet sich an rund 180000 betroffene Autobesitzer in der Schweiz. Die SKS geht von einem Schaden von rund 15 Prozent des Kaufpreises aus, den die Autobesitzer zu viel bezahlt haben dürften. Demnach sollen die Fahrzeughalter laut der Stiftung Anspruch auf je 3000 bis 7000 Franken Schadenersatz haben.

Die Schadenersatzklage will die SKS bis Ende Jahr einreichen, weil ab Januar die Ansprüche der betroffenen Halterinnen und Halter zu verjähren drohen. Bereits letzte Woche hatten die Konsumentenschützer beim Handelsgericht des Kantons Zürich eine Verbandsklage gegen Amag und den Volkswagenkonzern eingereicht. Die Klage lautete auf widerrechtliche Täuschung im Rahmen der Abgas-manipulationen durch VW.

Derweil hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kurz vor Beginn der Internationalen Automobil-Aus­stellung IAA in Frankfurt die Autoindustrie zu einem Kurswechsel aufgefordert. Am Produktionsstandort Europa würden «Weltklasse-Produkte» geschaffen, sagte Juncker gestern im EU-Parlament in seiner jährlichen Rede zur Lage der Union. Er sei jedoch «schockiert, wenn Kunden und Konsumenten wissentlich und absichtlich hinters Licht geführt werden». Die Automobilindustrie sei aufgefordert, «dies wiedergutzumachen und ihren Kurs zu korrigieren», sagte der Kommissionspräsident. Statt «zu täuschen und in die Irre zu führen», sollten die Autobauer in «die sauberen Autos der Zukunft investieren».

Umweltministerin will Fortschritt bei Diesel

Angesichts des Skandals um manipulierte Abgaswerte und der Debatte um drohende Fahrverbote stehen die Hersteller derzeit verstärkt unter Druck. Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks forderte die Autoindustrie auf, den Konsumenten schneller als bisher geplant neue Diesel-Modelle zur Verfügung zu stellen. «Die Hightech-Diesel-Modelle dürfen nicht erst 2019 oder 2021 in die Autohäuser kommen, das muss jetzt passieren», sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Hendricks zeigte sich überzeugt, dass der Strassenverkehr in einigen Jahrzehnten vollständig ohne fossile Energie auskommen müsse. «Autos mit Verbrennungsmotoren wird man Mitte des Jahrhunderts nur noch sehr vereinzelt im Strassenbild sehen», sagte sie. «Das sind dann echte Oldtimer.» (sda)


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