Weiterer Kahlschlag bei Vögele

TEXTILHANDEL ⋅ Die neuen italienischen Besitzer von Charles Vögele setzen erneut den Rotstift beim Personal an. Nach der Entlassung von 100 Mitarbeitern Anfang Jahr baut OVS nun weitere 160 Stellen ab.
18. Mai 2017, 00:00

Die Nachricht kam unerwartet: Nachdem Mitte Januar bekannt wurde, dass am Vögele-Hauptsitz in Pfäffikon 100 der 320 Angestellten den Job verlieren, teilte das Modehaus gestern mit, weitere 160 Jobs abzubauen. Betroffen sind Angestellte in der Logistik in Pfäffikon und Freienbach, wie ein Sprecher von Charles Vögele gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagte. Dort arbeiten zurzeit 165 Mitarbeiter in der Logistik. Die Arbeitsplätze würden nicht mehr benötigt, da der Käufer, der italienische Modekonzern OVS, seine Logistik über ein internationales Unternehmen abwickle. Die Logistik in der Schweiz werde von der Firma XPO übernommen, welche bereits heute für diesen Bereich bei OVS verantwortlich ist.

Dieser Schritt ist eine logische Folge aus der Übernahme durch die Italiener. Unter OVS ist Vögele kein eigenständiges Unternehmen mehr, sondern bildet lediglich noch eine Verkaufsorganisation von OVS. Künftig werden die Kleider nicht mehr direkt aus Asien in die Schweiz, sondern zuerst zum OVS-Sitz in Pontenure in der Emilia-Romagna geschickt. Dort werden sie sortiert und in die Schweiz, Deutschland und Österreich versandt.

Was wusste das Management?

Über die erneute Massenentlassung seien die Mitarbeiter bereits am Dienstag informiert worden. Der Kahlschlag im Januar hatte Angestellte im Einkauf und Design getroffen. «Es sind keine weiteren Massenentlassungen vorgesehen», so der Vögele-Sprecher. Im Verkauf gebe es gar aktuell 50 Vakanzen.

Das Unternehmen verfüge über einen Sozialplan. Allerdings seien Charles Vögele und die Mitarbeitenden nicht gewerkschaftlich organisiert. «Deshalb führen wir keine Gespräche mit den Gewerkschaften», so der Vögele-Sprecher weiter. Die Gewerkschaft Unia jedoch fordert ein echtes Konsultationsverfahren für einen besseren Sozialplan, wie sie gestern in einem Communiqué mitteilte. «Charles Vögele/OVS ist offenbar nicht gewillt, auf Verbesserungen einzugehen und die Arbeitnehmerrechte zu respektieren. Ein solches Verfahren ist eine Farce», hiess es.

Die Vorwürfe wies Charles Vögele gegenüber «Blick» als haltlos zurück. Das Konsultationsverfahren sei eingeleitet und die Mitarbeitenden über die Auslagerung informiert worden. Der definitive Entscheid werde nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationsphase getroffen. Dies werde voraussichtlich Ende Juni der Fall sein. Nach Bekanntgabe der Massenentlassung im Januar hatten laut Unia bereits 78 Betroffene beim Einigungsamt des Kantons Schwyz eine Verbesserung des Sozialplans verlangt. Gemäss der Unia läuft das Einigungsverfahren allerdings noch.

Unklar ist, ob das Management vom neuerlichen Abbau überrascht wurde. Charles-Vögele-Chef Markus Voegeli jedenfalls hatte letzten November noch gesagt, dass er nach der Übernahme nicht mit einem Kahlschlag bei den über 6000 Beschäftigten rechne. Wenn schon, werde es einen Personalabbau bei der Zentrale in Pfäffikon geben. Nach der Übernahme Ende 2016 durch Sempione Retail, bestehend aus dem italienischen Modekonzern OVS und zwei Investoren, wurden die Charles-Vögele-Aktien letzten Monat von der Börse dekotiert. Diesen Sommer sollen die 163 Filialen der Modekette auf OVS umgestellt werden. Der Name und die Marke Charles Vögele wird dann voraussichtlich Anfang 2018 verschwinden.

Dank der Übernahme von Charles Vögele will OVS seinen internationalen Umsatz um 400 Millionen auf über 2 Milliarden Euro steigern. In Italien stieg OVS zur Nummer eins im Modegeschäft auf. Nach Konzernangaben wächst OVS schneller als die Konkurrenten H&M und Zara-Besitzer Inditex. (sda/lb)

«Es sind keine weiteren Massen- entlassungen vorgesehen.»

Charles-Vögele-Sprecher


Leserkommentare

Anzeige: