Weniger Uhren, aber mehr Schmuck verkauft

RICHEMONT ⋅ Der Genfer Luxusgüterkonzern mit Marken wie IWC und Cartier spürt die Krise. Umsatz und Gewinn gingen im letzten Jahr zurück. Die Aktionäre sollen aber trotzdem eine höhere Dividende erhalten.
13. Mai 2017, 00:00

Liebhaber von Luxusuhren haben im vergangenen Jahr weniger zu Marken aus dem Hause Richemont gegriffen. Hingegen kauften Konsumenten vermehrt wieder Schmuck. Der Umsatz sank im Gesamtjahr 2016/17 (per Ende März) sowohl in der Berichtswährung Euro als auch in Lokalwährungen um 4 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro.

Unter dem Strich nahm der Gewinn auf 1,21 Milliarden Euro von zuvor 2,23 Milliarden Euro ab. Hier hatte im Vorjahr allerdings die Fusion des Onlineportals Net-A-Porter mit dem italienischen Modehändler Yoox einen einmaligen Buchgewinn ausgelöst. Ausserdem hätten im abgelaufenen Jahr höhere Finanzkosten auf das Ergebnis gedrückt, hiess es in der gestrigen Mitteilung der Richemont-Gruppe.

Im schwierigen Umfeld haben sich die Schmuckhäuser Cartier und Van Cleef&Arpels gut gehalten: Der Umsatz sank lediglich um 2 Prozent auf 5,93 Milliarden Euro. Anders präsentiert sich die Lage bei den Uhren mit Marken wie IWC, Piaget oder Jaeger LeCoultre. Dort nahm der Umsatz um 11 Prozent auf 2,88 Millionen Euro ab. Die Marge hat sich auf 7,8 Prozent halbiert. Dem Segment Others (Montblanc, Alfred Dunhill, Chloé etc.) ist auf Stufe des Betriebsgewinns (Ebit) dank Restrukturierungen die Rückkehr in die Gewinnzone geglückt. Im Vorjahr hatte noch ein Betriebsverlust von 94 Millionen Euro resultiert.

Stellen bei den Uhrenherstellern abgebaut

Das Umfeld für den Luxusgüterkonzern war zuletzt garstig. Auf die Einbrüche der Nachfrage bei den Uhren im Hochpreissegment reagierte Richemont im vergangenen Herbst mit einem Stellenabbau. Im November 2016 gab das Unternehmen den Abbau von rund 200 Stellen bekannt, nachdem es bereits zum Jahresanfang angekündigt hatte, bis zu 350 Stellen zu streichen. Betroffen waren primär die Uhrenmarken Piaget und Vacheron Constantin.

Trotz des Gewinnrückgangs schlägt der Verwaltungsrat der Generalversammlung eine Erhöhung der Dividende von 1.70 Franken auf 1.80 Franken pro Aktie vor. Gleichzeitig kündigt Richemont in einer weiteren Mitteilung ein neues Aktienrückkaufprogramm an. Bis 2020 sollen insgesamt 10 Millionen Aktien, was 1,7 Prozent des Aktienkapitals entspricht, zurückgekauft werden.

An der Generalversammlung im September sollen die Aktionäre zudem Clay Brendish, Nikesh Arora, Anton Rupert – Sohn des Verwaltungsratspräsidenten Johann Rupert – sowie Keyu Jin und Vesna Nevestic in das Aufsichtsgremium wählen. Anton Rupert werde sein Wissen in den Bereichen Digital Marketing und C-Commerce einbringen und auch die Verbindung des kontrollierenden Aktionärs mit dem Management sicherstellen. Die Rupert-Familie hält gut 9 Prozent des Kapitals und verfügt über die Hälfte der Stimmen. Der Konzern hatte vor kurzem ebenfalls seine Organisation umgebaut.

Beim Ausblick zeigt sich das Unternehmen vorsichtig. Die Volatilität sowie die geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten würden anhalten, heisst es in der Mitteilung. Die Position des Unternehmens und die Konzentration auf nachhaltiges Wachstum eröffne jedoch der Gruppe langfristig exzellente Wachstumsaussichten. Konkrete Wachstumsziele gibt Richemont jedoch nicht an.

An der Börse ist von einem durchzogenen Abschluss und von Gewinnmitnahmen nach der starken Leistung der vergangenen Monate die Rede. Die Aktie verlor 5 Prozent, das Plus seit Anfang Jahr beträgt noch 21 Prozent. (sda)


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